Sport : Boxen mit anderen Mitteln

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Bud Spencer mit Hirn. Klitschko war kein Stilist, aber höchst erfolgreich. Foto: Imago
Bud Spencer mit Hirn. Klitschko war kein Stilist, aber höchst erfolgreich. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Boxen sei der Sport, der dem Leben am nächsten kommt, hat Witali Klitschko einmal gesagt. Boxen sei ein großes Drama, ein Theater. Nur dass man im Theater wisse, was passieren wird. Beim Boxen wisse man das nicht. Dieser Faszination hat Witali Klitschko sich nun entzogen. Ihn als Boxer werden wir nicht mehr sehen. Er verlässt diese Bühne, weil er eine andere betreten hat, die der Politik. Klitschko steht in vorderster Linie auf dem Maidan von Kiew und kämpft dort um Demokratie und Anbindung an den Westen.

Sein Rückzug vom Boxen ist eine logische Konsequenz seines Alters und seiner weiterführenden Ambitionen. Mit 42 Jahren muss man sich nicht die Fäuste um die Ohren hauen lassen, zumal sein Körper entsprechende Signale gab. Wegen eines Kreuzbandrisses hatte er bereits vor acht Jahren sein Karriereende bekannt gegeben. Es war die Zeit, als in seiner Heimat die demokratische Revolution ausbrach und ihn in ihren Bann zog. Vier Jahre später kehrte er in den Ring zurück und holte sich den WM-Titel, den er jetzt freigibt.

Und auch jetzt wieder hat der World Boxing Council (WBC) seinen Schwergewichtsweltmeister zum Champion Emeritus ernannt. Als Weltmeister im Ruhestand hat er jederzeit das Recht, den künftigen Weltmeister herauszufordern. Doch dieses Mal wird er nicht zurückkehren. Eher wird sein Brüderchen Wladimir, der die Titel der restlichen Verbände WBA, IFB und WBO hält, das erledigen.

Nach seiner ersten Boxstunde kam Witali Klitschko mit einer blutigen Nase und einer aufgeplatzten Lippe nach Hause. Er wusste nicht, wie man sich verteidigt. Er lernte schnell und wurde auch deshalb so erfolgreich. Nun kämpft Klitschko einen anderen Kampf, auf offener Straße sozusagen. Im Vergleich mit dem Boxen sei die Politik ein Kampf ohne Regeln. Es gebe viele Rückschläge und noch einmal so viele Schläge in den Rücken.

Als Boxer war er nie der große Stilist, eher ein Typ Bud Spencer. Aber er boxte mit Hirn und mit Herz. Segnungen, die er für seinen neuen Kampf gut gebrauchen kann. Das Boxen verliert in Witali Klitschko einen seiner charismatischsten Akteure, der Ukraine aber verleiht er Hoffnung auf ein besseres Leben.

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