Boxen : Nach oben gekämpft

Die Fußstapfen sind groß: Die ehemalige Putzfrau Susianna Kentikian will heute die Nachfolge von Regina Halmich antreten.

Hamburg - Nur eine Woche nach ihrem glanzvollen Abschied wird Deutschlands bekannteste Boxerin Regina Halmich ihren Titel endgültig los. Susianna Kentikian aus dem Hamburger Spotlight-Boxstall will von ihrer prominenten Berufskollegin den nun vakanten Weltmeistergürtel der Women International Boxing Federation (WIBF) im Fliegengewicht übernehmen. „Ich bin so stolz, um Reginas Gürtel kämpfen zu dürfen. Sie hat das Frauen-Boxen großgemacht. Regina ist mein großes Vorbild“, sagte Kentikian vor dem WM-Duell gegen die Französin Nadia Hokmi am Freitagabend (22.45 Uhr/ProSieben) in Hamburg.

Für die erst 20 Jahre alte gebürtige Armenierin endet damit ein turbulentes Jahr, wie es erfolgreicher nicht hätte sein können. Im Februar erkämpfte die nur 1,54 Meter große Boxerin, die durch den Ring fegt wie keine andere, in Köln-Mülheim den WM-Titel des Verbandes WBA im Fliegengewicht und verteidigte ihn seither bereits dreimal. Bei ProSieben ist sie mit dem Kampfnamen „Killer Queen“ die Hauptkämpferin und hat die „FightNights“ genannten Übertragungen, mit denen der Privatsender in diesem Jahr ins Boxgeschäft eingestiegen ist, mittlerweile etabliert. Auch in der Öffentlichkeit hat sich die Fliegengewichtlerin, die ihre 18 Profikämpfe seit dem Debüt im Januar 2005 ausnahmslos gewonnen hat, mittlerweile einen Namen gemacht. „Damit komme ich inzwischen ganz gut klar. Ich bin gern im Mittelpunkt“, sagte Kentikian, die sich ihren sozialen Aufstieg hart erarbeiten musste.

Um ihre Familie zu unterstützen, jobbte sie nach der Schule einst auch in einem Fitness-Center als Putzkraft. Kentikians Vorbild Regina Halmich musste das nicht. Aber das interessiert Deutschlands neue Box-Hoffnung nicht. Im Gegenteil, es stört sie, ständig mit Halmich verglichen zu werden. „Ich bin und will meine Karriere auf meine Art aufbauen“, sagt die Hamburgerin selbstbewusst.

Sie weiß jedoch, dass Halmichs Schatten noch lange über der Szene liegen wird. Auch in der Alsterdorfer Sporthalle wird dies so sein. Am Freitagabend absolviert Regina Halmich an der Seite von Stefan Raab eine weitere Übungseinheit als Ko-Moderatorin eines Hauptkampfes, der es in sich hat. Kentikian hat das erste Duell mit Hokmi im Mai dieses Jahres nur umstritten mit 2:1-Richterstimmen gewonnen. Das wurmt sie nach wie vor und spornt sie besonders an: „Ich habe neun Wochen trainiert, so hart wie noch nie“, sagte Kentikian. Eine weitere Gemeinsamkeit mir ihrer Vorgängerin: Auch Halmich wäre ohne ihre Zielstrebigkeit nicht zu der geworden, die sie heute ist. dpa

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