Sport : Boxen: Party Time im Staate Dänemark

Hereinspaziert, hereinspaziert. Liebe Gäste, heute für Sie exklusiv bei uns zu Gast: Iron Mike, der bösartigste Mensch auf dem Planeten. Schlägt andere Boxer zusammen, beißt ihnen die Ohren ab, geht hin und wieder auch mal ins Gefängnis. Hat Mao auf dem Arm und im Herzen Mohammed und war jüngster Schwergewichts-Champion aller Zeiten. So oder ähnlich sollten sie ihn heute Abend ansagen in Kopenhagen, denn das ist nun mal der Stil aller Schaubuden. Auch wenn das Vaudeville-Theater in diesem Fall ein offenes, beheizbares Stadion für maximal 45 000 Zuschauer ist, es bleibt dabei: Mike Tysons Auftritte in Europa gleichen immer mehr jenen kurzweiligen Abenden, an denen einem Jahrmarkt-Conférencier Damen mit Bart sowie allerlei Zwerge und Riesen präsentieren. Da steht die Farce von Anfang an fest, weil man von dem einst so außergewöhnlichen Preisboxer Michael Gerard Tyson heute im Grunde nur noch eins erwartet: dass er weiter den Mike Tyson spielt, der er vielleicht sogar auch ist.

15 Jahre nach seinem ersten fulminanten Triumph über WBC-Titelträger Trevor Berbick wird der einrostende Ex-Weltmeister nun bereits zum dritten Mal auf dem alten Kontinent inszeniert. Er allein, und nicht sein stets drittklassiger Gegner, verkauft die Tickets für die One-Man-Show. Und das gelingt ihm, obwohl er zuletzt immer weniger durch sportliche Leistungen zu beeindrucken wusste. In London fällte er in Runde zwei Julius Francis, der gegen Axel Schulz mal über die Runden kam. In Glasgow benötigte er gegen den unbesungenen Amerikaner Lou Savarese eine Runde weniger.

Nach solchen Glanztaten fordert Tyson dann gelegentlich einen wirklich Großen wie Lennox Lewis, nur um sich alsbald mit der nächsten Luftpumpe zu verabreden. Die heißt jetzt Brian Nielsen, ist 36 Jahre alt und darf von sich behaupten, während einer mehrjährigen Pseudo-Regentschaft als "Champion" der IBU bisher jedem halbwegs brisanten Kampf aus dem Wege gegangen zu sein. Selbst der betagte Ex-Weltmeister Larry Holmes wurde für ihn fast zum Stolperstein.

Das alles aber wird etwa 20 000 erwartete Besucher ebenso wenig abschrecken wie die Veranstalterin Bettina Palle, den amerikanischen Ko-Promoter America Presents oder den Pay-per-View-Kanal Showtime, die alle ihren Schnitt machen wollen. Oder auch Brian Nielsen, der schon vor dem Wiegen brav verkündet hat: "Ich werde Tyson grün und blau schlagen!" Tyson selbst hat wieder pflichtgemäß Tyson gegeben mit der Ankündigung, seinen Widersacher "vernichten" zu wollen. Doch dass er dieses Versprechen einlösen kann, halten Insider für fraglich. Jeden Abend hat man Iron Mike und seine Entourage des Abends mit einer ganzen Palette junger Däninnen auf die Hotelsuite verschwinden sehen. Party Time im Staate Dänemark.

Ein akzeptabler Kampf ist also auch heute nicht zu erwarten. Aber die Riesenschaubude wird auch nicht deshalb so gut besucht werden. Sie wird es, weil die Schaulustigen wissen: Wo Mike Tyson auftaucht, ist das unberechenbar krasse Leben nicht weit. Also dann: hereinspaziert, hereinspaziert!

0 Kommentare

Neuester Kommentar