Boxen : Prügel im Stadion

Wladimir Klitschko trifft in Gelsenkirchens Fußballarena auf David Haye. Der Ukrainer setzt damit die deutsche Tradition des Boxens in Großarenen fort.

Michael Rosentritt
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Klitschko

BerlinDer Box-Weltmeister Wladimir Klitschko hat sich für seine Titelverteidigung einen besonderen Ort ausgesucht. Der jüngere der beiden Klitschko-Brüder wird am 20. Juni seine Schwergewichtstitel der Verbände IBF und WBO im Fußballstadion des FC Schalke 04 in Gelsenkirchen verteidigen. In der gut 60 000 Zuschauer fassenden Arena, deren Dach geschlossen werden kann, trifft er auf den Engländer David Haye.

„Ich wollte schon immer in einem Fußball-Stadion vor einer so großen Kulisse kämpfen. Nun wird dieser Traum wahr“, sagte der 33 Jahre alte Ukrainer. Bis zuletzt waren auch andere Austragungsorte im Gespräch, etwa das Stadion Stamford Bridge in London, wo der FC Chelsea seine Heimat hat. „Wir haben uns am Ende für Schalke entschieden, da uns das Gesamtpaket überzeugt hat. Wir wollen ein volksnahes Event veranstalten mit günstigen Preisen für jedermann“, sagte Klitschkos Manager Bernd Bönte. Der Vorverkauf soll am 17. April beginnen.

 Mit dem Kampf in Juni findet eine Tradition seine Fortsetzung, die vor fast 13 Jahren vorläufig zu Ende gegangen ist. Am 10. August 1996 kämpften Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani um die WM im Halbschwergewicht im Stadion am Millerntor in St. Pauli vor 22 500 Zuschauern gegeneinander. Wenige Tage zuvor, am 22. Juni 1996, kamen ebenso viele Besucher ins Dortmunder Westfalenstadion. Dort duellierten sich Axel Schulz und Michael Moorer. Der Kampf damals in Dortmund war das größte Profibox-Spektakel in Deutschland unter freiem Himmel seit dem WM-Kampf von 1966, als Muhammad Ali im Frankfurter Waldstadion vor 35 000 Zuschauer den Deutschen Karl Mildenberger schlug.

Boxkämpfe in großen Arenen haben in Deutschland eine große Tradition. In Ermangelung geeigneter Hallen wurden Boxkämpfe insbesondere in den Nachkriegsjahren unter freiem Himmel veranstaltet, wie beispielsweise im Olympiastadion oder in der benachbarten Waldbühne. Den bislang letzten Kampf in der amphitheatrischen Freiluftarena bestritt am 3. Juni 1973 Eckhard Dagge, der damals Deutscher Meister im Mittelgewicht wurde. Später wurde Dagge sogar Weltmeister, der erste nach Max Schmeling. Schmeling war es auch, der im Oktober 1948 in der Waldbühne seine aktive Karriere beendete. Dort haben von 1946 an bis zum Ende der fünfziger Jahre die besten deutschen Profis wie Erich Campe, Dieter Huck oder Conny Rux zahlreiche Kämpfe bestritten.

Im Olympiastadion wurde der Schwergewichtler Hein ten Hoff im September 1951 erster deutscher Nachkriegs-Europameister. Im Juni 1962 drückten dort 40 000 Zuschauer Gustav „Bubi“ Scholz die Daumen. Der Lokalmatador unterlag im WM-Kampf dem Amerikaner Harold Johnson. Noch heute hält Deutschland den Zuschauer-Europarekord. Im August 1934 strömten 102 000 Menschen auf der Sandbahn in Hamburg-Lokstedt zusammen, um den WM-Ausscheidungskampf zwischen Schmeling und Walter Neusel zu sehen.

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