Boxen : Punktsieg für den Selbstpromoter Felix Sturm

In seinem ersten Kampf in Eigenregie verteidigt Felix Sturm souverän seinen WBA-Weltmeistertitel im Mittelgewicht – doch der richtige Glanz fehlt noch.

Bertram Job
Schlagfertig. Gegen den Herausforderer Giovanni Lorenzo (links) siegte Weltmeister Felix Sturm in zwölf Runden nach Punkten.
Schlagfertig. Gegen den Herausforderer Giovanni Lorenzo (links) siegte Weltmeister Felix Sturm in zwölf Runden nach Punkten.Foto: dpa

An den erregten Männern mit den martialischen Kampfbändern auf der Stirn lag es nicht. „Primero, primero!“ riefen sie von der blau markierten Ecke aus beinahe unablässig in den Ring der vollbesetzten Kölner Großarena. Doch der Berufsboxer, dem sie Wasserflasche und Eisbeutel vorhielten, wusste den gut gemeinen Rat einfach nicht umzusetzen: Statt als Erster initiativ zu werden, traf ihn immer wieder die steife Führhand seines Gegners. Vielleicht konnte Giovanni Lorenzo die Regieanweisungen, die ihm in der Hitze einer Mittelgewichts-WM um die Ohren sausten, gar nicht richtig hören. Vielleicht aber war er in den wichtigsten Minuten seiner Laufbahn auch einfach nicht mehr frisch genug.

Es gibt Momente, in denen ein Boxduell noch mal entscheidend gewendet werden kann und Unterlegene plötzlich die Oberhand gewinnen. Aber der 32. Kampf des Herausforderers aus der Dominikanischen Republik (29 Siege, 3 Niederlagen) ging ausgesprochen undramatisch schief. Weil sein Kontrahent Felix Sturm bis in die zwölfte und letzte Runde hinein Druck und Tempo hoch hielt. Und weil Lorenzo trotz überlegener Reichweite kein probates Mittel gegen den schneller und smarter agierenden Weltmeister des WBA-Verbandes fand. So zwang er am Ende nicht nur über 18 000 euphorische Zuschauer, sondern auch die drei neutralen Punktrichter auf einen deutlichen Punktsieg (zweimal 118:111 und einmal 117:111) für den Titelverteidiger aus Leverkusen zu entscheiden.

Felix Sturm ist also erfolgreich zurückgekehrt, 14 Monate Kampfpause waren ihm höchstens in den ersten, etwas nervösen Minuten anzumerken. Es war die Phase, um die sich sein neuer Trainer Fritz Sdunek im Vorfeld die einzige Sorge machte: „Wir hatten Angst, dass er selbst überdreht.“ Ab der dritten Runde aber lief der Offensivmotor wieder auf Hochtouren. Fast ohne Pause drückte der 31-jährige Titelverteidiger den eindimensional agierenden Widersacher auf die Außenbahn des Geschehens. Und setzte ihm mit den klareren Treffern der Linken zu. Nur die Rechte blieb zu oft im Futteral, wie er selbst nachher eingestand. Alles in allem waren das ohnehin erst „so siebzig, fünfundsiebzig Prozent“ seines Potenzials.

„Die Leistung war okay“, resümierte der Selbstpromoter Sturm über den Hauptkämpfer Sturm, und die Atmosphäre in der Halle, die von nun an sein neues Wohnzimmer werden soll, lasse für die Zukunft hoffen. Seit er seine Ringduelle in Eigenregie zu Markte trägt, geht der einstige Lautsprecher der Szene mit sich und seiner Welt moderater zu Gericht. Und er hat offenbar gelernt nicht nur sich selbst zu loben. Wie effektvoll war doch die Idee, ihn zu den Klängen seiner Lieblingsband Linkin Park („Bleed it out“) auf einem hydraulischem Gestell in die Arena fahren zu lassen: ein kleiner Boxkönig auf dem Silberteller. Und wie unaufgeregt hatte ihn Konditionstrainer Clive Salz in zwölf Wochen um 16 Kilo auf sein Kampfgewicht schrumpfen lassen.

Richtig glanzvoll ist dieser Abend rund um den 37. Profikampf des WBA-Champions (34 Siege, 1 Remis, 2 Niederlagen) noch nicht geworden – auch wenn ihm sein Freund, der Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski, von der ersten VIP-Reihe aus zusah. Trotzdem nimmt die Welt, die Felix Sturm nun in Eigenregie prägen will, allmählich Konturen an.

Knapp 5,3 Millionen Zuschauer schalteten ein, was Sat1 zum größten Marktanteil (28,2 Prozent) verhalf. Hinter den Kulissen gibt es darum keine Zweifel, dass der Sender die Option auf eine zweite Boxnacht wahrnehmen wird. Sportchef Sven Frohberg gab sich „sehr froh damit, was wir hier geschaffen haben“ und unterstrich, „dass Felix alles an Vertrauen zurückgegeben hat“. Für Mitte Dezember ist nun der nächste Termin avisiert, der Ausflug der Familie Sturm nach Mallorca wird entsprechend kurz ausfallen. Immer 16 Kilo wegzuschmelzen ist auch auf dem Zenit der Möglichkeiten nicht wirklich gesund. Und vielleicht steht eines Tages auch mal ein Widerpart im Ring, der noch mehr kann als nicht richtig zuzuhören.

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