Sport : Boxen: Rocchigiani hat wieder eine Verabredung

Julius Müller-Meiningen

Als der Boxer Graciano Rocchigiani am zehnten Januar des neuen Jahres zur Pressekonferenz lud, um sein Comeback anzukündigen, zeichnete sich die Posse bereits ab. Eine halbe Stunde vor dem Treffen wurde ihm ein Videoband seines Gegners für den Kampf am zehnten Februar zugesteckt. Rocchigiani konnte das Band nicht anschauen und die einzige, wenigstens einigermaßen interessante Frage nicht beantworten: Wer ist sein Gegner?

Nun, der 37-Jährige, den sie Rocky nennen, kann dies nun tun. Kommenden Sonabend wird er sich zum Aufbaukampf im Berliner Estrel-Hotel dem Kanadischen Meister Willard Lewis im Ring gegenüberstellen. Der 26 Jahre alte Lewis, der unter dem pompösen Kampfnamen "Roter Donnerfelsen" zwischen die Seile krabbelt, hat 16 seiner 21 Duelle gewonnen, neun davon vorzeitig. Damit weist er einen deutlich besseren Rekord auf als beispielsweise der US-Amerikaner Cliff Nellon, der zuletzt als Kontrahent vorgesehen war. Trotzdem sieht es nach leichtverdientem Geld für Rocky aus. Er soll 500 000 Mark kassieren.

Der Berliner will schließlich nur Kampfpraxis für einen späteren WM-Kampf erlangen. Die Wahl des passenden Gegners gestaltete sich schwierig. Einmal sollte er Yawe Dawis heißen, einmal John Hughes, zuletzt schwirrte der Name Nellon herum. Dieser Herr, von der veranstaltenden Universum Box-Promotion als "gute Qualität" und "ausgebuffter Profi" vorgestellt, war plötzlich nicht mehr im Rennen. Angeblich gab es vertragliche Probleme, erklärte ein Sprecher von Universum und widersprach damit der Version, Rocchigiani habe Nellon abgelehnt. Der Verdacht liegt nahe, dass der eine oder andere Kämpfer schon mal der Öffentlichkeit vorgestellt und erst anschließend gefragt wurde. Dass Rocchigiani Nellon abgelehnt hat wegen eines zu hohen Risikos, ist auszuschließen. Nellon war kein Ungeheuer. Seine Bilanz mit 18 Niederlagen und 10 Siegen ist in keiner Weise furchterregend.

Sollte Rocky sich verletzen oder gar verlieren, ist seine letzte Chance vertan. Nach der Pause von fast einem ganzen Jahr (im letzten Kampf im April 2000 verlor Rocchigiani gegen Dariusz Michalczewski) ist der Neuanfang ein Wagnis. Sportlich betrachtet ist Rocchigianis Kampf von zweifelhafter Qualität. Sat 1 überträgt den Boxabend live, aber nicht vollständig. Hauptattraktion ist der Berliner Thomas Ulrich. Oktay Urkal, immerhin Europameister und selbsternannter "Cassius von Kreuzberg", zieht gegenüber Rocchigiani den kürzeren und wird nicht live gezeigt. Fast schon hätte er deswegen abgesagt. "Respekt vor Urkal, aber der Name Rocchigiani zeiht einfach", sagt Sat 1-Sportsprecher Manfred Martens.

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