Boxen : Sturm bleibt Weltmeister

Profi-Boxer Felix Sturm hat seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht verteidigt - allerdings denkbar knapp. Die Punktrichter werteten seinen Kampf gegen Randy Griffin unentschieden.

Gert Glaner[dpa]
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Felix Sturm und Randy Griffin lieferten sich einen packenden Kampf. -Foto: dpa

Halle/WestfalenDie Brauen geschwollen, die Wangen gerötet, den Titel aber gerettet: Box-Profi Felix Sturm hat in einem Kampf auf Biegen und Brechen seinen WM-Gürtel im Mittelgewicht nach WBA-Version mit einem Unentschieden (114:114, 115:114, 114:117) gegen den Amerikaner Randy Griffin hauchdünn verteidigt. "Ich habe mich am Ende mit zwei Runden vorn gesehen und sehe mich als Sieger. Das bleibt auch so", sagte der 28-Jährige nach dem packenden Duell, das die 5100 Zuschauer in Halle/Westfalen am späten Samstagabend von den Sitzen riss.

Das dürfte vielen der fünf Millionen TV-Zuschauern (19,6 Prozent Marktanteil), die die Live-Übertragung nach ZDF-Angaben sahen, ebenso ergangen sein. Vom ersten Gong an teilten beide Kontrahenten kräftig aus. Sturm punktete mit seinem gewohnt starken linken Jab. Der stürmisch angreifende Amerikaner fand mit seinen Haken immer wieder Lücken in der zu starren Doppeldeckung des Deutschen. "Felix hat Griffin stark gemacht, weil er nichts gemacht hat", kritisierte Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl. So lag sein Mann schon nach drei Runden auf den Punktzetteln hinten und musste eine ungeheure Energieleistung aufbringen, um wenigstens einen der Richter noch auf seine Seite zu bekommen.

Starke Schlussphase rettet Sturm

Das gelang praktisch erst in der starken Endphase, die den Schützling von Trainer Michael Timm gerade noch so vor der dritten Niederlage im 31. Profikampf bewahrte. "Das waren die beiden besten letzten Runden seiner Karriere", lobte Kohl und gestand: "So viel Dramatik habe ich selten erlebt. Auch ich habe alles gegeben." Der Universum-Chef sah sich da im Einklang mit den beiden Protagonisten im Ring, die nach den zwölf Runden kaum mehr die Kraft hatten, auf den Seilen ihre Emotionen für das enthusiastische Publikum nachhaltig zur Geltung zu bringen.

Wie Sturm fühlte sich auch Griffin als Sieger. "Das war sehr, sehr eng. Ich habe gezeigt, was ich kann", resümierte der enttäuschte Pflichtherausforderer, der seiner Rolle als Nummer eins der WBA- Rangliste gerecht wurde. Der 31 Jahre alte Amerikaner und sein Umfeld übten sich danach in Artigkeiten, um ein zweites Mal zu einem lukrativen Auftritt in der boomenden deutschen Box-Szene zu kommen. "Ich komme gern zurück. Ich fühle mich hier wie zu Hause. Bis bald", meinte Griffin.

Sturm: "Solche Kämpfe sind gut für das Boxen"

Die Einladung dazu hatte Felix Sturm schon im Ring ausgesprochen, als er seinem Gegner noch vor der Urteilsverkündung einen Rückkampf anbot. "Solche Kämpfe sind gut für das Boxen. Auch ich brauche das für mich selbst", sagte der alte und neue Weltmeister.

An Kohl ist es nun, Nägel mit Köpfen zu machen. Er ist durchaus willens dazu: "Es gibt Kämpfe, die nach einem Rematch schreien. Das ist so einer." Festlegen lassen wollte sich der gewiefte Geschäftsmann allerdings nicht, weder auf den Termin noch auf den Ort. Da ist viel Geld im Spiel, weshalb auch das vom großen Don King gesteuerte Griffin-Management schon einmal eigene Ambitionen anmeldete.

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