Sport : Boxen: Vom linken Haken erwischt

Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko hat die Tür zum Klub der Box-Größen um Lennox Lewis, Mike Tyson, Evander Holyfield und Hasim Rahman weit aufgestoßen. Der in Hamburg lebende Ukrainer verteidigte in Las Vegas seinen WM-Titel der World Boxing Organization (WBO) gegen den Amerikaner Charles Shufford durch K. o. in der sechsten Runde zum zweiten Mal. "Das war die Eintrittskarte für die USA", jubelte Klitschko-Manager Klaus-Peter Kohl: "Jeder Sieg hilft uns auf dem Weg ganz nach oben."

Für Larry Merchant, Chefkommentator des in den USA live übertragenden Pay-TV-Senders HBO, steht fest: "Klitschko ist der beste Schwergewichtler der Welt." Der TV-Journalist, der einst Wladimir Klitschkos Bruder Witali nach dessen verletzungsbedingter WM-Niederlage gegen Chris Byrd als Weichei und Amateur verhöhnt hatte, schwärmte nun: "Ich würde gern eine Klitschko-Aktie kaufen. Leider gibt es keine."

Bei seinem ersten Auftritt als Champion im Box-Mekka USA beherrschte der 25 Jahre alte Klitschko den drei Jahre älteren und zehn Zentimeter kleineren Herausforderer jederzeit. In der zweiten und dritten Runde streckte der Titelverteidiger den an Nummer 30 der unabhängigen Weltrangliste geführten Amerikaner jeweils mit der rechten Geraden zu Boden. Doch erst im sechsten Durchgang ging dem pausenlos flüchtenden Shufford die Puste aus, als ihn ein knallharter linker Haken des Weltmeisters erwischte. "Es zeichnet Wladimir aus, dass er die Ruhe behält und seinen Gegner allmählich zermürbt", entgegnete Kohl auf einige Buh-Rufe der Zuschauer in den eher langweiligen Runden vier und fünf. Rund vier Millionen Mark durfte der Schützling von Trainer Fritz Sdunek als Börse mit nach Hause nehmen. Shufford musste sich dagegen mit 700 000 Mark begnügen.

Lediglich 4000 Zuschauer im 10 000 Plätze bietenden Mandalay-Bay-Casino, geringeres Medien-Interesse als üblich bei einem WM-Kampf, lieblose Organisation und bis auf Schauspieler Will Smith keine Prominenten in Ring- und Kamera-Nähe - das alles ist Ausdruck des beschwerlichen Wegs, den Klitschko bei der Jagd nach größerer Popularität in den USA gehen muss. "Für meinen ersten Schritt hier war das in Ordnung", befand der Weltmeister nach seinem 34. K. o. im 38. Kampf. Doch Manager Kohl weiß: "Wir müssen bessere, attraktivere Gegner bekommen. Aber der Markt gibt momentan nicht viel her." Klitschkos nächster WM-Kampf in Las Vegas ist für November geplant.

Die großen Duelle mit Lewis, Tyson und Co. wird es in nächster Zukunft nicht geben. "Die ganz großen Namen sind weg für dieses Jahr", erklärte Kohl. Ex-Weltmeister Lewis will Revanche gegen WBC- und IBF-Champ Rahman, Holyfield bevorzugt ein drittes Duell mit WBA-Weltmeister John Ruiz, und Tyson droht nach neuerlichen Vergewaltigungsvorwürfen der endgültige Knockout vor dem Strafrichter. "Ich weiß, dass ich warten muss, aber ich habe Geduld", versicherte Klitschko. "Ich boxe jeden. Meine Zeit kommt." Das sieht wahrscheinlich auch Lewis-Trainer Emanuel Steward so. "Die Rechte von Klitschko ist die beste, die ich je gesehen habe", sagte er.

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