Sport : Boxen vor Gericht

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Michael Rosentritt über die Klage der Klitschkos gegen ihren Promoter

Im Gerichtssaal werden selten Ehen gerettet und schon gar keine geschlossen. Wer sich dort trifft, hat mindestens ein Problem. So ist es auch im Fall der boxenden Brüder Klitschko, die gegen ihren Promoter Klaus Peter Kohl eine Feststellungsklage eingereicht haben. Auslöser ist die unterschiedliche Auffassung über die Laufzeit der noch laufenden Verträge zwischen den Boxern und ihrem Promoter. Das lässt auf ein gestörtes Vertrauensverhältnis schließen. Dabei standen beide Seiten dicht vor einer Vertragsverlängerung. Was also hat die Klitschkos zur Klage bewogen?

Dass millionenschwere Verträge sehr speziell gestaltet und mit mehreren Klauseln und Sonderbestimmungen versehen sind, kann nicht der Grund sein. Rat muss man sich nicht vor Gericht holen. Die Klitschkos wissen, was sie an Kohl haben und umgekehrt. Kohl hat sie vor acht Jahren unter Vertrag genommen und ihnen die große Bühne des Boxens geboten. Reich und berühmt wurden beide Seiten. Die Klitschkos waren schon Weltmeister, verloren aber, und werden jetzt wieder WM-Kämpfe bekommen.

Es geht also jetzt auch um die beste Verhandlungsbasis – und damit ums Geld. Das ist verständlich, denn die Klitschkoshalten ihre Köpfe hin. Und wer weiß, wie lange sie das körperlich noch tun können. Der nächste Vertrag, den sie schließen – mit wem auch immer –, wird ihr letzter sein.

Als Weltmeister verdient man überall sein Geld, aber was passiert bei Niederlagen? Ein vertrauensvolles Verhältnis zum Promoter ist mehr wert als nur Geld.

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