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Boxen - WBO-Weltmeisterschaft : Arthur Abraham: Sieg gegen den Lametta-Boxer

Am Samstagabend hat Arthur Abraham seinen WM-Titel erfolgreich verteidigt, auch weil der Gegner Paul Smith wie ausgesucht passt. Mögliche kommende Gegner: Robert Stieglitz, Felix Sturm - oder sogar Carl Froch.

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Arthur Abraham
Arthur Abraham bleibt Weltmeister.Foto: rtr

In der Ringpause zur zwölften und letzten Runde huschte Arthur Abraham ein Lächeln über sein schweißverhangenes Gesicht. Er saß auf dem Schemel in seiner Ringecke,. Noch einmal tief durchpusten, Mundschutz rein und los. Auf der andere Seite stand Paul Smith schon. Er blickte noch einmal über die Seile hoch in den Rang seiner zahlreichen Fans aus Liverpool. Er trommelte sich mit dem linken Boxhandschuh patriotisch vor die Brust, was sein Anhang mit heiligem Gejohle quittierte, und unten am Ring in Reihe eins stand Berlins Innensenator Frank Henkel in schwarzen Lackschuhen wie der Ringsprecher und pulte sich an den Händen. Würde es noch was werden mit einem Knockout?
Wurde es nicht mehr. Arthur Abraham dominierte die finale Runde wie jede andere zuvor, weshalb der 35 Jahre alte Berliner Super-Mittelgewichtler seinen Weltmeistertitel erfolgreich verteidigte. Es war ein eindeutiger Sieg auch ohne K.o., der dem gebürtigen Armenier in dieser Nacht vor 8000 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof gelang. Er geriet nie in Gefahr, zu deutlich dominierte Abraham mit seiner initiativen Führhand und seiner schweren Rechten den tapferen Briten, der außer Herz und Kondition nicht viel aufzubieten hatte. „Arthur war besser, er hat mich früh hart getroffen, mich zum Wanken gebracht, er ist ein guter Champion“, sagte hinterher der unterlegene und ziemlich zugerichtete Smith. Dessen Trainer Joe Callagher hob Abrahams klugen Rundenplan hervor und lobte deren Umsetzung mit der „Mentalität eines Champions“.
Bereits vor einem halben Jahr hatten sich beide Boxer gegenübergestanden. Doch dieses Mal war alles viel klarer und deutlicher. Smith schlug viel. Das sah aber nach mehr aus, als es wirklich anrichtete. Beeindrucken konnte der 32-Jährige den Weltmeister in keiner Phase. Dafür kam die linke Führungshand Abrahams zu verlässlich, und jeweils zwei-, dreimal je Runde deckte Abraham seinen Herausforderer mit einer Schlagserie von sieben, acht, neun Händen ein. Smith konnte darauf immer antworten, ohne Abraham aber triezen zu können.

Es gibt solche Duelle im Ring, wenn zwei Boxer sehr gut aufeinander passen, wenn ihre Stile zueinander passen. Heraus kommt meist ein sehenswerter Kampf. Vielleicht war das auch der wahre Grund, weshalb Abraham seinem Herausforderer die Revanche einräumte, pünktlich zum Start der neuen Fernsehpartnerschaft mit Sat. Nach dem Ausscheren der ARD aus der Boxübertragung mit Deutschlands größtem Boxstall Sauerland Event aus Berlin angelte sich der Privatsender die Rechte für zunächst zwei Jahre. Rund vier Millionen Zuschauer verfolgten Abrahams Kampf am Fernsehen, eine starke Quote.

Paul Smith, ein Lametta-Boxer, wie ihn die Branche nennt

Und Paul Smith war dafür der ideale Gegner. Ein Fernsehboxer, wie die Leute vom Fernsehen sagen, ein Lametta-Boxer, wie ihn die Branche nennt. Es sieht wirklich gut aus, was er tut im Ring. Er schlägt oft, aber nicht zu hart, er bewegt sich gut und ist doch zu treffen. Vor allem aber konnte dieser Kerl viel einstecken. Das garantiert dem Privatfernsehen den Abverkauf vieler Ringpausen an Sponsoren und birgt dabei kaum ernsthafte Gefahr für das eigene Aushängeschild.
Und so feierten sie sich alle nach dem letzten Gong. Smith dafür, nicht gefallen zu sein, das Fernsehen für einen gelungenen Auftakt und Arthur Abraham für die kommenden Aufgaben, die er als Weltmeister angehen kann. Als nächstes dürfte eine Pflichtverteidigung seines WBO-Titels anstehen. Pflichtherausforderer ist Robert Stieglitz, 33, vom Magdeburger Boxstall SES. Ein alter Bekannter also. Es wäre das vierte Aufeinandertreffen der beiden. Den ersten und dritten Vergleich gewann Abraham, zwischendrin hatte er einmal verloren.

Kommt nun der langersehnte Kampf zwischen Arthur Abraham und Felix Sturm ?

Möglich wäre auch der langersehnte Kampf gegen Ex-Weltmeister Felix Sturm, 36, der sich zuletzt nach einem hochklassigen Kampf unentschieden von Stieglitz getrennt hatte. „Ist doch ein gutes Programm“, sagte Abraham in der Nacht. Kalle Sauerland, 37, Sohn des Boxstallgründers Wilfried Sauerland, frohlockte noch mit der Idee, Abraham gegen Carl Froch zu stellen. Der Brite, Titelträger der Konkurrenzverbände WBA und IBF, hatte Abraham vor gut vier Jahren eine empfindliche Niederlage zugefügt. Idealerweise hat Froch denselben Promoter und Manager wie Paul Smith, weshalb Sauerland bereits erste Gespräche geführt hat. Arthur Abraham hörte sich das alles genussvoll an. „Ich bin ein Boxer, ich marschiere durch den Ring, alles andere klärt mein Management.“

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