Sport : Boxen: Zeig mir die Kohle, Baby

Man spielt Basketball, Fußball oder Tennis. Aber man spielt nicht Boxen. Schwer gezeichnet, blutüberströmt und doch glücklich wie noch nie präsentierte sich Amerikas neuer Held: Johnny Ruiz hat am Samstagabend im Spielerparadies Las Vegas als erster Boxprofi lateinamerikanischer Abstammung den Weltmeistergürtel im Schwergewicht gewonnen. Der 29 Jahre alte Herausforderer entthronte WBA-Champion Evander "The Real Deal" Holyfield mit einem deutlichen Punktsieg. "Ich wollte der Welt zeigen, dass ich den Punch habe. Als erster Latino - ein großes Gefühl. Ich liebe es, es ist das Größte", meinte Ruiz, den alle drei Punktrichter in dem intensiv geführten Fight vorne sahen.

Für seinen ersten Titelgewinn kassierte Ruiz eine Börse von einer Million Dollar und schraubte seinen Kampfrekord auf 37 Siege bei vier Niederlagen. "Das letzte Mal bin ich fast gestorben. Diesmal habe ich mir geholt, was mir zusteht", tönte der neue Champion, der im ersten Duell mit dem 38-jährigen Holyfield eine höchst umstrittene Niederlage erlitten hatte.

Den entscheidenden Treffer landete der Sohn von Einwanderern aus Puerto Rico nach 30 Sekunden der elften Runde, als er mit einer schweren Rechten an die Schläfe des Altmeisters deutliche Wirkung erzielte. Erst zum fünften Mal in seiner langjährigen Karriere (37:5 Siege) ging Holyfield zu Boden. "Ich habe den Hammer einfach nicht gesehen und war überrascht", kommentierte der mit fünf Millionen Dollar entlohnte Verlierer.

Das Karriereende steht für Holyfield deshalb nicht zur Diskussion. "Es sind keine Tränen in meinen Augen. Ich werde härter arbeiten und will noch mal Weltmeister werden", kündigte "The Real Deal" an, der bei einem Erfolg gegen Ruiz als potenzieller Gegner für "Iron" Mike Tyson oder WBC- und IBF-Titelträger Lennox Lewis in Frage gekommen wäre.

Derweil plant der exzentrische wie einflußreiche Box-Promoter Don King wieder mal seinen eigenen Profit. "Sind Sie verrückt? Sind Sie wahnsinnig? Ich habe kein Interesse an einer Einigung mit Tyson", verkündete der einst im Streit von "Iron Mike" geschiedene King. Stattdessen hat der Mann mit der Starkstromfrisur Pläne für den ersten WM-Titelkampf in Peking in der Tasche. "John geht nach Peking, Baby", brüllte King in die Mikrofone. Kein Wunder, mit einem Rückkampf zwischen seinen Schützlingen Ruiz und Holyfield wird er erneut Kasse machen.

Dem neuen Champion, von einer Risswunde auf der Stirn und einer geplatzten Braue verunstaltet, war der nächste Gegner völlig egal. Nur hinsichtlich der wirtschaftlichen Parameter seiner ersten Titelverteidigung hat Ruiz bereits klare Vorstellungen. Ganz im Sinne des Hollywood-Streifens "Jerry Maguire" verkündete er: "Zeig mir die Kohle."

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