Boxer Arthur Abraham vor WBO-Titelverteidigung : Kampf um die Zukunft

Arthur Abraham verteidigt heute seinen zurückeroberten WM-Gürtel bei der Boxpremiere im Velodrom. Promoter Wilfried Sauerland hat ganz andere Sorgen: Er kämpft gegen das Ende der ARD-Übertragungen.

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Abraham in der Vorbereitung mit Trainer Uli Wegener (li.). Gegen Nikola Sjekloca geht es heute um die Titelverteidigung - und für den Sauerland-Boxstall um die Zukunft.
Abraham in der Vorbereitung mit Trainer Uli Wegener (li.). Gegen Nikola Sjekloca geht es heute um die Titelverteidigung - und für...Foto: Imago

Den Ort seines nächsten Kampfes kennt Boxweltmeister Arthur Abraham gut, obwohl er dort noch nie geboxt hat. Einmal im Jahr schaut er im Velodrom vorbei – im Januar, wenn die Radrennfahrer beim Sechstagerennen ihre Runden drehen. Am heutigen Samstag tritt Abraham – der als Jugendlicher als Radrennfahrer begann, bevor er zum Boxen wechselte – als erster Boxer überhaupt in der Berliner Radsporthalle an (live ab 22.55 Uhr in der ARD). Gegen den Montenegriner Nikola Sjekloca verteidigt er seinen WM-Gürtel im Supermittelgewicht, den er erst am 1. März von Robert Stieglitz nach Punkten zurückerobert hat.

Abraham: Weiser geworden

Außer dem Kampf gegen Sjekloca will Abraham dieses Jahr noch zweimal boxen. "Ich will keine lange Pause haben", sagt der WBO-Titelträger, "das bekommt mir besser, denn sonst brauche ich zu lange, bis ich wieder richtig ins Training reinkomme. Pause machen kann ich, wenn ich 40 bin", sagt der 34-Jährige. Sein Promoter Wilfried Sauerland gibt sich gewohnt zuversichtlich: "Arthur soll sich in hervorragender Form befinden, keine Gewichtsprobleme haben – das ist immer schon der halbe Sieg", sagt Sauerland, der sich regelmäßig bei Trainer Ulli Wegner über den Zustand seines Boxers erkundigt. Abraham antwortet darauf nur grinsend: "Wenn der Trainer das gesagt hat, dann glaube ich das."

Der Trainer hat auch gesagt, Arthur Abraham sei weiser geworden. Zumindest hat Wegner das über sich in der Zeitung gelesen – wie er erzählt. Ähnlich wie sein Trainingskollege Marco Huck ließ sich Abraham in der Vergangenheit manchmal zu leicht ablenken und gab sich zu schnell mit dem Erreichten zufrieden. "Na ja", kommentiert Wegner das in gewohnt krächzendem Ton, "wenn man älter wird, wird man automatisch auch ein bisschen weiser." Das kann Abraham gegen den weitgehend unbekannten Herausforderer Sjekloca beweisen.

"Der ist boxerisch gar nicht schlecht", sagt Wegner. "Den kenne ich nur vom Fernsehen", sagt Sauerland. Sjekloca ist anderthalb Jahre älter und mit 1,85 Meter zehn Zentimeter größer als Abraham. In 27 Profikämpfen hat er erst einmal verloren – einen WM-Ausscheidungskampf gegen den Kameruner Sakio Bika, der mittlerweile Weltmeister nach Version der WBC ist. Abraham sagt dazu nur: "Man darf keinen Gegner unterschätzen – egal, ob er Nikola oder Müller oder Schulze heißt."

ARD will Vertrag nicht verlängern

Bereits 5400 Karten sind laut Frederick Ness, Geschäftsführer von Sauerland Event, für den Kampf im Velodrom verkauft. Es werde noch wenige Restkarten an der Abendkasse geben. "Wir werden am Ende wohl mit 5500 Zuschauern ausverkauft sein", sagt Ness. "Wir freuen uns darüber, in einer Halle zu sein, in der noch nie geboxt wurde." Bisher schien der Boxstandort Velodrom unter keinem guten Stern zu stehen: Eigentlich sollte Yoan Pablo Hernandez seinen WM-Gürtel im Cruisergewicht dort schon Ende März verteidigen. Doch Hernandez fiel mit einer Viruserkrankung aus, und auch Ersatzmann Marco Huck konnte nicht antreten, weil er sich im Training den Daumen gebrochen hatte. Nun gibt es einen neuen Anlauf mit dem ehemaligen Radfahrer Abraham. "Es ist ein Test", sagt Ness, "wir wollen gucken, wie es läuft." Promoter Sauerland sieht im Velodrom eine mögliche Alternative zu den anderen etablierten Standorten in Berlin, wie der Schmeling-Halle und der Arena am Ostbahnhof.

Alternativen muss sich Sauerland demnächst vielleicht auch für die Fernsehübertragungen suchen. Denn die ARD, die noch bis Ende 2014 die Boxkämpfe des Sauerland-Boxstalls überträgt, will den auslaufenden Vertrag zu den bestehenden Konditionen nicht verlängern. Wie es 2015 weitergeht, ist noch offen. "Es wird noch bis Juli, August dauern, bis eine Entscheidung fällt", sagt Ness. "Es war nicht überraschend für uns, dass die ARD so entscheidet." In den Rundfunkgremien der ARD hatte es zuletzt Stimmen gegeben – etwa von der WDR-Rundfunkratsvorsitzenden Ruth Hieronymi –, die sich gegen Live-Übertragungen vom Boxen ausgesprochen hatten.

Die sechs Veranstaltungen in diesem Jahr seien noch gesichert, sagt Ness. "Es ist ja nur der laufende Vertrag, der endet. Es geht auf jeden Fall weiter." Nur mit wem und auch wo, ist die Frage. Sauerland ließ anklingen, dass in Zukunft die Boxkämpfe eventuell auch im Internet statt im Fernsehen übertragen werden könnten. "Wir verhandeln auch mit anderen Partnern, sind aber weiter mit der ARD im Gespräch", sagt Sauerland. "Wenn es ein finanzielles Problem ist, werden wir eine Lösung finden."

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