Boxkampf in Finnland : Wirrwarr der Weltmeister

Samstagnacht kommt es zum bedeutendsten Boxereignis auf finnischem Boden - ein WM-Kampf im Schwergewicht. In Helsinki stehen sich in Nikolai Walujew und Ruslan Tschagajew zwei Boxer gegenüber, die für sich in Anspruch nehmen können, Weltmeister zu sein. Beide Boxer tragen diesen Titel aufgrund einiger merkwürdiger Entwicklungen.

Michael Rosentritt
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Die Gürtelträger. Nikolai Walujew (l.) und Ruslan Tschagajew haben ihre Insignien nach Helsinki mitgebracht. Einer aber wird auf...

Die Vielzahl von Box-Weltverbänden, die jeweils WM-Titel vergeben, macht es möglich, dass es mehrere Weltmeister gibt. Als bedeutend und seriös gelten die vier Weltverbände WBA, WBC, IBF und WBO. Und so kommt es, dass es in einer Gewichtsklasse vier verschiedene Weltmeister gibt. Zu sogenannten Titel-Vereinigungskämpfen kommt es in aller Regel selten. Jeder einzelne Weltmeister, insbesondere im Schwergewicht, lässt sich gut vermarkten, auch wenn es sich oft nur um einen „Viertelweltmeister“ handelt.

Der Kampf in Helsinki ist aber aus einem weiteren Grund besonders. Die WBA hat das Kunststück fertiggebracht, innerhalb eines Verbandes gleich zwei gleichberechtigte Champions im Schwergewicht zu führen. Nämlich den riesenhaften Walujew aus St. Petersburg, 2,13 Meter groß, und den um 39 Zentimeter kleineren Usbeken Tschagajew. Samstagnacht könnte also ein Chaos mit Seltenheitswert beendet werden.

Zu diesem Wirrwarr um den Titel war es gekommen, weil Tschagajew, der bei der Hamburger Universum Box-Promotion unter Vertrag steht, die Pflichtverteidigung seines Titels gegen den Russen Walujew aus dem Berliner Sauerland-Stall zweimal hintereinander absagen musste. Im April 2007 hatte der damalige Herausforderer Tschagajew den damaligen Titelverteidiger Walujew nach Punkten besiegt und dem langen Russen den WBA-WM-Titel abgeknöpft.

Den ersten Termin für einen Revanchekampf konnte Tschagajew im Mai 2008 wegen einer Virusgrippe nicht halten. Wenige Tage vor dem zweiten Versuch im Juli 2008 riss Tschagajew die Achillessehne im linken Fuß. Der Usbeke war also nicht in der Lage, seinen Titel in vorgeschriebener Frist zu verteidigen – allerdings unverschuldet. Daraufhin erklärte die WBA Tschagajew zum „Weltmeister im Wartestand“ und gestattete Walujew gleichzeitig, im August 2008 um den vakanten Titel gegen John Ruiz boxen zu dürfen. Das tat der Russe mit Erfolg, weshalb er wieder offiziell Weltmeister wurde. An dieser Stelle hätte die WBA klarstellen müssen, dass Walujew der Champions- und Tschagajew nach seiner Genesung sein Pflichtherausforderer ist.

Inzwischen haben beide Boxer jeweils einen weiteren Kampf gegen unterschiedliche Gegner geboxt und diesen auch gewonnen. Jetzt kommt es in Helsinki endlich zum Showdown. „Ich will endlich beweisen, dass ich der Bessere bin“, sagte Tschagajew in Helsinki. Walujew, der sein Sparring diesmal in Japan absolvierte, konterte: „Ich bin so gut in Form wie nie zuvor. Trotzdem bin ich aufgeregt. Ich habe schließlich über zwei Jahre auf diese Revanche gewartet. Doch ich werde zeigen, wer der wahre Weltmeister ist. Nach den Diskussionen der vergangenen Monate wird es Zeit, dass Klarheit herrscht.“

Die Frage ist nur: Was passiert, wenn der Kampf unentschieden endet? Normalerweise behält in einem solchen Fall der Titelverteidiger seinen Titel. Wer aber ist das in diesem seltsamen Fall?

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