Sport : Boykott der Österreicher: Angst vor dem Terror

Paul Kreiner

Wiens Kabarettisten haben dieser Tage ein dankbares Thema. Noch vor dem ersten Waffengang hat der weltweite "Krieg gegen den Terrorismus" seine ersten Opfer gefordert - Österreich hat nahezu seine ganze Fußball-Nationalelf verloren. Aus Sicherheitsbedenken haben sich neun Spieler geweigert, zum WM-Qualifikationsspiel am Sonntag nach Israel zu reisen. Und ihre Landsleute unterstützen sie dabei. Keine Rede von Feiglingen oder Drückebergern, keine Angst, mit der eilends aufgestellten, international unerfahrenen B-Auswahl die Weltmeisterschaft zu verpassen.

Nein. Wieder einmal wird das in Österreich so beliebte Spiel gegeben: Die sinistre, große Welt verschwört sich gegen ein braves, kleines Land. Diesmal ist es nicht die "böse EU", die nach der Regierungsbeteiligung von Jörg Haiders FPÖ das Land mit Sanktionen überzieht; diesmal ist es die Fifa. Sie hat eine österreichische Intervention um Verschiebung des Spiels oder um Verlegung auf neutralen Boden abgelehnt.

Die Begründung der Fifa, Israel sei schließlich "kein Kriegsgebiet" und habe für das Spiel in Tel Aviv Sicherheitsgarantien gegeben, diese Begründung überzeugte in Österreich die wenigsten. Schließlich sei ja auch ein Uefa-Cup Spiel zwischen Glasgow und Machatschkala nach Warschau verlegt worden - weil die beiden Mannschaften sich sonst zu nahe an der tschetschenischen Grenze hätten treffen müssen. Unterstützt werden die neun Verweigerer insbesondere vom Boulevardblatt "Kronen-Zeitung", die von 40 Prozent aller Österreicher gelesen wird und die größte publizistische Macht des Landes ist. In einer - wie auch immer seriösen, auf jeden Fall aber wirkungsvollen - Blitzumfrage der "Krone" sagen fast 72 Prozent der Befragten, sie hätten Verständnis für die Reiseunlust; mehr als 66 Prozent finden die Entscheidung sogar richtig.

Unter den Verweigerern ist auch der Wolfsburger Dietmar Kühbauer. Stellvertretend für alle sagt der Innsbrucker Walter Kogler: "Nicht wir haben unsere Mannschaft im Stich gelassen, sondern die Fifa Österreich. Für mich ist die Sicherheit in Israel nicht gegeben, ich kann mich nicht auf das Spiel konzentrieren." Günther Neukirchner von Sturm Graz beruft sich auf seine Familie. Die wolle nicht, dass er fahre. Und die "Krone" setzt obendrauf: Selbst das österreichische Außenministerium rate derzeit von nicht notwendigen Reisen nach Israel ab.

Für die Spieler wird ihre Entscheidung ohne negative Folgen bleiben. Beppo Mauhart, der Präsident des Österreichischen Fußballbundes, hatte allen bereits vorab "Straffreiheit" zugesichert. Gleichwohl bedauert er es, dass die Kicker bereits "mit einer vorgefassten Meinung" zu den letzten Krisengesprächen angereist seien: "Mit denen war nicht mehr zu reden. Nun lassen sie ihre WM-Chance, die sie sich selbst geschaffen haben, leichtfertig links liegen."

Teamchef Otto Baric muss "einen zweiten Anzug schneidern, in anderer Stoffqualität". Zwar reist der Bremer Routinier Andreas Herzog mit nach Israel, aber vier Mann der B-Auswahl haben keine internationale Erfahrung. Die Chance auf eine WM-Teilnahme steht so schlecht nicht: Den Österreichern reicht schon ein Unentschieden.

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