BR Volleys gegen VCO Berlin : Egor Bogachev und die duale Ausbildung

Das Spiel der BR Volleys am Mittwoch gegen den VCO Berlin bietet für Egor Bogachev eine seltsame Konstellation.

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Wuchtiger Seitenwechsel. Egor Bogachev spielt am Mittwoch gegen die BR Volleys.
Wuchtiger Seitenwechsel. Egor Bogachev spielt am Mittwoch gegen die BR Volleys.Foto: imago/Marcel Lorenz

Egor Bogachev ließ es gern über sich ergehen. Alle seine Mitspieler von den BR Volleys umringten ihn und wuschelten mit ihren Händen durch seine Haare. „Es haben sich einfach alle für mich gefreut“, sagt er. Nur wenige Sekunden zuvor war ihm ein besonderer Punkt gelungen, er hatte den ersten Matchball seiner Karriere in der Champions League verwandelt – vor drei Wochen war das, beim Auswärtsspiel gegen Dukla Liberec.

An diesem Mittwoch, wenn die Volleys ihr zweites Ligaspiel gegen den Tabellenletzten VCO Berlin bestreiten (19 Uhr/Sportforum Hohenschönhausen), wird Bogachev aber gegen genau diese Spieler antreten, die ihm noch Mitte Januar durch die Haare gewuschelt haben – obwohl er keinen Vereinswechsel im klassischen Sinn vollzogen hat. „Das wird schon ein bisschen komisch“, sagt Bogachev.

Die seltsame Situation kommt daher zustande, weil der 19-Jährige ein Doppelspielrecht in der Bundesliga besitzt: für die Volleys und den VCO. Die Mannschaft der besten deutschen Volleyballtalente vom Berliner Bundesstützpunkt darf mit Sonderspielrecht in der Bundesliga antreten. Meistens ist Bogachev für den VCO aktiv, weil sich der deutsche U-20-Nationalspieler mit seinen Teamkollegen besonders auf die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaft im Mai vorbereitet und einspielt.

Bogachev schwärmt vom Trainingsniveau der Volleys

Doch als sich die Volleys im Januar vom Serben Nikola Kovacevic trennten, rückte Bogachev in den Kader des Deutschen Meisters. Mittlerweile sind ihm die Spieler des Tabellenzweiten der Liga daher sehr vertraut. „Ich werde bei der Vorbereitung auf das Spiel sicher das ein oder andere beitragen können“, sagt er. Tipps zu Wouter ter Maat braucht Bogachev dabei aber nicht geben. Der niederländische Diagonalangreifer der Volleys hat sich beim 3:1-Auswärtssieg am Sonntag in Rüsselsheim zwei Bänder angerissen und fällt aus. Große Hoffnungen auf eine Überraschung mit dem VCO gegen seine anderen Teamkollegen hegt Bogachev dennoch nicht. „Wir wollen ganz einfach guten Volleyball spielen“, sagt er.

Hinter ihm liegen intensive Wochen mit den Volleys. Zwei erfolgreiche Champions-League-Spiele gegen den Tschechischen Meister Liberec, aber auch die enttäuschende Niederlage im Pokalfinale gegen den VfB Friedrichshafen. Bogachev zog enorm viel aus den vergangenen Wochen. „Allein das Trainingsniveau ist wahnsinnig hoch“, sagt er. „Und wenn ich dann sehe, wie die erfahrenen Spieler wie etwa Robert Kromm und Paul Carroll in engen Situationen agieren, schaue ich natürlich genau hin.“ Überhaupt ist Berlins Kapitän Kromm der Spieler, an dem sich Bogachev besonders orientiert. „Er ist wie ich Außenangreifer und hat seine Stärken im Angriff – ich überlasse die Annahme auch lieber den anderen“, sagt er.

Trainer Serniotti lobt Bogachevs Entschlossenheit

Volleys-Trainer Roberto Serniotti traut Bogachev noch einiges zu. „Er ist sehr entschlossen und sehr gut im Aufschlag und im Angriff“, sagt der Italiener. Das belegen auch die Statistiken dieser Saison. Mit bisher 181 Punkten und 20 Assen gehört der 2,03 Meter große Bogachev zu den besten zehn Spielern der Bundesliga. „Wenn er sich in der Annahme noch steigert, kann er ein außergewöhnlicher Spieler werden“, sagt Serniotti.

Um dies zu erreichen, sei seine Volleys-VCO-Kombination derzeit genau richtig, betont Bogachev. Der Sohn russischer Eltern, der in Moskau geboren ist und im Alter von fünf Jahren nach Berlin kam, hat 2016 sein Abitur gemacht und konzentriert sich nun erstmal voll auf Volleyball. Er will einerseits die Chance nutzen, beim VCO Spielpraxis zu bekommen, und andererseits bei den Volleys von den Leistungsträgern lernen. Allerdings hofft er auch auf eine Ausländerbeschränkung in der Liga. „So könnten wir Talente uns vielleicht noch besser zeigen“, sagt er.

Mit dem VCO spielt Bogachev nun erstmal bis zum Ende der Hauptrunde, zu den Play-offs steigt er wieder bei den Volleys ein. Dann können gerne noch ein paar verwuschelte Haare nach Matchbällen hinzukommen.

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