BR Volleys in Lüneburg : Duell unter niedriger Decke

Die BR Volleys müssen am Samstag in der zweiten Halbfinalpartie in Lüneburg ihr Spiel komplett umstellen. Das liegt vor allem an der kleinen Gellersenhalle.

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Berlins Erik Shoji ist als Rückhalt in der Abwehr in Lüneburg besonders gefragt.
Berlins Erik Shoji ist als Rückhalt in der Abwehr in Lüneburg besonders gefragt.Foto: Imago

Für den Gegner hat Stefan Hübner sofort ein Lob parat. Wenn er die Abwehraktionen von Erik Shoji sehe, sei das eine wahre Augenweide, sagt der Trainer der SVG Lüneburg. „So akkurat, so sicher“, schwärmt Hübner – und ergänzt dann: „Es ist wirklich schade, dass wir davon im nächsten Spiel nicht so viel sehen werden.“

Shoji wird in der zweiten Partie der Play-off-Halbfinalserie zwischen den BR Volleys und Lüneburg allerdings nicht ausfallen. Der Libero ist an diesem Samstag (20 Uhr/live auf Sportdeutschland.tv) in Norddeutschland auf jeden Fall dabei, wenn die Berliner in der Serie „Best of 3“ nach dem knappen 3:2-Sieg im ersten Spiel das Finale erreichen können. Dass Hübner jedoch mit weniger spektakulären Aktionen des US-Amerikaners rechnet, hat vor allem mit der Lüneburger Spielstätte zu tun: der Gellersenhalle. Diese ist mit einem Fassungsvermögen von 800 Zuschauern nicht nur besonders klein. Sie ist auch mit einer Höhe von rund acht Metern besonders flach für Volleyball-Verhältnisse. Und das wirkt sich stark auf das Spiel aus.

Vor allem Bälle, die nach Rettungsaktionen in hohem Bogen von weit hinten nah an das Netz gespielt werden – Shojis Spezialität – landen dort oft an der Decke. „So gibt es weniger lange, mitreißende Ballwechsel. In der Abwehr ist es also ein Nachteil für beide Mannschaften“, sagt Hübner. „Beim Aufschlag und in der Annahme haben wir aber einen Vorteil.“ Denn die Lüneburger können ihr Spiel perfekt auf die speziellen Begebenheiten einstellen.

Stefan Hübner kennt die Vorzüge der Gellersenhalle.
Stefan Hübner kennt die Vorzüge der Gellersenhalle.Foto: dpa

„Sie spielen in ihrer Halle einfach einen anderen Volleyball“, betont Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Es bewegt sich alles nur fünf Zentimeter oberhalb der Netzkante. Außerdem agieren sie mit untypischen Aufschlägen.“

Die Berliner haben mit der Gellersenhalle jedenfalls ihre Probleme. Seit die SVG Lüneburg vor zwei Jahren in die Bundesliga aufgestiegen ist, haben die Volleys ihre beiden Spiele dort verloren. „Es ist eine schwierige Halle“, sagt Shoji. „Wir sind es nicht gewohnt, in einer so flachen Halle zu spielen und müssen daher unsere Annahme- und Zuspieltechniken anpassen.“ Deshalb trainierten die Volleys am vergangenen Donnerstag extra in einer kleineren Halle am Sportforum in Hohenschönhausen.

Die Lüneburger Spielstätte sei jedoch nicht nur wegen der Höhe speziell, sagt Hübner. „Es ist unheimlich eng, richtig warm und extrem laut. Manchmal tropft der Schweiß von der Decke. Die Zuschauer sind ganz nah an den Spielern dran“, schildert der 40-Jährige. „Dort herrscht eine wirklich besondere Atmosphäre.“

Derzeit spielen die Lüneburger noch mit einer Ausnahmegenehmigung in der Gellersenhalle. Eigentlich ist in der Bundesliga eine Höhe von mindestens neun Metern vorgeschrieben. Doch eine neue Halle mit höherer Decke und Platz für 3300 Zuschauer ist bereits in Planung, zur Saison 2017/18 soll sie fertig sein.

Bis dahin können Hübners Spieler ihren zusätzlichen Heimvorteil noch ausnutzen. Allerdings haben sie den Volleys auch im ersten Halbfinalspiel auswärts deutlich zugesetzt: mit gefährlichen Aufschlägen und starkem Blockspiel. „Wir haben einige Waffen“, sagt Hübner. Nicht nur die Halle.

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