BR Volleys : Zwei Millionen für den Titel

Die BR Volleys haben aufgerüstet, um die verlorene Meisterschaft zurückzuholen. Mit einem Rekordetat und sechs Neuen starten die Berliner in die neue Saison.

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Volleys-Köpfe. Manager Niroomand (l.) und Kapitän Kromm.
Volleys-Köpfe. Manager Niroomand (l.) und Kapitän Kromm.Foto: dpa

Besondere Orte verleiten zu besonderen Wortspielen. Das gilt natürlich auch für den Berliner Fernsehturm. Dorthin hatten die BR Volleys am Dienstag zu ihrer Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt der Volleyball-Bundesliga eingeladen. Denn an diesem Sonntag bestreitet der Vizemeister in der Max-Schmeling-Halle das erste Heimspiel gegen Bühl. Als Volleys-Manager Kaweh Niroomand nun neben dem neuen Trainer Roberto Serniotti und dem Kapitän Robert Kromm auf 203 Meter Höhe auf der Panoramaetage saß, fielen Metaphern wie: „Wir wollen hoch hinaus, da ist dieser Ort sicher ein gutes Omen.“ Aber angesichts der dicken grauen Wolkendecke am Dienstag sagte Niroomand auch: „Die Sicht ist ja nicht so gut, vielleicht ist das auch ein Kennzeichen für die Saison – wir wissen ja auch noch nicht, wie das alles wird.“

Viel verändert haben die Volleys nach der vergangenen Saison, die sie nach drei Meistertiteln in Folge nur als Zweiter hinter hinter dem großen Rivalen Friedrichshafen abgeschlossen haben. Und so ruft Niroomand die neue Spielzeit zu einer „ganz wichtigen Saison“ aus. „Wir wollen die Meisterschaft wieder nach Hause holen“, betonte er. „Wir wollen unsere Position als Spitzenmannschaft festigen.“ Das bedeutet, auch in den anderen Wettbewerben streben die Berliner hohe Ziele an.

Im Pokal, den der Klub vor 15 Jahren zuletzt gewonnen hat, wollen sie den Titel holen. Und in der Champions League haben sie sich ebenfalls einiges vorgenommen. Nachdem die Volleys in der vergangenen Saison mit Platz drei beim umjubelten Final-Four-Turnier in der Max-Schmeling-Halle für sich auch in Europa neue Maßstäbe gesetzt haben, lautet Niroomands Zielvorgabe nun: „Wir wollen in Europa ein schwerer Gegner für alle sein.“ Soll heißen: Die Gruppenphase wollen sie mindestens überstehen – und dann je nach Losglück am liebsten in die Runde der besten sechs Mannschaften einziehen.

Um all das zu schaffen, haben die Volleys ihren Etat um etwa 200 000 Euro erhöht. Das Gesamtbudget liegt nun erstmals bei mehr als zwei Millionen Euro. Zwar sind das immer noch rund 500 000 Euro weniger als Hauptkonkurrent VfB Friedrichshafen. Aber um die großen Ziele zu erreichen, mussten die Berliner sich auch in diesem wichtigen Bereich weiterentwickeln.

Mit diesen finanziellen Möglichkeiten zeigte sich Niroomand dann auch zufrieden. „Wir haben uns sehr gut und gezielt verstärkt“, betonte der 62-Jährige. Dazu zählt neben den fünf Neuzugängen Ruben Schott, Tsimafei Zhukouski (Kroatien), Paul Lotman (USA), Arpad Baroti (Ungarn) und dem Europameister Nicolas Le Goff aus Frankreich vor allem der neue Trainer Serniotti.

Für den Italiener hatte Niroomand auch gleich einige warme Worte parat: „Roberto weiß, wie man eine große Mannschaft trainiert. Er arbeitet mit enormer Akribie.“ Auch Kromm ist von Serniottis Arbeit während der zweimonatigen Saisonvorbereitung überzeugt. „Der Trainer gibt uns viele Impulse – technisch und taktisch“, sagte der 31-jährige Außenangreifer. „Er macht uns zu einer besseren Mannschaft.“ Angesichts dieses deutlichen Lobs bremste Niroomand die Erwartungen an Serniotti noch etwas. „Er braucht auch seine Zeit“, sagte der Manager.

Mehr Zeit würde Niroomand eigentlich gerne ebenfalls einigen seiner Spieler geben – zum Erholen. So hätten die beiden US-Amerikaner Lotman und Erik Shoji nach dem Ende der vergangenen Saison keine zwei Wochen Pause gehabt, weil sie ständig mit der Nationalmannschaft im Einsatz waren. Auch der Franzose Le Goff wird erst am Donnerstag sein erstes Training mit den neuen Teamkollegen bestreiten können. Niroomand kritisierte deshalb erneut deutlich die Planung der internationalen Verbände. Hanebüchen sei es, dass die Spieler keine Erholung bekommen würden, betonte er. Andererseits kommen Lotman, Shoji und Le Goff auch mit viel Selbstvertrauen nach Berlin. Die Amerikaner gewannen den Weltcup, die Franzosen die EM. „Wir haben also viele Siegertypen im Kader“, sagte Kromm. Und genau das wollen sie bei den Volleys ja auch.

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