Sport : Brand bleibt – oder tritt zurück

Der Handball-Bundestrainer stellt Bedingungen an die Bundesliga

Erik Eggers
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Berlin - Das Ganze klingt wie in einem Krimi. An einem „geheimen Ort“, heißt es, haben sich Bundestrainer Heiner Brand, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Ulrich Strombach, und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier am Montag getroffen, um das Debakel bei der WM in Schweden aufzuarbeiten. Worin das Triumvirat die teils katastrophalen Auftritt der Nationalmannschaft begründet sieht und ob womöglich auch Selbstkritik vorhanden ist, war nicht zu erfahren. Stattdessen gab der DHB eine Presseerklärung heraus, die man als Drohung auffassen darf: Heiner Brand bleibt Bundestrainer unter Bedingungen, oder, besser gesagt: Er tritt zurück, sofern die Liga ihm keine Rückendeckung gibt.

Viele Beobachter hatten damit gerechnet, dass Brand selbst Konsequenzen ziehen würde, so niederschmetternd waren die Niederlagen gegen Frankreich, Ungarn und Norwegen. Der 58-Jährige, der die DHB-Auswahl seit 1997 trainiert, hatte laut über einen Rücktritt nachgedacht. Davon ist nun keine Rede mehr.

Vielmehr nutzt Brand das schlechteste Abschneiden in der 73-jährigen WM-Geschichte, um altbekannte Forderungen zu stellen. Es werde erwartet, dass alle relevanten Kräfte im DHB – das Präsidium, das erweiterte Präsidium und das Präsidium der Bundesliga – ein „Bekenntnis zum Bundestrainer und eine Zusicherung der Rückendeckung für die notwendigen strukturellen Änderungsmaßnahmen“ abgeben, heißt es in der Erklärung. Im Fußball wäre das undenkbar: Ein Trainer, der zwei desaströses Turniere in Folge absolviert hat, macht seine weitere Arbeit davon abhängig, ob seine Forderungen erfüllt werden. Diese Wendung ist nur damit zu erklären, dass Brand so etwas wie Denkmalschutz genießt.

Der scharfe Ton kommt nicht gut an bei den Bundesliga-Klubs. Brand betrachtet sie seit Jahren als Verursacher der Misere der deutschen Nationalmannschaft, weil sie ihm zufolge zu wenig junge Spieler auf den zentralen Positionen einsetzten. „Es ist nicht immer alles blöd, was von den Klubs kommt“, sagt Dierk Schmäschke, Vizepräsident des HSV Hamburg. Es müsse endlich ein Ende haben mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Vor der Forderung des DHB verblasst fast der Beschluss, den Vorschlag der Bundesliga anzunehmen und eine Art gemeinsame Krisenkommission zu bilden, die am Donnerstag erstmals tagen soll. Doch viele zweifeln daran, dass die beiden Lager bald zu einander finden. Schließlich will die Liga auch über wichtige Personalien im Nationalteam entscheiden, also ein Mitspracherecht bei der Ernennung eines Brand-Nachfolgers. Und sollte DHB- Boss Ulrich Strombach das nicht akzeptieren, wovon auszugehen ist, dann wollen sich die Liga-Funktionäre dieses Recht im aktuell zu verhandelnden Grundlagenvertrag zwischen Liga und DHB festschreiben lassen. Erik Eggers

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