Sport : Brand widerlegt Brand

Hartmut Moheit

Mit ihren Kronen aus Pappe und den angeklebten Oberlippenbärten fallen die deutschen Handball-Fans bei der WM in Kroatien auf. Vor zwei Jahren haben sie in diesem karnevalistischen Outfit den Weltmeistertitel im eigenen Land gefeiert. Doch nun sind Krone und Schnauzer auch in Kroatien Symbole des sportlichen Erfolgs geworden. Kaum jemand hatte das dem deutschen Team, das sich im Umbruch befindet, zugetraut. Bundestrainer Heiner Brand hat dies noch verstärkt, indem er betonte, dass die Bundesliga nicht genügend deutsche Nachwuchstalente heranbildet, weil die Schlüsselpositionen mit internationalen Stars besetzt sind. Nun scheint Brand sich selber zu widerlegen.

Tatsächlich ist die Bundesliga durchaus in der Lage, starke Nachwuchsspieler herauszubringen, allerdings dauert es nur länger, bis sie in der Weltspitze angekommen sind. Auch gibt es nirgendwo eine bessere Schule für Psyche und Physis der Spieler als in der Bundesliga. Davon profitieren alle Spieler – vom Star bis zum Nachwuchstalent. Damit erklärt sich auch, warum die deutschen Handballer bei Turnieren zu erheblichen Steigerungen fähig sind. Das Team funktioniert in Stresssituationen. Und trotzdem liegt Heiner Brand mit seiner Kritik an den Bundesligavereinen durchaus richtig, das Erfolgsgeheimnis auch bei dieser WM liegt vor allem im Trainer selber begründet. Er hat vor dem Turnier Understatement betrieben, um den Erwartungsdruck von außen zu mindern. Und bringt jetzt erneut den Beweis, dass er ein Spitzenteam formen kann. Folglich liegen die Fans, die sich den Oberlippenbart ankleben, sehr richtig.

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