Sport : Brasilianer für Brasilianer

Gilberto übernimmt bei Hertha Lucios Position

Claus Vetter

Berlin - Lucio kehrt zurück. Und zwar schneller als erwartet. Am Sonnabend bei Herthas Heimspiel gegen Energie Cottbus wird der Brasilianer im Olympiastadion sein. Natürlich nur als Zuschauer – aber das ist schon eine Überraschung für Berlins Fußball-Bundesligisten. Beim Spiel in Gelsenkirchen am vergangenen Freitag hatte sich Lucio das vordere Kreuzband, Patellasehne, Innenband und Innenmeniskus gerissen – das Karriereende drohte. Nun aber sagt Manager Dieter Hoeneß: „Lucio hatte Glück im Unglück, er zog sich keinen massiven Knorpelschaden zu und wird in acht, neun Monaten wieder zurück sein.“

Das ist erfreulich für Lucio, der in einer österreichischen Privatklinik operiert wurde. Trainer Lucien Favre hat nun allerdings die Gewissheit, dass er die Saison ohne Lucio auskommen muss. Gegen Cottbus wird dessen Landsmann Gilberto auf die linke Mittelfeldseite rücken. „Er ist schließlich gewohnt, diese Position zu spielen“, sagt Favre. „Mineiro könnte zudem in die Mitte rücken, das ist eine Möglichkeit, über andere Möglichkeiten habe ich noch nicht nachgedacht.“

Beim 3:2 gegen Borussia Dortmund hatte Lucio in seinem sechsten Einsatz für Hertha sein erstes und vorerst letztes Tor für die Berliner geschossen. „Ich muss mich noch an die Bundesliga gewöhnen, ich bin erst bei 70 Prozent meines Leistungsvermögens angelangt“, sagte der Brasilianer danach. Die „70 Prozent“ reichten aber schon zu recht ordentlichen Leistungen in Herthas Mittelfeld. „Lucio hat uns Schnelligkeit beim Spiel über die Flügel gegeben“, sagt Favre. Der Brasilianer kam kurz vor Saisonbeginn für 1,75 Millionen Euro von Porto Alegre, für den Schweizer Favre war er wegen seiner Vielseitigkeit ein Wunschspieler.

Wie flexibel kann Hertha jetzt noch spielen, nachdem Lucio ausfällt? Zuletzt mangelte es den Berlinern gegen Hansa Rostock (1:3) und bei Schalke 04 (0:1) an Kreativität im Erarbeiten von Chancen. In Gelsenkirchen ließ Favre sehr defensiv, quasi mit einem 4-5-1-System, agieren, gegen Cottbus wird es eine offensivere Gangart geben. Favre hat die Hoffnung, dass seine Mannschaft, „da weitermacht, wo sie in Gelsenkirchen in der zweiten Halbzeit aufgehört hat, denn da waren wir gut“. Gegner Cottbus könnte da mitspielen, zuletzt hat der auch unter dem neuen Trainer Bojan Prasnikar immer noch sieglose Tabellenletzte beim 2:2 gegen Frankfurt eine 2:0-Führung verspielt. Favre sagt trotzdem: „Das wird sehr schwer für uns, aber nach zwei Niederlagen müssen wir reagieren.“ Falls noch eine dritte folgt, dürfte bei Hertha schon so einiges in Frage stehen.Claus Vetter

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