• Brasilianer in der Bundesliga: Keine Garantie für Künstler - Nicht jeder "Ballzauberer vom Zuckerhut" hat in der Bundesliga überzeugt

Sport : Brasilianer in der Bundesliga: Keine Garantie für Künstler - Nicht jeder "Ballzauberer vom Zuckerhut" hat in der Bundesliga überzeugt

Julius Müller-Meiningen

Wenn Schlagwörter überhaupt eine Bedeutung haben, dann müsste es im Breisgau die besten Brasilianer in der Fußball-Bundesliga geben. Spieltag für Spieltag windet sich die Floskel von den Breisgau-Brasilianern durch die Zeitungsspalten. Aber ausgerechnete beim SC Freiburg, bei dem doch nach Expertenmeinung am besten gedribbelt wird, gibt es keinen einzigen Brasilianer. Und weil die Bundesliga ohne Schlagwörter nicht überleben kann, geht es immer weiter mit den Brasilien-Stereotypen: vom Ballzauberer vom Zuckerhut über die Fußballkünstler von der Copacabana ist alles bekannt. Hertha BSC hat sich nun besonnen und will den Schlagwörtern Taten folgen lassen. Die Verpflichtung von Marcelinho steht offenbar kurz bevor. Nationalität? Natürlich Brasilien. Der schwächelnde Alex Alves, auch Brasilien, soll also Unterstützung bekommen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Aber wie sieht es eigentlich aus bei den Klubs in der Liga? Wo gibt oder gab es die meisten Brasilianer, wo haben sie sich durchgesetzt? Der erste Brasilianer in der Bundesliga war 1964 Jose Gilson Rodriguez, genannt Zeze; er spielte beim 1. FC Köln. Inzwischen leistet sich jeder Klub, der ein bisschen etwas auf sich hält, einen Brasilianer. Bremen hat Ailton, Kaiserslautern Ratinho, der VfB Stuttgart hat Adhemar. Aber Bayer Leverkusen? Zur Meisterschaft reichte es im vergangenen Jahr trotz optimaler Voraussetzungen nicht. Aber beim Verpflichten von Braslianern, da sind die Leverkusener nicht zu schlagen. Und fast alle spielten überdurchschnittlich. Milton Queiroz da Paixao zum Beispiel, der erste Brasilianer, der bei Leverkusen, 1987, einen Vertrag erhielt. Tita nannte er sich, und er kostete gerade mal 500.000 Mark. 1989 folgte Jorginho, Stammkraft in der brasilianischen Nationalmannschaft und später auch beim FC Bayern Leistungsträger. 1993 kam Paolo Sergio. Auch er wechselte zu den Bayern. Dort spielt er heute noch - allerdings nicht mehr so stark wie noch in Leverkusen. Stark bei Bayer war auch Emerson, der 1997 sieben Millionen Mark kostete. Zé Roberto war ein Jahr später doppelt so teuer. Für 17,5 Millionen verpflichtete Leverkusen dann in der Winterpause dieser Saison den Mittelfeldspieler Lucio. Gleich in den ersten Spielen begeisterte er die Fans. Paolo Rink, 1997 verpflichtet, hatte man irgendwann sogar so lieb, dass er kurzerhand zum Deutschen gemacht wurde. Seither zaubert er nicht mehr. Dass gerade in Leverkusen besonders viele Brasilianer spielen, hat möglicherweise mit der exquisiten Betreuung zu tun. Es gibt einen Sprachlehrer und einen Betreuer, der den Spielern Behördengänge abnimmt und Haus oder Wohnung sucht.

In Dortmund dagegen spielen die Brasilianer weniger erfolgreich. Evanilson und Dede haben immer noch Anlaufschwierigkeiten, was einen Leserbriefschreiber in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" veranlasste zu fragen, ob es denn zwei Länder mit dem Namen Brasilien gäbe. Eines, in dem Leverkusen einkaufe und eines, in dem Borussia Dortmund sich bediene. Bei den Bayern dagegen ist Giovane Elber, trotz mancher Schwächephase, ein überaus wichtiger Spieler.

Hertha will auch nach den schlechten Erfahrungen mit Alves nichts verändern. Kein Spezial-Ansprechpartner für ausländische Spieler, "das wird auf viele Schultern verteilt", sagt Pressesprecher Felder. "Es wäre übertrieben, extra jemanden einzustellen." Wenn das Marcelinho hört.

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