Sport : Brasilianer treffen für Bremen

Naldo und Diego schießen die Tore bei Werders 2:0 gegen Lewski Sofia

Frank Hellmann[Bremen]

Es ist Freimarkt in Bremen, was traditionell in Sachen Fußball als gutes Omen gilt. Noch aus Zeiten des Trainers Otto Rehhagel rührt die Mär, dass der ansässige Sportverein Werder Bremen zur „fünften Jahreszeit“ nicht zu schlagen sei. Gestern haben die Hanseaten an alte Traditionen angeknüpft. Das Champions-League-Heimspiel gegen Lewski Sofia gewann Werder mit 2:0 (1:0), was nächtens die Stimmung beim beliebten Volksfest auf der Bürgerweide noch mächtig befeuerte. Die Vereinssongs sind dort schließlich in den vergangenen Jahren allseits beliebtes Liedgut geworden. Die Treffer für den ersten Saisonsieg in der Champions League gelangen Bremens Brasilianer: Erst traf Naldo kurz vor der Pause mit einem kuriosen Freistoßtreffer, dann erlöste Diego eine Viertelstunde vor Schluss den Anhang mit dem 2:0.

Bereits am 31. Oktober steigt das Rückspiel in der bulgarischen Hauptstadt. Sollten die Bremer auch dort siegreich sein, ist zumindest der dritte Gruppenplatz und damit die Teilnahme am Uefa-Cup gesichert. Doch die Bremer Überlegungen gehen noch einen Schritt weiter: Zumindest in Bremen halten die grün-weißen Protagonisten auch einen Erfolg gegen den FC Chelsea am 22. November nicht für ausgeschlossen. „Und dann wollen wir mal sehen, welche Tabellenkonstellation sich dann ergibt“, sagte Bremens Nationalspieler Torsten Frings vielsagend.

Fakt allerdings ist, dass Werder sich am gestrigen milden Herbstabend vor 36 246 Zuschauern gegen den 24-maligen bulgarischen Meister überraschend schwer tat. Das Offensivspiel der überlegenen Bremer, die den an Achillessehnenproblemen leidenden Frank Baumann durch Jurica Vranjes ersetzten, krankte mitunter am zu statischen Aufbau gegen den defensiv eingestellten Gegner. Zudem vergaben die Gastgeber drei gute Chancen: Miroslav Klose, der abermals nicht an die Topform aus WM-Zeiten anzuknüpfen vermochte, jagte den Ball über die Latte, Christian Schulz zielte aus 17 Meter vorbei, schließlich scheiterte der umtriebige Aaron Hunt an Sofias Keeper Georgi Petrow. Den Bann brach schließlich ein Zufallstreffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: Bei einem Freistoß aus fast 25 Metern hatte Naldo Glück, dass sich die bulgarische Mauer auflöste und der Ball in die von Petrow nicht zu erreichende Ecke trudelte. Ein glückliches Tor, dass der 24-jährige Brasilianer, seit Wochen einer der besten Bremer, enthemmt feierte. Auch Trainer Thomas Schaaf, in einen schmucken grauen Anzug gehüllt, streckte triumphierend die Faust in den Bremer Nachthimmel.

Schaafs Signal nach der Pause war ein deutliches: Für den indisponierten Linksverteidiger Pierre Womé kam mit Ivan Klasnic ein weiterer Stürmer, Hunt rückte dafür ins halblinke Mittelfeld, Schulz in die Abwehr. Der Spielverlauf sollte sich nach dem Wechsel nicht ändern: Werder agierte, Lewski reagierte. Klasnic vergab gleich die erste Chance der zweiten Hälfte, dann verzog Hunt freistehend, ehe Diego nach Klasnic-Zuspiel überlegt zum erlösenden 2:0 traf. Das deutliche Plus in punkto Ballbesitz war vor allem ein Verdienst von Torsten Frings und Jurica Vranjes, die im defensiven Mittelfeld geschickt die Räume zustellten. Auch Naldo und Nebenmann Per Mertesacker befinden sich offensichtlich auf bestem Wege, das notorische Abwehrproblem an der Weser zu lösen. Dennoch darf der Erfolg nicht blenden: Dafür zählt Lewski Sofia halt – im Gegensatz zu Chelsea und Barcelona – nicht zur ersten internationalen Garde.

Dass ein Gegner wie der bulgarische Champion auch fürs bremische Publikum nicht die Faszination besaß, war daran abzulesen, dass vor dem Weserstadion noch Eintrittskarten angeboten wurden. Ein Umstand, der sich übermorgen kaum wiederholen dürfte. Dann gastiert der FC Bayern in Bremen. Und so drehte sich nach Schlusspfiff bereits alles um das bevorstehende Liga-Highlight. Werder will, daran ließen die Beteiligten nach dem Schlusspfiff keinen Zweifel, nun nach der Pflicht gegen Sofia eine Kür gegen die Bayern bieten.

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