Sport : Brasilianisches Ende

Mit einem Traumtor zum 1:0 beschert Cacau Hertha BSC in Stuttgart die erste Niederlage seit Ende Oktober

Oliver Trust[Stuttgart]

Falko Götz kniff die Lippen zusammen und schaute in enttäuschte Gesichter. Manager Dieter Hoeneß drehte sich schnell weg und versuchte wenigstens etwas Trost zu spenden. „Wir waren die bessere Mannschaft“, sagte Niko Kovac nach dem 0:1 beim VfB Stuttgart, Herthas erster Niederlage nach elf Spielen. Der Brasilianer Cacau erzielte mit einem Schuss aus 22 Metern schon nach zehn Minuten den Siegtreffer und bescherte den Stuttgartern nach drei sieglosen Spielen wieder ein Erfolgserlebnis. Der VfB verhinderte durch den Sieg den Absturz ins Tabellenmittelfeld, während Hertha die Chance verpasste, sich in der Spitzengruppe festzusetzen.

„Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, wir haben eine tolle Moral gezeigt", sagte Götz. Vielleicht lief es in den ersten Minuten sogar eine Spur zu gut bei Hertha. Vielleicht waren die Sensoren der Abwehr nicht genug sensibilisiert, als Cacau ein paar Meter vor dem Strafraum einen Haken schlug und Oliver Schröder mit einem kurzen schnellen Antritt zum Verlierer des kleinen Sprintduells machte. Und vielleicht hatte auch Christian Fiedler mit allem gerechnet, jedoch nicht mit einem derartig wuchtigen Schuss. Fiedler mühte sich vergeblich um Wiedergutmachung und streckte sich mächtig nach oben. Der Ball aber touchierte die Unterkante der Latte und rauschte ins Netz.

Das neunte Saisontor des Brasilianers aber hatte für die bis dahin das Spiel geschickt kontrollierende Hertha weitreichende Folgen. Die Mannschaft, die vorher ihre Dynamik gut auf beide Flügel und die Mitte verteilt hatte, verlegte die Bemühungen nun auffällig oft auf die Mitte. So konnten die Stuttgarter mit viel weniger Mühe ihren Vorsprung verteidigen. VfB-Trainer Matthias Sammer hatte Zvonimir Soldo gegen Yildiray Bastürk aufgeboten und Fernando Meira mit der Sonderbewachung von Marcelinho beauftragt. Nun ging seine Rechnung wesentlich besser auf.

Hertha konnte nach dem Rückstand nicht mehr die Überlegenheit im Mittelfeld entwickeln, die die Stuttgarter in Gefahr gebracht hätte. Mit frühem Pressing hielten die Stuttgarter die Berliner auf Distanz. Nur einmal traf Hertha ins Tor. In der 34. Minute aber hatte Niko Kovac Stuttgarts Torwart Timo Hildebrand im Fünfmeterraum regelwidrig angegangen. Schiedsrichter Wolfgang Stark versagte deshalb dem Treffer von Oliver Schröder die Anerkennung.

In der 54. Minute hatte Hertha Pech, als Hildebrand bereits geschlagen war, Martin Stranzl den Kopfball von Niko Kovac allerdings noch von der Linie kratzte. Die Berliner drängten in der zweiten Hälfte mit Entschlossenheit auf den Ausgleich. Aber auch Schüsse von Malik Fathi und Thorben Marx fanden nicht ihr Ziel. Die Stuttgarter versuchten ihrerseits, sich durch Konter aus der Umklammerung zu lösen. Als Kevin Kuranyi aber in der 57. Minute aus spitzem Winkel schoss, klärte Fiedler mit einer Faustabwehr.

Am Schluss waren es nur noch die Gäste, die den Ball nach vorne trieben. Auf der Berliner Bank setzten intensive Gespräche zwischen Trainer Götz und Manager Hoeneß ein. Götz nahm danach Dick van Burik vom Feld und brachte Alexander Madlung, der sich wegen seiner Kopfballstärke gleich nach vorne orientierte. Der immer müder werdende Wichniarek wurde von Fredi Bobic ersetzt. Stuttgart musste sich angesichts des Berliner Vorwärtsdrangs ausschließlich auf die Defensive beschränken. Doch Hertha rannte ohne zählbares Ergebnis gegen das Bollwerk an. Zum ersten Mal seit dem 26. Oktober, seit dem 0:1 gegen Borussia Dortmund, hatte Hertha wieder verloren.

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