Sport : Brasilien in Brandenburg

Ministerin Wieczorek–Zeul über Entwicklungshilfe bei der Fußball-WM 2006

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Frau WieczorekZeul, wann haben Sie zum letzten Mal Fußball gespielt?

Ach, das ist schon eine Weile her. Als ich noch als Lehrerin tätig war, haben mir meine Schüler das Spiel beigebracht. Aber, ehrlich gesagt, ich war damals froh, wenn ich eine Halbzeit durchgehalten habe.

Und was hat die Ministerin Wieczorek- Zeul mit Fußball zu tun?

Vielleicht überrascht es viele, dass sich die Entwicklungsministerin mit Sport beschäftigt. Aber eigentlich ist das völlig klar. Schauen Sie, es gibt kaum etwas, was die Menschen auf der ganzen Welt so sehr verbindet wie das Fußballspiel. Ich war vor kurzem in einem Jugendzentrum in Ruanda. Dort kann man erleben, wie leicht es Menschen fällt, im Team zu spielen – auch wenn im Land noch viele Probleme zu bewältigen sind. Fußball, das bedeutet Zusammenspiel und Teamgeist. Im Sommer 2006 sind wir Gastgeber der Weltmeisterschaft. Da wird sich Deutschland als gastfreundliche und tolerante Nation präsentieren.

Was hat das alles mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Entwicklung zu tun?

Eine ganze Menge. Nehmen Sie nur unser konkretes WM-Projekt, das wir am Freitag starten: Dort werden deutsche Schulen gegeneinander Fußball spielen – zum Beispiel als Teams von Entwicklungsländern. Eine Schule in Baden- Württemberg kann die Farben von Kamerun vertreten, Kinder aus Brandenburg können unter der Flagge Brasiliens mitmachen. Im Sommer 2006 spielen die Schulteams dann den Titel beim Schulfestival in Potsdam aus, sozusagen stellvertretend für die Fifa-Nationen. Und vorher lernen die Jugendlichen im Unterricht ihr Partnerland kennen: Wie leben die Menschen dort? Welche Kultur haben sie? Unser Projekt ist also Bildung und Entwicklungspolitik in einem.

Lernen die Schüler denn auch, dass in Entwicklungsländern immer noch Fußbälle von Kindern hergestellt werden?

Natürlich werden wir solche Probleme zum Thema machen. Den Schulen, die sich an unserem Projekt beteiligen, werden wir fair gehandelte Fußbälle zur Verfügung stellen. Das können die Schülerinnen und Schüler zum Anlass nehmen, über die Lebensbedingungen von Kindern in Entwicklungsländern zu diskutieren. Außerdem planen wir, die Schulkinder mit fair gehandelten Fußballtrikots auszustatten. Auch über dieses Thema soll in den Schulen gesprochen werden.

Das WM-Organisationskomitee macht ebenfalls einen Schulwettbewerb. Haben Sie keine Angst, dass sich die Kampagnen zur Fußball-WM überschneiden?

Ich finde das nicht schlimm. Die vielen Projekte führen doch dazu, dass sich jeder Mensch in Deutschland als Gastgeber fühlt.

Sprechen Sie im Bundeskabinett oft über die WM?

Innenminister Otto Schily berichtet regelmäßig, und danach gibt es meist lebhafte Diskussionen. Fußball ist ein Thema, das fast jeden und jede bewegt. Wetten auf die Spiele haben wir zwar noch nicht abgeschlossen. Aber das kommt sicher noch.

Das Gespräch führte Robert Ide.

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