Sport : Brasilien live

Herthas Stürmer Luizao verhandelt angeblich über eine Rückkehr in seine Heimat

Stefan Hermanns

Berlin. Es ist noch nicht lange her, dass der Fußballer Luizao sich in einem Interview wehmütig über seine Heimat ausgelassen hat. Er vermisse in Berlin das brasilianische Lebensgefühl, Brasilien gebe ihm Kraft, und rundum glücklich sei ein Brasilianer ohnehin nur in Brasilien. Luizao behilft sich in der Fremde, so gut es geht: Er hat eine Satellitenschüssel auf dem Dach, die ihm den Empfang des brasilianischen Fernsehens ermöglicht, und mit seinen Verwandten telefoniert er drei- oder viermal am Tag. In den vergangenen Wochen ist Luizao ein ziemlich glücklicher Mensch gewesen. Der Angreifer des Berliner Bundesligisten Hertha BSC hat den Urlaub in Brasilien verbracht. Am heutigen Montag aber wird er in Berlin zurückerwartet, am Dienstag steht für Herthas Profis ein Laktattest an, am Mittwoch beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison.

Möglicherweise aber wird Luizao dann gar nicht mehr dabei sein. Der Sport-Informationsdienst meldet unter Berufung auf eine brasilianische Zeitung, dass der Stürmer in den nächsten Tagen mit dem Erstligisten Cruzeiro Belo Horizonte über einen Wechsel verhandeln werde. Luizao könnte sich den Rückflug nach Berlin also ersparen und Brasilien auch weiterhin live erleben. Doch laut Herthas Manager Dieter Hoeneß gibt es „keinen Anhaltspunkt“, dass die Geschichte stimmt. Weder der Verein noch der Spieler seien an Hertha herangetreten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Luizao in Brasilien verhandelt, ohne uns zu informieren“, sagt Hoeneß. „Er ist ein intelligenter Mann, das würde er mit uns abstimmen.“

Erst vor einem Jahr hat Hertha den Stürmer verpflichtet, der kurz zuvor bei der Weltmeisterschaft zweimal als Einwechselspieler zum Einsatz gekommen war. Dem Publikum wurde er als großer Star präsentiert, die Erwartungen waren entsprechend hoch – sie blieben unerfüllt. Luizao erzielte nur drei Tore für Hertha, eins im Uefa-Cup und zwei in der Bundesliga, davon eins per Elfmeter. Rund 2,5 Millionen Euro soll der Brasilianer bei Hertha im Jahr verdienen. In finanziell mageren Zeiten ist das viel Geld, und trotzdem sucht Hertha keineswegs mit aller Macht einen Käufer für Luizao. „Die Planungen für die neue Saison sind abgeschlossen“, sagt Hoeneß. „Wir haben nicht vor, noch einen Stürmer zu verpflichten, und wir haben auch nicht vor, noch einen abzugeben.“

Hoeneß erwartet allerdings, dass Luizao sein Gehalt durch eine angemessene Leistung rechtfertigt. Schon vor der Sommerpause „haben wir ihm deutlich gesagt, was wir von ihm erwarten“ – ein professionelles Verhalten auch im Urlaub. Vor einem Jahr war Luizao mit einigem Übergewicht und völlig außer Form von den WM-Feiern nach Deutschland gekommen. Ein zweites Mal darf er sich das nicht erlauben.

Die Schwierigkeiten, die der Stürmer in Berlin hatte, haben seinem Ruf in Brasilien jedoch nichts angehabt. „Es ist nichts Neues, dass er dort einen sehr guten Namen hat“, sagt Hoeneß. Ein latentes Interesse könne er sich durchaus vorstellen. Hinzu kommt, dass Wanderley Luxemburgo, der Trainer von Cruzeiro, Luizao noch aus der gemeinsamen Zeit bei Corinthians São Paulo kennt und offensichtlich auch schätzt. Sollte der Stürmer in seine Heimat zurückkehren, wäre er nach Alex Alves und Nene der dritte Brasilianer, der Hertha in diesem Sommer verließe.

Mit Artur Wichniarek und Fredi Bobic haben die Berliner zwei neue Stürmer verpflichtet, mit Michael Preetz und Alves haben aber auch zwei den Klub verlassen. Geblieben sind für den Angriff Luizao und Nando Rafael. „Wir werden auf jeden Fall mit vier Stürmern in die Saison gehen“, sagt Hoeneß. So wie es aussieht, wird Luizao also der vierte Mann sein. Es sei denn, „man macht uns ein Super- Angebot“, sagt Hoeneß. „Aber das kommt bestimmt nicht aus Brasilien.“

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