Brasilien : Marta: Ich bin ein Star, gebt mir den Ball

Brasiliens Stürmerin Marta ist eine der wenigen Ikonen im Frauenfußball. Trotzdem fällt sie eher durch Bodenständigkeit auf als durch Allüren.

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Tanz der Tore. Brasiliens Spielerinnen wissen, was sie Marta (m.) verdanken - fast alles.
Tanz der Tore. Brasiliens Spielerinnen wissen, was sie Marta (m.) verdanken - fast alles.Foto: AFP

Strahlend nahm Marta den großen Bilderrahmen entgegen. Der Weltfußballverband Fifa hat sich eine äußerst unhandliche Auszeichnung für die jeweilige Spielerin des Matches ausgedacht. Doch auch über eine gerahmte Urkunde scheint sich eine fünfmalige Weltfußballerin noch freuen zu können. Artig bedankte sich die brasilianische Stürmerin, grinste in diverse Kameras, ihr Trainer forderte die anwesenden Journalisten auf, ihr doch ein wenig Beifall zu spenden für ihre herausragende Leistung gegen Norwegen. Dann ging Kleiton Lima zu Marta hinüber, um ihr feierlich die Hand zu schütteln.

Die Szene hatte etwas Rührendes. Man muss wissen, dass in jedem Match der Frauenfußball-WM eine Spielerin des Tages ausgezeichnet wird, kaum jemand legt großen Wert darauf. Es war nicht aufgesetzt, was Marta und ihr Trainer dort im Wolfsburger Stadion vorführten. Die beiden freuten sich ehrlich, dass die Starstürmerin nun auf dem Platz angekommen zu sein scheint. Davon allein nämlich hängt Brasiliens Erfolg ab.

Marta allein hat am Sonntag den Einzug ins Viertelfinals gesichert, indem sie beim 3:0 zwei Tore schoss und eins vorbereitete. Die Schnelligkeit der 25-Jährigen überforderte die Norwegerinnen, die durchaus zu den WM-Favoritinnen gezählt hatten. Gegen Marta aber, das musste auch Trainerin Eli Landsem eingestehen, waren sie viel zu langsam.

Kleiton Lima kam nach Martas Vorstellung im zweiten Gruppenspiel regelrecht ins Schwärmen. „Marta hat zwei große Stärken“, sagte Brasiliens Trainer. „Sie ist bodenständig und genial.“ Dann verlor er sich in minutenlangen Ausführungen darüber, wie seine Marta sich ins Kollektiv der Brasilianerinnen einfüge, ohne Starallüren oder Sonderstatus. „Sie ist bescheiden und brillant“, sagte Lima. „Das gibt dem ganzen Team Kraft und alle profitieren von ihrem Talent und ihrer Erfahrung.“

Es wirkt tatsächlich so, als sei es einem der wenigen Weltstars im Frauenfußball gelungen, auf dem Boden zu bleiben. Nur mit dem Englisch hapert es noch immer, obwohl Marta Vieira da Silva, wie sie mit vollem Namen heißt, nun schon seit zwei Jahren in den USA spielt, neuerdings bei Western New York Flash. Man munkelt, sie verdiene dort 500 000 Dollar jährlich, eine Summe, die bei Frauen normalerweise völlig außer Reichweite ist.

Ihre Dolmetscherin versuchte sie und ihren großen Bilderrahmen am Donnerstag direkt in Richtung Dusche zu lotsen, doch Marta wollte gern noch ein paar Fragen beantworten. „Ich will immer noch besser werden und viele Menschen mit meiner Arbeit inspirieren.“

Das tat sie am Sonntag. Obwohl sie die Norwegerinnen mit ihren Tricks mehrfach gedemütigt hatte, wollten gleich mehrere ein Trikot von ihr. Und auch die Zuschauer, die sie nach einem Foul, das dem 1:0 vorherging, eine Halbzeit lang ausgepfiffen hatten, feierten die Brasilianerin am Schluss. „Ich denke, sie ist gestolpert“, sagte Marta, die die Pfiffe ohnehin nicht auf sich bezogen. „Das Turnier findet in Europa statt, da hält das Publikum natürlich eher zu den europäischen Teams. Aber am Ende waren alle für uns, das gibt uns natürlich Motivation.“ Bei bei den Fernsehzuschauern sind die Brasilianerinnen nach den Deutschen bisher am beliebtesten. Das Spiel am Sonntag sahen 6,23 Millionen Zuschauer.

Wenn Marta mit ihrer großen Triangel singend aus dem Mannschaftsbus steigt, ist sie zwar nicht zu unterscheiden von ihrem Mannschaftskolleginnen. Auf dem Fußballplatz aber können die mit ihrer Nummer Zehn kaum mithalten. Und das könnte zum Problem für Kleiton Lima werden, der die Abwehrschwäche am Sonntag selbst eingestand. „Wir haben nicht so viele wirklich gute Abwehrspielerinnen“, sagte der Trainer. „Wir versuchen, da das beste rauszuholen.“ So erklärte Lima auch das ungewöhnliche 3-5-2-System, mit dem er sein Team spielen lässt. „Es ist mir egal, was die anderen machen, für uns funktioniert es.“ Aber nur solange Marta die Tore schießt.

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