Sport : Bratwurst gibt’s später

Bei seiner dritten WM will der deutsche Auftaktgegner Costa Rica ins Achtelfinale

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Wenn Paulo Cesar Wanchope an Deutschland denkt, fallen ihm drei Dinge ein: „Ballack, Bier und Bratwurst.“ In dieser Reihenfolge. Wie fast allen Spielern des deutschen WM-Auftaktgegners Costa Rica ist auch Stürmerstar Wanchope vor allem der Kapitän der Deutschen ein Begriff, die anderen Charakteristika kennt er bislang nur aus Erzählungen. Nach dem entscheidenden Sieg gegen die USA in der WM-Qualifikation im Oktober habe er auf dem Flughafen deutsche Fans getroffen, sagt Wanchope lachend: „Die sagten, ich müsse in Deutschland unbedingt Bier und Bratwurst probieren. Das mache ich aber erst nach dem Turnier.“

Wann das sein wird, hängt entscheidend von dem 29 Jahre alten Angreifer selbst ab. Wanchope ist der Rekordtorschütze der Ticos, er hat für die Zentralamerikaner in 67 Einsätzen 43 Tore erzielt. „Es ist ein echtes Privileg, gegen den Gastgeber die WM eröffnen zu dürfen“, sagt er. „Das passiert uns wahrscheinlich nie wieder.“

Seit dem 9. Dezember, als Costa Rica in die deutsche Gruppe A gelost wurde, ist das kleine, fußballbegeisterte Land von der Größe Niedersachsens voll von „Pura vida“, was so viel wie „pralles Leben“ heißt. „Pura vida“ sagt der Costaricaner immer, wenn er sich über etwas besonders freut. Anders als viele Staaten in Mittelamerika, die dem Baseball huldigen, ist Fußball in Costa Rica Nationalsport. Die vier Millionen Menschen lieben und leben den Fußball. Jedes Spiel der Auswahl legt regelmäßig das gesamte Land lahm.

Wanchope ist einer der wenigen Spieler, die es nach Europa geschafft haben. Mit knapp 20 Jahren wechselte er vom Vorstadtklub Heredia nahe der costa-ricanischen Hauptstadt San Jose nach England. Acht Jahre spielte er bei Derby County, West Ham United und Manchester City, bevor er 2004 ein kurzes Gastspiel beim FC Malaga gab. Bis Ende vergangenen Jahres verdiente er Öldollars in Katar. Mittlerweile hat sich der Kreis geschlossen und Wanchope kickt wieder für Heredia. „Ich wollte nahe am Nationalteam sein und mich gut vorbereiten auf meine letzte Weltmeisterschaft.“

Neben Wanchope gehört vor allem Gilberto Martinez zu den Stützen des Teams. Der 26 Jahre alte Verteidiger wechselte nach der WM 2002 nach Brescia in Italien. Für eine Überraschung in Deutschland könnte Carlos Hernandez sorgen. Der 23 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler vom LD Alajuela, einem der beliebtesten Klubs des Landes, gilt als größtes Talent.

Insgesamt hat Trainer Alexandre Guimaraes neun Spieler nominiert, die auch schon in Japan und Korea vor vier Jahren dabei waren. Damals scheiterte das Team in der Gruppenphase. Diesmal ist das Achtelfinale das Minimalziel. Dafür, dass das gelingen könnte, gab es zumindest zu Beginn der WM-Qualifikation wenig Anhaltspunkte. Erst als der Verband den US-Amerikaner Steve Sampson und kurz darauf den Kolumbianer Jorge Luis Pinto feuerte und Guimaraes als Trainer zurückholte, lief es besser. „Er kennt unser Team wie kein anderer, und die Spieler haben großes Vertrauen zu ihm“, erläutert Kapitän Luis Marin. So groß ist das Vertrauen, dass sie nun sogar an einen Sieg gegen die deutsche Elf glauben. „Wir haben Respekt vor Deutschland, aber keine Angst“, sagt Paulo Wanchope. „Jeder denkt, das Spiel gewinnt Deutschland. Den Druck haben sie und nicht wir.“

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