Breitensport-Auszeichnung : Bundespräsident Gauck verleiht "Sterne des Sports"

Breitensport bekommt sonst eher wenig Aufmerksamkeit. Am Mittwoch in Berlin war das anders. Und Bundespräsident Joachim Gauck nutzt die Verleihung der "Sterne des Sports" auch gleich für ein paar grundsätzliche Anregungen.

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Er kommt von der Flanke. Bundespräsident Gauck ehrt den Sieger.
Er kommt von der Flanke. Bundespräsident Gauck ehrt den Sieger.Foto: dpa

Es leuchtet für die Jahreszeit erstaunlich hell durch die Glaskonstruktion des Daches im Bankgebäude am Pariser Platz 3. Und von Bundespräsident Joachim Gauck gibt es gleich ein paar erhellende Worte. Zu Beginn der Veranstaltung der „Sterne des Sportes“ sagt Gauck: „Wir brauchen diejenigen, die aus der auf Bildschirme glotzenden Jugend bewegungsfähige Individuen machen.“ Und ein Teil derjenigen wird am Mittwoch in Berlin geehrt: 17 Vereine aus 16 Bundesländern haben es bis zur Endausscheidung des von einer großen Bank unterstützten Bundeswettbewerb geschafft. Seit 2004 wird die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verliehen.

Es geht um Breitensport. Und der sei eminent wichtig, findet Gauck, der sich die 90 Minuten Zeit genommen hat. „Ohne Breite keine Spitze“, sagt der Bundespräsident. Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, klatscht Beifall. Und dann geht es schon ans Händeschütteln. Verlierer gibt es nicht, Delegierte von 14 Sportvereinen – von Wolfenbüttel bis Zeitz – werden auf die Bühne gebeten. Sie teilen sich alle Rang vier. Es ist ein verdient großer Auftritt für die vielen, meist im Ehrenamt tätigen Menschen. Nicht nur, weil der 28. Januar für sie als der Tag, „an dem ich dem Bundespräsidenten die Hand geschüttelt habe“, in ihre persönliche Geschichte eingehen wird. Nein, es gibt ja auch Preisgeld für die Arbeit im Verein – überreicht auf Riesenschecks, die in Zeiten des Online-Bankings etwas anachronistisch wirken. Den größten davon bekommt bei der finalen Siegerehrung der Verein „Team Bananenflanke“ aus Regensburg.

10 000 Euro für eine gute Sache: Bananenflanke wurde 2011 nach einem Fußballprojekt an einer Behindertenschule initiiert, speziell für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Das Projekt einer eigenen Liga soll über Regensburg hinaus ausgedehnt werden, berichten die Sieger. Rang zwei geht an den „Kinder- und Jugendcircus Montelino“ aus Potsdam. Dort wird der Spaß an der Artistik gefördert, ist einem eingespielten Film zu entnehmen.

Der Breitensport bekommt sonst eher selten eine derart große Bühne

Der Breitensport bekommt sonst eher selten eine derart große Bühne. „Dabei ist das der wahre Kern des Sports“, sagt DOSB-Präsident Hörmann. Gauck unterbricht ihn: „Haben sie das mit dem Kern gehört?“ Und noch einmal verweist der Bundespräsident auf die Wichtigkeit der Basis, die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein auch immer wieder betont. Zuverlässig mit Metaphern oder Anekdoten, aus dem Fußball untermalt. Wen wundert es? Die Horizontbreite der Sendung, die Müller-Hohenstein im Fernsehen moderiert, geht ja auch selten über den Profifußball hinaus. Dass im Fußballland Deutschland ein Fußballverein als größter Stern des Sports 2015 glänzt, ist aber wohl mehr der guten Arbeit der Verantwortlichen von Bananenflanke geschuldet als der hierzulande so populären Sportart.

Und natürlich wird auch gegen Ende noch einmal über die philosophiert, die die Jugend – das ist bei allen Rednern Konsens – vom Sport abhalten. Die sozialen Netzwerke eben. Dabei seien die gar nicht so sozial, findet Müller-Hohenstein. Dass zu Beginn der Veranstaltung dazu aufgerufen wurde, zu posten was geht, auf Bildschirmen im Saal verschiedene Nachrichten aus sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #SternedesSports flimmern – geschenkt. Die Breite in Sportdeutschland, so wirkt es angesichts der vielfältigen Sportlandschaft und Ideen der 17 Preisträger, ist auf jeden Fall lebendig.

Interessant ist allerdings, dass auf der Bühne von Berlin zum Gruppenfoto mit dem Bundespräsidenten fast nur Männer als Klubverantwortliche auftauchen. In diesem Punkt könnte auch noch ein wenig mehr gesellschaftliche Breite ein Thema werden. Vielleicht bei den nächsten „Sternen des Sports“.

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