Sport : Breites Grinsen

Deutsche Männer-Staffel holt Bronze über 4x200m-Freistil

Frank Bachner

Barcelona. Christian Keller hatte alles gegeben, aber die Kraft zur Inszenierung hatte er noch. Der Essener kletterte auf eine Trennleine, streckte triumphierend einen Zeigefinger zur Tribüne und ließ sich rückwärts ins Wasser fallen. Keller ist ein Selbstdarsteller, aber in diesem Fall musste man ihn verstehen. Er hatte der deutschen 4x200m-Freistil-Staffel bei der Schwimm-WM in Barcelona die Bronzemedaille gerettet. Es blieb die einzige Medaille, die Deutschland gestern erreichte. Sie war so überraschend, dass Bundestrainer Manfred Thiesmann sagte: „Irre, das ist phantastisch.“ Gold ging an Australien, Silber an die USA.

Es war klar, dass Deutschland um Platz drei kämpfen würde. Die Deutschen konzentrierten sich auf die Briten, den vermeintlich schärfsten Gegner. Aber es kam anders. Italien rückte in den Rang des schärfsten Rivalen. Schon als Johannes Oesterling in Wasser sprang. Als Startschwimmer kämpfte er vor allem gegen Matteo Pelliciari. Oesterling schwamm ausgezeichnet, schlug als Dritter an und hatte Lars Conrad einen kleinen Vorsprung verschafft. Das schien auch nötig, Conrad war der vermeintlich schwächste Mann im Team. Der 27-Jährige aus Hannover hielt Platz drei. Dann arbeiteten sich die Deutschen sogar an die Australier heran. Stefan Herbst griff an. „Als wir gesehen haben, dass wir an die Australier herankamen, war bei uns der Teufel los“, sagte Thiesmann. Aber Herbst konnte das Tempo nicht halten, er lieferte sich stattdessen noch einen harten Kampf mit Federico Cappellazzo um Platz drei. Keller musste die Medaille sichern.

Für ihn hatte das Rennen einen persönlichen Aspekt. Er schwamm gegen seinen Rivalen Massimiliano Rosolino. Am Ende hatte er drei Zehntelsekunden Vorsprung. „Keller hätte sich lieber das Bein absägen lassen, als das Rennen zu verlieren“ sagte Thiesmann. Einige Meter weiter stemmte sich Keller grinsend aus dem Becken.

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