Sport : Bremen droht der finanzielle Absturz

Frank Hellmann

Bremen - Keine Frage, den Worten sind Taten gefolgt. Thomas Schaaf hat angesichts des fatalen Absturzes von Werder Bremen (nur acht Punkte in neun Rückrundenpartien) für seine Spieler ein hartes Trainingspensum aufgestellt: Gemeinsames Auslaufen am Sonntag, reihenweise Sprintübungen am Dienstag, zwei Einheiten am Mittwoch. „Einsatz, Wille, Bereitschaft und Aktivität“, fordert Fußballlehrer Schaaf vor dem Gastspiel bei Hertha BSC. Sportchef Klaus Allofs will jeden verbannen, der nicht mitzieht: „Derjenige, der ausschert aus unserem Vorhaben, sich noch für die Champions League zu qualifizieren, wird keine Berücksichtigung finden.“

Der Aktionismus auf der Zielgeraden ist der Furcht geschuldet, dass dem sportlichen auch der wirtschaftliche Absturz folgt. Fakt ist, dass die Werder Bremen GmbH&Co KGaA in ihrer derzeitigen Ausprägung nur besteht, weil die Norddeutschen vier Jahre in Folge in der Champions League spielten – und dort Millionen scheffelten. Mehr als 35 Millionen Euro fließen in Bremen ans kickende Personal – so viel wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Ist diese Mannschaft auch ohne Erlöse aus der Champions League zu bezahlen? „In unseren Planungen ist das worst-case-Szenario schon berücksichtigt. In den Etatansätzen, die wir bei der Lizenzierung einreichen, steht bei den Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb stets eine glatte Null“, sagt Vorstands- und Finanzboss Jürgen L. Born.

Der Umsatz am limitierten Standort Bremen ist auf stolze 105,8 Millionen Euro gewachsen. Hinzu kommt: Noch in diesem Jahr wird das Weserstadion für stolze 60 Millionen Euro umgebaut. Finanziert von der Bremer Weserstadion GmbH, an der Verein und Stadt zu gleichen Teilen beteiligt sind. Gespeist wird das Prestigeobjekt über Abgaben aus Vip-Plätzen und Bandenwerbung. Doch den eigentlich ehrgeizig avisierten Aufbau eines dritten Ranges lässt der Verein sein – das Risiko erschien zu hoch. „Ein Stadionumbau muss sinnvoll sein. Das andere Modell hätte weit über 100 Millionen gekostet“, sagt Born. „Die andere Kalkulation hätte uns heftigst in Schwierigkeiten bringen können“, bestätigt Lemke, „gerade wenn wir längere Phasen nicht in der Champions League spielen.“ Weise Voraussicht? Frank Hellmann

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