Bremen - Hannover : Friedliches 1:1 – und dann Tumulte

Abstiegskampf zehrt an den Nerven. Wie sehr, war im Weserstadion zu begutachten, als mit dem Schlusspfiff des eigentlich schiedlich-friedlich 1:1 endenden Nordderbys zwischen Bremen und Hannover ein Großteil der Beteiligten für kurze Zeit die Beherrschung zu verlieren drohte.

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Konfliktmanagement. Bremens Klaus Allofs (m.) bei den Tumulten nach Abpfiff. Foto: dpa
Konfliktmanagement. Bremens Klaus Allofs (m.) bei den Tumulten nach Abpfiff.Foto: dpa

Bremen - Hannovers Profi Manuel Schmiedebach, laut Trainer Mirko Slomka „ein frecher Berliner Junge mit einem Schuss zu viel Aggressivität“, hatte den Bremer Marko Marin gegen das Bein getreten (und sich dafür die fünfte Gelbe Karte eingehandelt), was tumultartigen Szenen auslöste. Mitten im Handgemenge sogar die Cheftrainer. „Es war unruhig, also habe ich beruhigt“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf – selten so gelacht.

An der Weser hatte ansonsten vornehmlich der Gast gute Laune. Hannover 96 ist nach einem „sehr aufregenden und leidenschaftlichen Spiel“ (Slomka) weiter Tabellenvierter. „Einen Sieg hatten wir nicht verdient, denn dafür hatte Bremen einen zu starken Auftritt“, sagte Slomka und grinste zufrieden. „Nächste Woche schlagen wir Kaiserslautern, und dann feiern wir den Klassenerhalt“, erklärte Jan Schlaudraff.

Weniger Entspannung ist beim SV Werder zu bestaunen, dem aktiveren und über weite Strecken hoch überlegenen Team, wie 13:6 Torschüsse, 11:3 Ecken, 27:7 Flanken oder 63 Prozent Ballbesitz belegten. „Vom Willen war das Team absolut auf der Höhe, aber wenn man so weit unten drin steht, ist ein Punkt zu wenig“, erklärte Klubboss Klaus Allofs. Den Punktgewinn erkauften sich die Bremer teuer: Claudio Pizarro zog sich zum vierten Mal in dieser Saison eine Muskelverletzung zu und fällt sieben bis zehn Tage aus. Wie instabil Schaafs Ensemble noch ist, war beim Gegentor von Didier Ya Konan zu bestaunen, der Mikael Silvestre und Per Mertesacker ziemlich schlecht aussehen ließ. Der Ivorer hatte allerdings Glück, dass er nach einem absichtlichen Handspiel nicht Gelb-Rote sah.

Mertesacker machte den Fauxpas wieder wett, indem er mit einem kräftigen Kopfstoß in der 50. Minute den verdienten Ausgleich erzielte. „Wenn ich so weit nach vorne laufe, will ich auch einen Ertrag haben“, sagte Mertesacker. Der bei Hannover 96 ausgebildete 1,96-Meter-Hüne glaubt zumindest, dass seine Bremer Kollegen die Zeichen der Zeit erkannt haben. „Der Abstiegskampf ist bei allen angekommen. Wenn unser schöner Offensivfußball nicht mehr funktioniert, müssen wir eben mehr laufen und kämpfen.“ Notfalls auch noch nach Schlusspfiff.

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