Bremen - Kaiserslautern 1:2 : Alle Mängel sind schon da

Werder Bremen verliert verdient 1:2 gegen Kaiserslautern und schließt die schlechteste Hinrunde unter Trainer Thomas Schaaf mit nur 19 Punkten ab.

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Sieht ein bisschen so aus wie Rom 1990, ist aber Bremen 2010: Werder-Trainer Schaaf, allein mit seinen Gedanken.
Sieht ein bisschen so aus wie Rom 1990, ist aber Bremen 2010: Werder-Trainer Schaaf, allein mit seinen Gedanken.Foto: dpa

Es mag ja ein schönes Ritual sein, dass die Profis des SV Werder im letzten Heimspiel eines Jahres nicht nur ein Tannenbaum-Logo auf dem Trikot tragen, sondern sich nach getaner Arbeit traditionell als Weihnachtsmänner verkleiden und kleine Präsente an die Fans verteilen. Selten allerdings wirkte diese Prozedur so unpassend und surreal wie nach der gestrigen 1:2 (1:1)-Heimniederlage gegen Kaiserslautern, als enttäuschte und ernüchterte Bremer Spieler im fast gänzlich geleerten Weserstadion grün-weiße Weihnachtsmützen an die letzten Getreuen verteilten. Zuvor hatten die meisten Zuschauer den nächsten Nackenschlag fast genauso apathisch wie die Spieler hingenommen, die sich merkwürdig teilnahmslos in die achte Saisonniederlage fügten.

„Wir hatten anders trainiert, konnten die Dinge aber wieder nicht umsetzen“, knurrte Trainer Thomas Schaaf. Der 49-Jährige, im zwölften Amtsjahr so ratlos wie nie zuvor, rügte die Passivität seiner Spieler, die sich bereits nach 23 Sekunden überrumpeln ließen. Da durfte der Kroate Srdjan Lakic den Ball nach Flanke von Christian Tiffert ziemlich unbehelligt zum 0:1 ins Bremer Tor köpfen. „Jeder bei uns sollte sich mal besinnen, ob er seinen Ansprüchen gerecht wird“, sagte Schaaf, dessen Mannschaft zwar durch einen Foulelfmeter von Aaron Hunt vor der Pause ausgleichen konnte, dann jedoch kurz nach Wiederanpfiff durch den elften Saisontreffer von Lakic geschlagen wurde. Wie töricht zuvor Anführer Torsten Frings den Ball abgegeben hatte, passte genauso ins klägliche Bild wie die später vergebenen Chancen des eingewechselten Sandro Wagner, der abermals den Beweis der Bundesliga-Tauglichkeit schuldig blieb. Und dass der 23-Jährige noch den zweiten Gelb-Rot-Platzverweis der Begegnung einhandelte – zuvor hatte es Alexander Bugera wegen wiederholten Foulspiels erwischt – war beinahe schon ein Affront gegenüber seinem Arbeitgeber.

Es tun sich mittlerweile so viele Probleme bei Werder auf, dass Vorstandschef Klaus Allofs auf viele der Fragen nur mit einem Schulterzucken reagierte. Dass Bremen im Abstiegskampf steckt, stritt er allerdings nicht ab: „Von der Platzierung sind wir an diesen Rängen am nächsten dran, ich habe keine Berührungsängste mit diesem Thema.“ Viele Spieler seien mit nebensächlichen Dingen beschäftigt: Exemplarisch rüffelte Allofs Frings für die merkwürdige Debatte unter der Woche, ob er überhaupt seine Karriere fortsetzen solle.

In der Tat wirkt Werder phasenweise fast wie eine Ansammlung lustloser Möchtegern-Profis, die bei den Minusgraden gestern nicht ein Bundesligaspiel, sondern irgendeinen sinnfreien Winterkick zu bestreiten hatte. Allofs mag die Charakterfrage zwar nicht hören, aber der 54-Jährige räumte ein: „Wir haben viele Spieler, die ihren Beruf noch nicht zu Ende gelernt haben und in der Ausbildungsphase sind.“ Auch Grundsätzliches vermisste Allofs: „Mir fehlt die Besessenheit, Spiele zu gewinnen.“

In der Tat bot der tatendurstige Aufsteiger ein Beispiel dafür, was mit Teamgeist und Willensstärke zu bewegen ist. „Diese Mannschaft glaubt an sich“, sagte Trainer Marco Kurz, sein Kapitän Martin Amedick fügte hinzu: „Wir sind richtig gut zusammengewachsen.“ Auch dafür gab es nach Abpfiff ein Bild, als sich alle Pfälzer in einem Kreis versammelten und Kurz lobende Worte an das Kollektiv richtete. Zu diesem Zeitpunkt begaben sich gerade die Werder-Weihnachtsmänner zu einer höchst überflüssigen Bescherung.

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