Sport : Bremen kontert

Der SV Werder stellt durch den 2:0-Sieg bei 1860 München den alten Abstand auf die Bayern wieder her

Daniel Pontzen

München. Sonderlich beunruhigt wirkte niemand, nicht während des Spiels und erst recht nicht danach. Bremens Torwart Andreas Reinke lehnte an einem Absperrgitter und erzählte von der Szene aus der 78. Minute. „Nix Besonderes. Mal halte ich ’nen Ball, mal helfen wir uns gegenseitig aus“, sagte Reinke, und er erzählte das in einem solch beiläufigen Tonfall, als wäre er gerade damit beschäftigt, Geranien umzutopfen: Mal nehme ich Dünger, mal ein bisschen mehr Erde.

Die Szene, die Reinke überhaupt nicht aus der Ruhe zu bringen vermochte, war die einzige, in der der Sieg des SV Werder Bremen beim TSV 1860 München kurz zuvor in Gefahr geraten war: Ein Freistoß von Andreas Görlitz war in hohem Bogen ans Lattenkreuz des Bremer Tores geklatscht, danach hatte Valerien Ismael auf der Linie im Rückwärtsfallen einen Kopfball von Markus Schroth abgewehrt.

Wie man beim SV Werder in diesen Wochen solche Störfälle im eigenen Strafraum verarbeitet, demonstrierten sie eine Minute später auf der Gegenseite. Als die Sechziger noch ihrer vergeben Chance nachtrauerten, flankte Paul Stalteri in die Mitte, dort stand Angelos Charisteas, und der nickte den Ball in aller Ruhe ins Tor. Es war das 2:0 für die Bremer, dabei blieb es. Werder hat sich auch durch den Sieg der Bayern am Samstag in Leverkusen nicht unter Druck setzen lassen. Nach dem Sonntagsspiel sind es jetzt wieder sieben Punkte Vorsprung, die der Tabellenführer auf seinen ärgsten Verfolger aus München hat.

Genauso unaufgeregt wie sich die Bremer nach dem Spiel gaben, hatten sie in den vorangegangenen 90 Minuten Fußball gespielt. Nach druckvollem Beginn beschränkten sie sich auf das Notwendige, was mühelos ausreichte, zumal die Münchner freundliche Unterstützung gewährten: Nach 22 Minuten erwarb sich der Münchner Roman Tyce nach einer Tätlichkeit gegen Frank Baumann direkt vor den Augen von Schiedsrichter Jürgen Jansen die Rote Karte. „Wir schlagen uns in dieser Situation selbst“, grollte Sechzigs Trainer Falko Götz später, und sah „durch den Platzverweis unser Konzept über den Haufen geworfen“. Die Bremer spielten anschließend geduldig ihre Überlegenheit aus, und erzielten acht Minuten vor der Pause die beinahe zwangsläufige Führung. Ivan Klasnic lenkte eine Flanke des sonst unauffälligen Ailtons mit dem Unterschenkel ins Münchner Tor.

Der Spielstand führte dazu, dass sich die 25 000 Zuschauer nach der Pause mit mäßig amüsanter Abendunterhaltung zufrieden geben mussten. Während 1860 sich verzweifelt mühte, so etwas wie ein Aufbäumen zu inszenieren, beaufsichtigten die Bremer kühl ihre Führung. Kaum Torchancen sprangen dabei heraus, bis zu Görlitz’ Freistoß an die Latte und dem folgenden 2:0 durch Charisteas. Bremens Trainer Thomas Schaaf störte das freilich wenig, er hatte kaum etwas anderes erwartet: „Wir wussten, dass das kein so pralles Spiel wird, aber wir sind sehr konzentriert aufgetreten und haben das Geschehen zu jeder Zeit beherrscht“, sagte der Bremer Trainer ohne sichtbare Gemütsregung.

Souveränes Auftreten, ohne übertriebenen Glanz und mit größtmöglichem Ertrag, das Auftreten der Bremer im Münchner Olympiastadion erinnerte stark an die Art und Weise, wie der FC Bayern München an selber Stelle in den vergangenen Jahren seine Meisterschaften erwirtschaftete. Angesprochen auf diese Ähnlichkeit wusste Bremens Sportdirektor Klaus Allofs nicht so recht, wie er dies einordnen sollte. „Ist das als Kompliment gemeint?“, fragte Allofs. „Wenn ja, dann können wir damit leben.“

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