Bremen - Leverkusen 2:2 : Zwei Punkte verloren

Leverkusen gibt einen möglichen Sieg in Bremen in der Nachspielzeit noch aus der Hand. Manuel Friedrich spricht hinterher von einer gefühlten Niederlage, doch Trainer Jupp Heynckes sieht sein Team im Meisterkampf sogar gestärkt.

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Werder Bremen - Bayer 04 Leverkusen Foto: dpa
Hoch, höher, Mertesacker. Bremens Nationalspieler überspringt Gegenspieler Manuel Friedrich und trifft in der Nachspielzeit zum...Foto: dpa

Es herrschte offenbar immenser Redebedarf. Noch im Kabinengang des Weserstadions blieben Per Mertesacker, René Adler und Manuel Friedrich stehen, um minutenlang miteinander zu diskutieren. Die leidenschaftliche Debatte hatte an diesem Abend durchaus seine Berechtigung, schließlich lieferte das 2:2 (1:1) zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen viel Gesprächsstoff – und die Kollegen aus der Nationalmannschaft waren bei den Schlüsselszenen mittendrin. Werders Abwehrchef Per Mertesacker etwa war derjenige, der mit einem finalen Kopfball beim Bremer Anrennen in der zweiten Minute Nachspielzeit das 2:2 erzielte. „Deshalb ist das eine gefühlte Niederlage“, sagte Manuel Friedrich verärgert.

Friedrich mochte sich nicht wirklich freuen, dass seine Leverkusener die Tabellenführung abermals aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Bayern verteidigt hatte: „Lieber verliere ich einmal und spiele nicht so oft remis.“ Diese Meinung hatte der 30-Jährige allerdings für sich exklusiv. Allen voran der Leverkusener Trainer Jupp Heynckes reklamierte an der Weser einen wichtigen Punktgewinn – zumal er persönlich mit 23 ungeschlagenen Spielen seinen Startrekord aus der Saison 1988/89, damals noch in Anstellung des FC Bayern, eingestellt hatte. „Meine Spieler sind sehr enttäuscht. Aber wir haben über weite Strecken gut gespielt, und wir stehen zu Recht da oben“, sagte Heynckes.

Der gewiefte Taktiker und eloquente Redner ließ es sich auch nicht nehmen, eine feine Spitze in Richtung München zu artikulieren, auch wenn er nicht über das Thema Meisterschaft schwadronieren mochte: „Uns holt man nicht so leicht von der Tabellenspitze. Wir sind im Angriff immer gefährlich und in der Abwehr viel besser organisiert.“ Und dann insistierte der 64-Jährige noch, dass er sein frühreifes Team mit einem Durchschnittsalter von 22,9 Jahren endlich in eine titelträchtige Verfassung gebracht habe. „Wir haben ein so extremes Anspruchsniveau entwickelt, dass wir mit einem Unentschieden in Bremen unzufrieden sind. Das gab es früher in Leverkusen nicht, und das macht mir großen Spaß.“

Heynckes: „Uns holt man nicht so leicht von der Tabellenspitze."

Beinahe wäre sein Torhüter René Adler in diesem umkämpften, spannenden und kritisch von Bundestrainer Joachim Löw verfolgten Spitzenspiel zum Spaßverderber geworden. War beim Freistoßtor von Eren Derdiyok zum 1:0 für Bayer noch trefflich darüber zu diskutieren, ob die Bremer Mauer oder Torwart Tim Wiese falsch postiert war, so gab es am Schuldigen des 1:1 durch Claudio Pizarro keine Zweifel. Naldo hatte den ruhenden Ball in gewohnter brachialer Art aufs Tor gejagt, René Adler bugsierte sich dabei die Kugel selbst durch die Beine, so dass der peruanische Torjäger abstaubte. Ein großer Fehler des 25-jährigen Nationaltorwartes.

Die höhnischen Rufe der Werder-Fans („Adler-ist-nervös“) blieben dem gebürtigen Leipziger danach nicht erspart. Die Erklärungsversuche Heynckes’ waren eher lächerlicher Natur, der die schwierigen Bodenverhältnisse („total hart, oben leicht rutschig“) als alleinige Erklärungsursache bemühte und seinem Torwart eine „herausragende Leistung“ bescheinigte. Adler redete lieber Klartext: „Ich wollte den Ball aufnehmen, dann verspringt er komisch, aber das nehme ich auf meine Kappe.“

Sein noch in der Halbzeit an die Vorderleute gerichtete Appell, seinen persönlichen Fauxpas bitte wettzumachen, kam einmal mehr Toni Kroos nach. Der 20-Jährige erzielte mit einem perfekten Fernschuss das 2:1 für die Bayer-Elf, die anschließend den Fehler beging, sich zu weit zurückdrängen zu lassen. Friedrich, der ehemalige Werder-Akteur, sah das Unheil kommen: „Wenn Bremen all seine Hightowers nach vorne schickt, wird es ganz gefährlich.“ Und so wurde aus Leverkusen-Sicht durch Mertesacker, 1,98 Meter groß, ganz zum Schluss sogar noch verhängnisvoll.

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