Bremen - München : Mit Leichtigkeit

Die Stars des FC Bayern glänzen in Bremen und führen den Rivalen beim 4:0 teilweise vor. Ohne die verletzten Leistungsträger hat Werder nicht den Hauch einer Chance.

Werder
Locker verwandelt. Bayerns Franck Ribéry lupft lässig den Elfmeter über Werders Torwart Tim Wiese. -Foto: dpa

Gestern um kurz nach 17 Uhr hatte der Bremer Fußballfan genug gesehen. Gerade hatte der überragende Franck Ribéry einen einzigartigen Trick vollführt, den Ball auf Luca Toni gespielt, der Hamit Altintop in Szene setzte: Mühelos bugsierte der Deutsch-Türke den Ball ins Tor, das 3:0 war zehn Minuten vor dem Abpfiff perfekt. Dieser Moment war das Signal zur Massenflucht: Enttäuscht und ernüchtert machten sich Hunderte von Dauerkarteninhabern vorzeitig auf den Heimweg. Die plötzlich Entleerung des Weserstadions war dem Umstand geschuldet, dass Werder eine selten gesehene Demontage erlebte. Das brisante Bundesliga-Spitzenspiel entschied der FC Bayern am Ende mit 4:0 (1:0) so eindeutig zu seinen Gunsten in einer Art und Weise, die sich nicht einmal die Münchner erträumt hatten. „Wenn mir einer gesagt hätte, dass wir hier so locker gewinnen, hätte ich es nicht geglaubt“, sagte Bastian Schweinsteiger. Vor allem in der zweiten Halbzeit führte das runderneuerte bayerische Ensemble den Rivalen aus dem Norden vor, es trat bisweilen ein Klassenunterschied auf, der den Rest der Liga erschrecken dürfte.

„Wenn die Bayern so weitermachen“, sagte Werder-Torwart Tim Wiese, „dann sind sie nicht zu stoppen.“ Mit spielerischer Leichtigkeit, verblüffender Gelassenheit und gekonnter Routine spulte der Titelanwärter sein erstaunliches Programm ab. Und selbst der ewiger Mahner Oliver Kahn wertete den Sieg als logisches Produkt der blendenden Verfassung seiner Vorderleute. Der kaum beschäftigte Kapitän sagte: „Wir sind topfit, bei uns stimmt alles, dann kommt so ein Ergebnis zustande.“

Logisch, dass auch Trainer Ottmar Hitzfeld nichts zu mäkeln hatte. „Ich bin sehr zufrieden, wie sich die Mannschaft präsentiert hat.“ Und ein Sonderlob von Hitzfeld erhielt wieder einmal Ribéry. „Er ist für uns ein Glücksfall. Technisch perfekt, laufstark, es passt menschlich. Und auf dem Platz zerreißt er sich.“ Der Franzose mit den froschgrünen Schuhen war von der gedanklich viel zu langsamen Werder-Abwehr nie zu fassen. „Die Pfiffe gegen Miroslav Klose haben uns nur motiviert“, sagte Ribéry, der betonte, wie viel Spaß ihm das Bayern-Spiel mache. „Ich kann hier sein wie ich bin, meine Späße machen und guten Fußball spielen.“

Ribéry, den sein Teamkollege Mark van Bommel auf gutem Wege zum besten Spieler der Welt wähnt, verwandelte auch frech den Elfmeter, den Mittelstürmer Toni clever gegen Petri Pasanen nach einer halben Stunde herausgeholt hatte. Der Führungstreffer in einer bis dahin ausgeglichenen Auseinandersetzung war der Anfang vom Ende für überforderte Bremer. „Wir haben anfänglich wesentlich besser gespielt als in den vergangenen Wochen“, sagte Trainer Thomas Schaaf, „aber dann haben wir den Bayern zu viel Platz und Raum gelassen und sie zum Toreschießen eingeladen.“

Wohl wahr: Sowohl beim 0:2, dass Toni nach einem mustergültigen Konter und Altintop-Vorarbeit erzielte, als auch beim 0:3 durch Altintop ließen sich der Gastgeber nach eigenen Ecken düpieren. Blamable Züge nahm die Niederlage an, als Andreas Ottl mit einem Volltreffer in den Winkel gar noch das vierte Münchner Tor glückte.

„Was sich in der zweiten Halbzeit ereignet hat, darf eigentlich nicht passieren. Wir werden aber nicht in Panik verfallen und wild um uns schlagen“, sagte Werders Sportdirektor Klaus Allofs. Damit schloss er weitere Nachkäufe trotz der personellen Notlage aus.

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