Sport : Bremen schlägt Bayern im Ligapokal 2:0

Frank Hellmann

Leipzig - Erste Zeichen einer Wachablösung? Oder wenig ernstzunehmende Hinweise aus der Saisonvorbereitung? Auf jeden Fall hat das Ligapokal-Endspiel gestern ein wenig Hoffnung geweckt, dass es in der nächsten Bundesliga-Saison spannender zugehen könnte: Werder Bremen besiegte nämlich den Rekordmeister, Double-Gewinner und Rekord-Ligapokalsieger Bayern München mit 2:0 (1:0) – nicht einmal unverdient, weil die Norddeutschen vor 41300 Zuschauern in Leipzig entschlossener, spielfreudiger und auch willensstärker auftraten.

Matchwinner des saisonalen Vorspiels war dabei Ivan Klasnic. Das erste Mal traf der Kroate nach Vorarbeit seines nie zu bremsenden Sturmkollegen Miroslav Klose, indem er unhaltbar einen Rechtsschuss in die Maschen setzte (29.). Eine Szene, in der sich Bayerns Hintermannschaft nicht mit Ruhm bekleckerte: Daniel van Buyten kam zu spät, der Franzose Willy Sagnol war ausgerutscht. Beim zweiten Treffer gab Bayern-Torwart Oliver Kahn keine gute Figur ab: Regungslos sah der 37-Jährige zu, wie Klasnic einen Freistoß aus fast 25 Metern just in die Ecke setzte, die gemeinhin der Torwart abzudecken hat (66.). Kahn mahnte nach Spielschluss an, „nicht die Prioritäten zu vergessen: Die Meisterschaft ist immer noch wichtiger“.

Und doch tat diese Niederlage den Bayern weh: Mit mürrischer Miene hockte sich hernach Uli Hoeneß in den Bus. Die Ausflüchte der Münchner sind dieser Tage immer dieselben. „Nach nur fünf Tagen gemeinsamen Trainings kann noch keine Mannschaft fit sein – alles andere wäre ein Wunder“, insistierte der Manager und versprach: „Ende August wird das anders aussehen.“ Trainer Felix Magath wies erneut auf die unterschiedlichen Fitnesszustände in seinem Kader hin, er wollte sogar eine „gute Spielanlage“ der Seinen gesehen haben – diese Ansicht hatte Magath exklusiv.

Nein, diese Bayern in der gestrigen Verfassung machen noch keine Angst. Bremens Sportchef Klaus Allofs ahnt: „Die Bayern sind keine Welten mehr entfernt.“ Der Bremer Sieg war auch deshalb verdient, weil der verbesserte Spielmacher Diego sowie die bereits (oder noch) in WM-Form befindlichen Nationalspieler Torsten Frings und Klose mehr Akzente setzten als alle Münchner zusammen. Vor allem Lukas Podolski wirkte im statischen bayrischen Offensivspiel wie ein Fremdkörper, hatte indes Pech, dass sein Treffer wegen angeblicher Abseitsstellung vom Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe nicht anerkannt wurde (23.).

Werder Bremen strich neben dem Ligapokal, eine sechseckige Trophäe „in zeitlosem Design“ (DFL-Beschreibung), als Sieger noch zwei Millionen der insgsamt 5,2 Millionen Euro Preisgeld ein. Geld, das wohl schon bald nach Hannover umgeleitet wird. Der Transfer der nächsten Werder-Verstärkung rückt näher: Per Mertesacker soll im Tauschgeschäft mit Frank Fahrenhorst kommen, „dann gewinnen wir noch einen hervorragenden Mann dazu“, sagt Trainer Thomas Schaaf.

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