Sport : Bremen siegt, Klose übt Kritik

Frank Hellmann

Bremen - Irgendwann standen auch Roland Martinéz-Vázquez Schweißtropfen auf der Stirn. Selten war der Dolmetscher im Dienst von Werder Bremen so beschäftigt wie am Samstag. Der 22-jährige Portugiese Almeida und der 21-jährige Brasilianer Diego, der beim mühsamen 2:1 gegen Bayer Leverkusen hervorragend gespielt hatte, redeten abwechselnd zu ihrem Helfer, sie waren die gefragten Hauptdarsteller dieses Samstagnachmittags.

Die Spieler wiederholten in verschiedensten Versionen, wie glücklich sie seien – was bei so einem Einstand (Almeida traf nach seiner Einwechslung; Diego zeigte Hackentricks und Fallrückzieher) nicht verwunderte. „Das war ein kleiner Schritt in Richtung Meisterschaft“, verkündete Diego auch noch. Spätestens in diesem Moment dürften diverse Zuhörer gestutzt haben. Denn so gut der Start in Bremen für die zwei Neuen gelungen ist, so wenig titelverdächtig war die Leistung der Bremer im zweiten Saisonspiel.

Den Leverkusener Simon Rolfes hatte das Ergebnis arg aufgewühlt: „Wir dominieren das Spiel und sind zu dumm, um zu gewinnen.“ Torschüsse, Ecken, Flanken, Ballbesitz oder gewonnene Zweikämpfe – in jeder Kategorie hatte der Gast die besseren statistischen Werte.

„Wir spielen nicht den Fußball, den wir uns vorstellen“, sagte Bremens Torjäger Miroslav Klose. „Wir bewegen uns zu wenig und haben nicht zu unserem Spiel gefunden.“ Der Nationalspieler hatte zwar mit dem Kopf den 1:1-Ausgleich erzielt, aber er sagte: „Auch ich bin noch lange nicht da, wo ich hin möchte.“ Doch auch die WM-Teilnehmer Ivan Klasnic, Tim Borowski und Torsten Frings waren zeitweise so wenig präsent, dass sie Mitschuld an den Panikattacken hatten, unter denen die neu formierte Abwehr mit Petri Pasanen und Leon Andreasen litt.

„Wir dürfen von unseren WM-Fahrern keine Topleistungen erwarten, die Müdigkeit betrifft die Beine und die Köpfe“, sagte Sportchef Klaus Allofs. Am liebsten würde Trainer Thomas Schaaf den Betroffenen ein spezielles Trainingsprogramm bieten, „weil ihnen der ganze Aufbau fehlt“. Doch dafür ist keine Zeit. Und weitere Länderspiele sind eher kontraproduktiv. Klaus Allofs will aber nicht klagen: „Es ist ja unser Wunsch, möglichst viele Nationalspieler zu stellen.“ Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Leistungen Werder geboten hätte, wenn Almeida und Diego auch bei der WM gespielt hätten.

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