Sport : Bremen vergisst Micoud

Der neue Regisseur Diego überzeugt gleich in seinem ersten Spiel

Steffen Hudemann[Hannover]

Gut, dass Torsten Frings nicht Lehrer geworden ist. Sonst müsste der Klassenbeste wohl stets mit einer Drei minus zufrieden sein. Frings ist Bundesligaprofi geworden, jedoch einer von der ehrgeizigen Sorte. Ja, Diego habe ein gutes Spiel gemacht, sagte er nach dem 4:2 von Werder Bremen bei Hannover 96. „Aber er muss noch mehr in der Defensive mitarbeiten.“ Das klang arg nach Drei minus, dabei hatte der 21 Jahre alte Brasilianer in seinem ersten Bundesliga-Spiel ein Tor geschossen, zwei vorbereitet und war ohne Zweifel der Spieler des Tages.

Doch die Ansprüche sind hoch in Bremen. Diego soll die Rolle von Johan Micoud einnehmen, dem nach Bordeaux zurückgekehrten Franzosen, von dem viele sagen, dass er der beste Spieler ist, den Werder je hatte, und von dem Trainer Thomas Schaaf sagt, dass er nicht zu ersetzen sei. Für Diego ist das keine neue Situation. 2004 kam er aus Brasilien zum FC Porto als Ersatz für keinen Geringeren als Deco. Eine Aufgabe, die für den damals 19-Jährigen nicht zu erfüllen war.

Jetzt versucht er in Bremen einen neuen Anlauf, und vielleicht ist es ein Vorteil, dass seine Spielweise überhaupt nicht an Micoud erinnert, sondern eher an Deco. Schon wegen der 1,73 Meter Körpergröße sieht bei Diego eifrig aus, was bei Micoud lässig, manchmal arrogant wirkte. Doch elegant mit dem Ball umgehen können beide. In Hannover wurde das deutlich, als die Kräfte des Gegners nachließen und Diego Platz zum Konterspiel fand. Wie er das 3:2 durch Miroslav Klose vorbereitete, erfreute nicht nur Klaus Allofs. „Jetzt merkt auch der Letzte, was er für einer ist“, sagte Werders Sportdirektor. „Aber er kann sicher noch mehr.“

Was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, hat Diego den eher scheuen Micoud schon jetzt übertroffen. Mit Hilfe des Dolmetschers sprach er nach dem Spiel geduldig in jedes Mikrofon. Er weiß, was die Leute hören wollen: Das Tor gebe ihm großes Selbstvertrauen, die Leistung sei aber ein Verdienst der ganzen Mannschaft, überhaupt sei er begeistert von der Bundesliga, den Stadien und den Fans. Jetzt muss er nur noch daran denken, nach hinten zu arbeiten. Dann wird auch Torsten Frings zufrieden sein.

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