Sport : Bremen vertraut dem Abtrünnigen Tim Borowski wird für Werder wieder wertvoll

Claus Vetter

Berlin - Torsten Frings’ langer Pass segelte mehr als 40 Meter weit über das Spielfeld im Berliner Olympiastadion – und landete butterweich auf Tim Borowskis Spann. Einen beherzten Schuss später lag der Ball im Tor von Hertha BSC. 73 Spielminuten hatte Borowski auf seinen großen Moment warten müssen. Genauer gesagt: 73 Minuten und 433 Tage. So lange nämlich hatte der 28 Jahre alte Nationalspieler für Werder Bremen kein Tor erzielt und somit auch kein Spiel entscheiden können, wie am Sonnabend mit dem 2:1-Siegtreffer.

Nach zuletzt vier sieglosen Partien war Borowskis Tor für Werder eine Befreiung, für ihn selbst bedeutete der Treffer wohl noch mehr nach einer bisher unglücklichen Saison: Da waren die Knieverletzungen, die ihn immer wieder zurückwarfen. Und da war die Kritik an seiner Arbeitseinstellung, als bekannt wurde, dass er nach der Saison zu Bayern München wechselt. Von Bremen nach München – diesen Weg mögen sie nicht an der Weser. Auch wenn er keine Einbahnstraße ist. Andreas Herzog kehrte einst frustriert aus München zu Werder zurück. Und der bei Bayern ein Jahr lang unglückliche Frings war der letzte Spieler, der von Bremen über München nach Bremen wechselte.

Borowski selbst kann das Thema Bayern nicht mehr hören, das sagte er am Sonnabend. Natürlich setze er sich 100 Prozent für Werder ein. „Ich habe zwölf Jahre in Bremen gespielt. Ich brauche mit Sicherheit keinem etwas zu beweisen.“ Auch Sportdirektor Klaus Allofs nahm seinen Spieler in Schutz. „Der Tim läuft doch bei uns jetzt nicht im Bayern-Trikot über das Trainingsgelände oder erzählt mir aufgeregt etwas von Jürgen Klinsmann.“ An der optimalen Einstellung des Mittelfeldspielers zweifele er nicht. „Er will sich ja auch noch für die EM empfehlen, also wird er sich auch bei uns anstrengen.“

In Berlin wurde Borowski von Hans Flick, dem Kotrainer von Bundestrainer Joachim Löw, beobachtet. „Ich wusste gar nicht, dass er hier war und besonders interessiert es mich auch nicht.“ Zunächst einmal habe er nur Werder im Kopf. „Wir wollen ja immer noch in die Champions League“, sagte Borowski. Einen starken Borowski wie am Sonnabend können die Bremer auch brauchen. Bei Hertha überzeugte Werder nämlich keinesfalls durchweg. Immerhin stellte Trainer Thomas Schaaf fest, dass sich seine Spieler langsam wieder an ihre Form „herankämpfen“ – Tim Borowski ist in diesem Zusammenhang wohl das beste Beispiel.

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