Sport : Bremen war ganz nah dran

Werder führt lange gegen den FC Barcelona, doch kurz vor Schluss fällt das 1:1

Frank Hellmann[Bremen]

Der erhoffte Befreiungsschlag – Werder Bremen war gestern Abend sehr nah dran. Mit einer leidenschaftlichen Leistung kam der deutsche Vizemeister in der Champions League gegen den FC Barcelona im ausverkauften Weserstadion zwar zu einem 1:1 (0:0)-Unentschieden, das sich am Ende aber wie eine Niederlage anfühlte. Denn erst in der 89. Minute glückte Lionel Messi für den Favoriten der Ausgleich. Das 1:0 hatte ebenfalls der Gast erzielt: Nach Flanke von Aaron Hunt lenkte Barcas Abwehrspieler Carlos Puyol den Ball ins eigene Tor (56.).

Werder fühlte sich nach dem Schlusspfiff um den Lohn einer großen Leistung gebracht, weil die Norddeutschen neben kämpferischen Qualitäten auch endlich ihr spielerisches Potenzial offenbarten. So sammelten die Bremer mit ihrer besten Saisondarbietung Selbstvertrauen und Sympathien. Gleich von Beginn an war Werder dem Titelverteidiger zumindest ebenbürtig, besaß gar durch Hunt (4.), Torsten Frings (9.) und Miroslav Klose (13.) die ersten Chancen. In der bisweilen rasanten Auseinandersetzung ließen die Katalanen erst allmählich ihre Spielkunst aufblitzen, die prompt in erstklassigen Gelegenheiten von Ronaldinho (15.) und Samuel Eto’o (18.) mündete. Doch Bremen war nicht so chancenlos wie in den Gruppenspielen vor einem Jahr, als Barca 2:0 und 3:1 triumphierte.

Was einem Gegner bevorsteht, der gegen den spanischen Champion antritt, darauf ließ bereits das Aufwärmprogramm schließen. Wenn etwa Ronaldinho und Deco sich über 30, 40 Meter die Bälle zuspielen, ermöglicht das faszinierende Eindrücke in das Können der wohl weltbesten Vereinsmannschaft. Deco nimmt den Ball an, in dem ihn der Portugiese direkt zwischen seine Knie presst, der Brasilianer Ronaldinho spielt mit Hacke oder Brust so hart und präzise, wie andere nicht mit dem Fuß.

Dieser vollkommenen Spielkunst des Gegners begegnete Trainer Thomas Schaaf mit einer veränderten Formation, in der erstaunlicherweise neun deutsche Spieler standen: Für den formschwachen Petri Pasanen verteidigte Per Mertesacker – es war das erste Pflichtspiel des 21-jährigen Nationalspielers im Werder-Dress nach gerade überstandener Fersenverletzung. Mertesacker hatte bisher überhaupt nur einmal mit den Teamkollegen verteidigt – 58 Minuten im Test gegen Osterholz-Scharmbeck. Der Bannstrahl traf ferner den Kameruner Pierre Wome und Stürmer Ivan Klasnic – beide hatten in jüngster Vergangenheit nicht nur schwach, sondern auch überheblich agiert. Stattdessen rückten Christian Schulz und Aaron Hunt in die erste Elf.

Maßnahmen, die gegen das katalanische Star-Ensemble in jeder Hinsicht fruchteten: Mertesacker erledigte seinen Job genauso zuverlässig wie Schulz, der leichtfüßige Hunt war einer der auffälligsten Bremer. Ohnehin steigerte sich das Gros der zuletzt viel kritisierten Bremer Protagonisten – Naldo oder Frank Baumann waren die überragenden defensiven Stabilisatoren, die sogar den Wirkungskreis von Ronaldinho und Deco begrenzten. Und selbst als die Spanier Argentiniens Jungstar Lionel Messi einwechselten und den Druck verstärkten, hatten die permanent im Vorwärtsstil agierenden Bremer noch durch Tim Borowski (65.) und Klose (70.) die Chance zum 2:0.

Nun heißt der Gegner zweimal Lewski Sofia. Die Bulgaren sind mutmaßlich schwächster Gegner in der Gruppe A. So blickt Werder-Boss Jürgen L. Born auch bereits nach vorne: „Sofia macht mir mehr Kummer als Chelsea oder Barcelona: Wenn wir gegen die verlieren, sind wir die Deppen der Nation.“ Aber so weit sollte es ja nach der gestrigen Vorstellung nicht kommen.

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