Bremen : Werder hat den Kopf verloren

Nach der Heimniederlage gegen Wolfsburg macht sich Werder Bremen langsam Sorgen um die Zukunft. Die Verantwortlichen vertrauen nun auf eine ruhige Woche ohne Pflichttermin.

Frank Heike
Sanogo
Geknickte Bremer. Sanogo und Özil nach dem 0:1 gegen Wolfsburg -Foto: ddp

BremenNach dieser frustrierenden Woche tat ein bisschen Zuspruch ganz gut, mochte er auch vom Gegner kommen. Als Klaus Allofs gerade Platz genommen hatte, um zu bilanzieren, was da so alles schief gelaufen war bei Werder Bremen zwischen dem vorvergangenen Samstag und diesem Sonntag, stand Felix Magath noch im Türrahmen. „Klaus“, sagte Magath, „wir helfen am Samstag!“ Es klang sehr überzeugt, was der Trainer des VfL Wolfsburg da versprach, und Allofs antwortete: „Davon gehe ich aus.“ Als könne Werder Bremen sich nicht mehr selbst helfen.

Aber ganz so ist es natürlich nicht, bei den auf Platz vier gefallenen Norddeutschen. Nur wäre ein Sieg der Wolfsburger am Samstag gegen den Hamburger SV mehr als willkommen für Werder, denn die Hamburger machen den Bremern ja derzeit den anvisierten zweiten Platz abspenstig. Schützenhilfe erwünscht: Das ist ein ungewohntes Gefühl für Werder, und sonst galt das ja auch nur für die Gegner des Dauerrivalen Bayern München. Die Münchner aber sind trotz ihrer Niederlage in unerreichbarer Ferne geblieben, weil Werder eine wirklich schlechte Rückrunde spielt: Das ernüchternde 0:1 gegen Wolfsburg im Bremer Dauerregen war schon die vierte Niederlage der Rückrunde; gar die sechste im Jahr 2008, zählt man das Aus im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund hinzu und die Hinspielniederlage im Uefa-Pokal gegen die Glasgow Rangers. Von der Meisterschaft spricht in Bremen endgültig keiner mehr. Allofs sagte: „Wir wollen versuchen, den zweiten Rang wieder einzunehmen. Das sollte unser erster Gedanke sein.“

Zwei Gründe gab es für die verdiente Niederlage gegen ausgeschlafene Wolfsburger: absente Stammkräfte und Müdigkeit. Am Sonntag fehlten den Bremern die gesperrten oder verletzten Mertesacker, Diego, Frings, Borowski und später auch Jensen. „Wir sind kräftemäßig am Ende“, sagte Allofs, „wir stoßen an Grenzen, was das Ersetzen von Stammkräften angeht. Wir sind nicht so gedanken- und handlungsschnell.“

Sehr clever ließ Wolfsburg die Bremer anrennen und vertraute selbst auf Konter. Als ein paar brenzlige Situationen überstanden waren, traute sich der VfL mehr zu und kam nach einem wunderbaren Gegenangriff zum Tor des Tages: Grafite schoss mit seinem neunten Saisontreffer das 1:0. Werder war da wieder einmal mit Mann und Maus aufgerückt und spielte ohne Absicherung. Wie schon vor einer Woche beim 3:6 in Stuttgart ließ man sich überrumpeln. „Es gibt keinen Grund, in dieser Situation nach vorne zu laufen“, sagte Allofs. Erfrischend offensiv, das war dieses Mal kein Prädikat, sondern ein Makel. Denn es war kopflos, wie Werder spielte – auch nach dem Gegentor. Wie es in Bremen so ist, hielten sich die Vorwürfe in Grenzen. Man glaubt, die Gründe für den Absturz zu kennen. „Wir müssen uns darüber ärgern, dass wir nicht mal in Führung gehen“, sagte Schaaf, „so müssen wir immer wieder anrennen. Wir sind enttäuscht und verärgert.“

Die Verantwortlichen vertrauen auf eine ruhige Woche ohne Pflichttermin – „Kraft tanken“ ist das Motto. Der vermisste Diego wird nach seiner Sperre zurückkehren am Sonntag in Bielefeld. Doch in einer verunsicherten Bremer Mannschaft wird nicht er allein alles ändern können: Seit diesem Sonntag ist man bei Werder ernsthaft besorgt, dass es nichts werden könnte mit der fünften Champions-League-Teilnahme hintereinander.

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