Bremens Champions-League-Gegner : Inter zerfällt in Einzelteile

Der Champions-League-Sieger Inter Mailand steckt in einer Identitätskrise und zeigt kaum überzeugende Leistungen. Am Mittwochabend spielen sie gegen Bremen.

Tom Mustroph
Läuft nicht rund, findet wohl auch Inter-Spieler Wesley Sneijder.
Läuft nicht rund, findet wohl auch Inter-Spieler Wesley Sneijder.Foto: dpa

Verloren stand Wesley Sneijder auf dem Platz. Er hatte sich freigelaufen, doch sein Mitspieler Samuel Eto’o hatte es vorgezogen, den Ball aus deutlich ungünstigerer Position in den Himmel zu jagen. Maicon nahm dies nicht ganz so gleichmütig hin. „Ich sehe zu viel Egoismus in Tornähe“, fauchte der Brasilianer später. Sein Außenverteidigerkollege Cristian Chivu riss sich während des verlorenen gegangenen Spiels gegen den AS Rom wütend den Kopfschutz vom Haupt, den er seit einem überstandenen Schädelbruch tragen muss und schimpfte: „Wenn die nicht laufen, dann gehe ich weg!“ Der Rumäne fordert, dass die Stürmer wieder mehr nach hinten arbeiten sollen.

Es wird ungemütlich bei Inter Mailand. Der Champions-League-Sieger steckt in der Identitätskrise und erkennt sich selbst nicht mehr wieder. Das große Kollektiv der Vorsaison ist in Einzelteile zerfallen.

Zwar stimmen die Ergebnisse noch halbwegs. Drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage bedeuten die geteilte Tabellenführung in der italienischen Serie A. Mit dem Unentschieden bei Twente Enschede wurde in der Champions League zumindest der krasse Fehlstart vermieden. „Das Glas ist halbvoll. Wir brauchen nur etwas Geduld“, sagt Klubbesitzer Massimo Moratti. Er will die Gemüter beschwichtigen.

Doch überzeugende Leistungen bot der Italienische Meister bislang kaum. Der niederländische WM-Held Sneijder hat seine südafrikanische Erschöpfung noch nicht abgestreift und vermag das Spiel nicht wie gewohnt zu lenken. Stürmer Diego Milito scheint mit seiner Ehrung als „Vereinsfußballer des Jahres“ in Europa komplett verwandelt. Ihm verspringen Bälle, er wirkt nervös. Und wenn er wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen wird, schimpft er mit den Schiedsrichtern. Ihm ist das Vertrauen in die eigene Stärke abhanden gekommen. „Er hat nicht verwunden, dass ihn Maradona beim Turnier in Südafrika kaltgestellt hat“, spekulieren italienische Medien. Gegen Werder wird Milito möglicherweise gar nicht zum Einsatz kommen: Ihn plagen Muskelprobleme am rechten Bein.

Dass es bei Inter nicht so läuft wie noch im vergangenen Jahr, liegt nicht nur an den Malaisen einiger Stars. Die machen die Probleme lediglich offensichtlicher. Insgesamt ist der Klub von der Bahn abgeraten. „Der finale Pass kommt nicht mehr an“, schreibt die „Gazzetta dello Sport“. „Es fehlt uns an Intensität“, gibt der neue Trainer Rafael Benitez zu. Und tatsächlich fehlt jene zusätzliche Prise Kraft und jene Extraportion Aufmerksamkeit, die der Motivationskünstler José Mourinho im entscheidenden Moment bei seinen Männern freisetzen konnte. Benitez ist ein Taktikfuchs, Alphamännchen-Gesten sind ihm eher suspekt. Doch die Mannschaft, die an Mourinhos aufpeitschende Art gewöhnt ist, kommt mit sachlichen Anweisungen allein nur schwer in Schwung. Auch in der jetzigen Situation wirkt Benitez eher wie ein unbeteiligter Beobachter, der die Probleme notiert und möglicherweise eine Idee hat, wie sie intelligent zu lösen sind. Doch es gelingt ihm nicht, die Truppe mitzureißen. Der „Corriere dello Sport“ sieht „erste Risse zwischen Trainer und Mannschaft“.

Für Werder Bremen kann dies am Mittwoch (20.45/live bei Sat 1) ein günstiger Moment sein. Vielleicht war Cristian Chivus wilde Aktion im römischen Olympiastadion aber auch der Weckruf für seine Nebenleute. Denn wenn es eng wurde, wuchs Inter regelmäßig über sich hinaus. Und in dieser Woche wird es mit dem heutigen Champions-League-Spiel gegen Werder und dem Prestigeduell gegen Juventus am Sonntag so richtig eng.

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