Sport : Bremens Lücke

Ohne den brasilianischen Spielmacher Diego kommt Werder Bremen nur zu einem 2:2 in Bielefeld

Frank Hellmann[Bielefeld]

Gab es für Werder Bremen gestern eine positive Erkenntnis? Klaus Allofs überlegte nicht lange. „Wir können nur froh sein, dass das Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld vorbei ist. Es gibt keine vernünftige Begründung dafür, dass wir hier so schlecht gespielt haben.“ Mit einer seltsamen Mixtur aus Gleichmut und Fatalismus hakte der Sportchef von Werder Bremen die schwache Leistung ab, die der selbst ernannte Titelaspirant am gestrigen Nachmittag beim 2:2 (0:0) in Ostwestfalen geboten hatte. „Wir kriegen das in Bielefeld anscheinend nicht hin“, konstatierte auch Werders Trainer Thomas Schaaf ernüchtert. Die Vordenker von der Weser wollten als Ausrede nicht zulassen, dass Spielmacher Diego gestern lieber mit der brasilianischen Olympiaauswahl in China gegen Kamerun auftrat, statt für seinen grün-weißen Arbeitgeber auf der Alm aufzulaufen. „Mit ihm haben wir vor ein paar Monaten in Bielefeld auch nicht kreativer gespielt“, stellte Allofs heraus und erinnerte an ein mühsames 1:1 zu Ostern.

Auch dieses Unentschieden in einer langen Zeit drögen Partie stellte allein wieder den Gastgeber zufrieden. „Gegen die spielstärkste Mannschaft in Deutschland hatten wir es nicht verdient, als Verlierer vom Platz zu gehen“, sagte Arminias Trainer Michael Frontzeck – zu Recht. Seine Spieler hatten schließlich aus limitierten Möglichkeiten Maximales gemacht, was zuvorderst Artur Wichniarek zu verdanken war: Clever traf der polnische Torjäger gleich zweimal, nur überschwänglich jubeln wollte der Pole darüber an diesem Spätsommertag nicht. Aus gutem Grund: Seine Mutter ist kürzlich verstorben, „die Tore widme ich meiner Familie und der Mannschaft“, sagte der in Posen geborene 31-Jährige.

Ein anderer hatte größte Mühe, seinen Unmut zu zügeln. Torsten Frings, Werders Wortführer, war stocksauer. „Das ist Dummheit“, bellte der langmähnige Nationalspieler. Er ärgerte sich maßlos über die Gegentore, die Sebastian Prödl und Clemens Fritz mit fatalen Stellungsfehlern begünstigten. Der österreichische Zugang Prödl, der ansonsten aufmerksam verteidigte, zeigte sich einsichtig: „Ich hatte einen Gedanken und zwei Gegenspieler: Diese Situation muss ich klären.“

Dann hätte sich wohl Teamkollege Markus Rosenberg als Matchwinner feiern dürfen: Erst bugsierte der treffsichere Schwede den Ball mit der Brust über die Linie zum 1:0 für Werder, dann traf er humorlos aus 17 Metern zum 2:1 – doch zum Sieg langte das nicht. „Ich habe getan, was ich konnte“, sagte Rosenberg. Worte und Taten waren durchaus als Ansage an den just verpflichteten Millionen-Stürmer Claudio Pizarro zu verstehen. Der 29-jährige Peruaner trifft morgen an der Weser ein, Dienstag wird er vorgestellt – und vermutlich wird er nächsten Samstag Seite an Seite mit Rosenberg gegen Schalke 04 stürmen.

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