Bremens neuer Manager Thomas Eichin : Eishockey ist auch nur Fußball

Thomas Eichin wechselt als Geschäftsführer Sport von den Kölner Haien zu Werder Bremen – und erklärt, warum er das Pendeln zwischen zwei Sportarten für produktiv hält.

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Zurück im Grünen: Hobbyeishockeyspieler Tomas Eichin übernimmt den Geschäftsführerposten in Bremen.
Zurück im Grünen: Hobbyeishockeyspieler Tomas Eichin übernimmt den Geschäftsführerposten in Bremen.Foto: dpa

Es gibt kaum einen so geschickten Verkäufer in der deutschen Sportbranche wie Thomas Eichin. Wenn der künftige Geschäftsführer Sport beim Fußballklub Werder Bremen über seinen neuen Arbeitgeber spricht, dann im kalkulierbaren Superlativstil. „Werder ist einer der Topvereine der Bundesliga, steht für gewisse Werte und Philosophien und hat ein positives Image“, sagt Eichin. Das Trara um Sponsor Wiesenhof, der sportliche Niedergang der Bremer in dieser Saison? Bügelt Eichin rhetorisch weg. „In meiner Wahrnehmung steht Werder immer noch als sympathischer Verein da.“ Ansonsten, na klar, bitte Verständnis dafür, „dass ich mich da vor dem 15. Februar nicht äußern will. Schließlich bin ich kein Mensch, der da mit dem Bagger reinfährt. Ich will mir erst einmal ein Bild machen.“

Bis zum 15. Februar ist Eichin noch bei den Kölner Haien aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Geschäftsführer, dann geht er nach Bremen. Der 46-Jährige wechselt Klub und Sportart – zum zweitem Mal bereits und das macht den Weg von Thomas Eichin einmalig ungewöhnlich. Der einstige Fußballprofi von Borussia Mönchengladbach ging 1999 nach seiner Spielerkarriere zu den Haien. Zunächst ins Marketing, 14 Jahre später kehrt er als erfolgreicher Eishockeyfunktionär zum Fußball zurück – in eine Szene, die an sich hermetisch abgeschlossen ist und niemanden will, der aus einer anderen Sportart kommt. Was gab es für ein Theater um den einstigen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, als den Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2006 zum Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund küren wollte. Peters schaffte es schließlich nur zum Nachwuchskoordinator in Hoffenheim. Eichin sieht sich in einer anderen Liga als Peters. „Eishockey war mein Beruf, Fußball ist meine Leidenschaft“, sagt er. Und: er könne eben beides. Als er nach Köln kam, hätten sich viele aufgeregt, was nun ein ehemaliger Fußballer im Eishockey wolle. Dabei sei der Unterschied zwischen Fußball- und Eishockeygeschäft nicht groß. „Es sind die gleichen Mechanismen, die gleichen Abläufe.“

Es wäre wohl schwieriger gewesen vom Tischtennis in den Fußball zu gehen, glaubt Eichin. „Die DEL ist Liga Nummer zwei in Deutschland vom Umsatz und den Zuschauerzahlen. Und es gibt Klubs wie die Haie, Mannheim, die Eisbären Berlin oder auch Hamburg, die genauso professionell geführt werden wie Bundesligaklubs.“ Irgendwas aus dem Fußball hätte er auch nicht angenommen, es musste schon so eine Marke wie Werder sein, sagt Eichin. „Und ich habe immer gesagt, dass ich erst aus Köln weggehe, wenn wir ein Topverein sind.“ Und diesen „Topverein“ hinterlasse er seinem Nachfolger Lance Nethery nun in „sehr gutem, sehr stabilen Zustand“.

2002, also drei Jahre nach Beginn der Ära Eichin, wurden die Haie Deutscher Meister. Danach erlebten sie sportliche Tristesse und havarierten auch am finanziellen Abgrund. Eichin bekam ordentlich etwas ab, eine Kölner Zeitung kürte ihn zum „Architekten des Untergangs“. Der Funktionär ist also sturmerprobt – gute Voraussetzung für den Posten im kriselnden Bremen. Zumal der gebürtige Breisgauer gezeigt hat, dass er Stärken im Krisenmanagement hat. Eichin hat es geschafft, die Kölner zu stabilisieren. Nach dem Weggbruch des langjährigen Gesellschafters hat er einen neuen, solventen Mäzen gefunden und mit Uwe Krupp als neuem Cheftrainer 2011 im anspruchvollen Köln ein gutes Fundament geschaffen. Die Haie sind seit dieser Saison wieder ein Spitzenteam, der Zuschauerschnitt ist deutlich gestiegen und liegt bei fast 13 000 – zweitbester Wert in der Liga nach den Berliner Eisbären.

Eichin verlässt sein Unternehmen auf dem Weg nach oben und geht in die größere Fußballwelt zu einem Klub, der auf dem Weg nach unten zu sein scheint. „Natürlich fällt mir der Abschied aus Köln nicht leicht“, sagt er. „Aber ich möchte in meine erlernte Sportart zurück.“ Weil er dann im sportlichen Bereich da doch besser mitreden kann? Thomas Eichin sagt, den Fehler werde er nicht machen: "Ich bin schließlich kein Spezialist für den Athletikbereich."

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