Sport : Bremer Fans gegen Rechtsradikale

Richard Leipold

Bochum - Die Bremer Fußballfans, die wirklich Flagge zeigten, brauchten dafür keine Fahne. Sie distanzierten sich lautstark von einer kleinen Gruppe Rechtsradikaler, die auf der Westtribüne des Bochumer Stadions braunen Spuk verbreiten wollte. „Nazis raus!“, rief die große Mehrheit der Werder-Anhänger nach dem 0:0 beim VfL Bochum. Und: „Wir sind Bremer und ihr nicht!“ Mitglieder einer Organisation, die sich „Nordsturm Hansestadt Bremen“ nennt, wollten nach dem Abpfiff ein Tuch mit den Buchstaben „NSHB“ und einem Totenkopfsymbol hochhalten. Das hatten sie bereits während des Spiels schon einige Male getan an diesem Vorabend des 9. November, 70 Jahre nach den Nazi-Pogromen gegen die Juden im Dritten Reich.

Werder-Fans, die das nicht dulden wollten, informierten die Polizei über das braune Treiben im Block nebenan. Die Beamten schritten ein und nahmen sechs Nordsturm-Anhänger vorübergehend in Gewahrsam. Später wurden diese allerdings wieder nach Hause geschickt, weil sie keine Straftat begangen hätten. Berichte, wonach die Störer auch eine Reichskriegsflagge gezeigt haben sollen, wollte die Polizei auf Nachfrage nicht bestätigen. In Bremen ist die Gruppierung NSHB bereits unangenehm aufgefallen. So überfielen Mitglieder im Januar des vergangenen Jahres etwa ein Treffen linksgerichteter „Werder-Ultras“, damals gab es mehrere Verletzte.

Die Verantwortlichen von Werder Bremen lobten das Verhalten der Fans. „Das war eine gute Reaktion unserer Anhänger“, sagte Geschäftsführer Klaus Allofs. „Wir können stolz auf darauf sein.“ Am Sonntag schaltete sich auch DFB-Präsident Theo Zwanziger mit lobenden Worten ein. Er kündigte an, sich in den nächsten Tagen mit den Bremer Fans zu treffen, „um ein sichtbares Zeichen der Anerkennung zum Ausdruck zu bringen“. So gab es nach einem aus Bremer Sicht enttäuschenden torlosen Spiel doch noch Gewinner: die Widerstandskämpfer im Werder-Fanblock. Richard Leipold

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