Sport : Bremer Recht

Werders Trainer Schaaf und sein Team stehen erneut im Pokalfinale

Steffen Hudemann

Bremen. Es war kurz vor Mitternacht, als Thomas Schaaf sich um seine Nachtruhe sorgte. Werder Bremens Trainer saß im Presseraum unter der Ostkurve des Weserstadions und sah müde aus, abgekämpft, als hätte er selbst 120 Minuten auf dem Feld gestanden. „Ich weiß nicht, ob ich nach diesem Spiel so schnell in den Schlaf finde“, sagte Schaaf. Ob der Trainer noch geschlafen hat, ist nicht bekannt. Sollte er wach gelegen haben, dann wird ihm dieses Spiel noch einmal durch den Kopf gegangen sein.

Zweimal hatte Werder gegen den Außenseiter aus Lübeck im Rückstand gelegen. In der Verlängerung schien die Sensation perfekt, ehe Ailton und Nelson Valdez das Spiel noch zum 3:2-Endstand drehten.

Selten hatte man Schaaf so aufgeregt gesehen. Wild gestikulierend sprang der sonst so ruhige Bremer von der Bank auf. Auch die Zuschauer hielt es nicht auf den Sitzen. Stehend verfolgten sie die zweite Halbzeit der Verlängerung. „So sollte ein Pokalspiel sein“, sagte Schaaf. Und niemand wollte ihm an diesem Abend widersprechen.

Der Mann kennt sich aus in diesem Wettbewerb. Bremen ist die erfolgreichste Pokalmannschaft der vergangenen 20 Jahre, was irgendwie mit Berlin und Thomas Schaaf zusammenhängen muss. Seit 1985 findet das Endspiel im Olympiastadion statt, sieben seiner acht Finalteilnahmen erreichte der Klub in dieser Zeit. Und immer war Schaaf dabei – viermal als Spieler, nun schon zum dritten Mal als Trainer. „Das Finale hat gute Tradition bei uns“, sagte Schaaf. Und wenn er seinen Spielern mit ähnlicher Begeisterung von Berlin berichtet hat wie später den Journalisten, dann erklärt das vielleicht, warum der SV Werder ein wenig mehr für das Erreichen des Finals tut als andere. „Wer das einmal mitgemacht hat, diese Begeisterung nicht nur am Finaltag, sondern auch am Tag davor und danach, der weiß, welche Freude auf uns wartet.“

Auch der zweite sportlich Verantwortliche in Bremen hat reichlich Pokalerfahrung. Klaus Allofs, der Sportdirektor, wurde als Spieler mit Köln, Düsseldorf und Bremen insgesamt viermal DFB-Pokalsieger. Und er erreichte mit Schaaf den größten Erfolg der Bremer Vereinsgeschichte. 1992 erzielte Allofs in Lissabon das 1:0 gegen Monaco. Werder siegte 2:0 und gewann einen Wettbewerb, der inzwischen abgeschafft ist, eigentlich aber wie geschaffen für die Bremer war: den Europapokal der Pokalsieger.

Auch Allofs fiel es schwer, den Pokalerfolg zu erklären. Die Mannschaft spiele in diesem Jahr insgesamt stark, im Pokal, in der Meisterschaft. Dass sie den Wettbewerb ernster nimmt als andere, glaubt er nicht: „Inzwischen sind die Plätze für den Uefa-Cup so begehrt, dass alle ins Endspiel wollen.“ Am Ende jedenfalls hatte Schaaf die ebenso einfache wie einleuchtende Antwort auf die Frage, was eine gute Pokalmannschaft ausmache: „Dass sie ihre Spiele gewinnt.“

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