Sport : Bremsen mit Prothese

Alessandro Zanardi kehrt nach seinen Erfolgen bei den Paralympics in den Motorsport zurück.

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München - Handbike-Paralympicssieger Alessandro Zanardi will künftig wieder in ein Rennauto steigen. „Ich dachte, es wäre gar nicht verkehrt, angetrieben zu werden, nachdem ich mich so lange selbst angetrieben habe“, sagt der beidseitig beinamputierte ehemalige Formel-1-Pilot und meint nach zahlreichen Erfolgen mit dem Handbike damit sein Comeback am Steuer. In einem BMW Z4 GT wird der Italiener in sechs Rennen der Blancpain GT Series starten. Zanardi hatte bei einem Unfall 2001 auf dem Lausitzring beide Beine verloren. Seither ist er auf Prothesen und Gehhilfen angewiesen.

„In meinem Alter vermisse ich nicht die Möglichkeit, einen Rennwagen schnell zu bewegen. Ich vermisse die Möglichkeit, die Leidenschaft, die Intensität und die Hingabe für die Dauer einer Saison zu haben“, sagt Zanardi. „Das Angebot, das sie mir von BMW Motorsport gemacht haben, ist großartig unter allen Gesichtspunkten“, sagt Zanardi. „Die Dauer der Saison passt zusammen mit meinem restlichen Leben, ohne zu viel durcheinanderzubringen.“ Denn nach seinen zwei Goldmedaillen mit dem Handbike bei den Paralympics in London will Zanardi auch diesem Sport treu bleiben. Parallel zu den Motorsport-Auftritten will er weiter an Weltcup-Rennen, den Weltmeisterschaften und Marathons teilnehmen. „Ich werde auch am Berlin-Marathon teilnehmen, zum ersten Mal“, sagt er. Alles als Vorbereitung für die nächsten Paralympics 2016.

Zanardi fuhr vor seinem Unfall 41 Formel-1-Rennen. Nach dem Unglück setzte er sich in ein umgerüstetes Auto der Tourenwagen-WM und gewann vier von 105 Rennen. „Der erste Sieg dort war eine der größten Leistungen meiner Karriere“, sagt Zanardi, der mit den Händen Gas gibt und mit der Beinprothese bremst. Nie zuvor war einem behinderten Fahrer ein Sieg auf diesem Niveau gelungen. Dass Motorsport für ihn keine zusätzlichen Sicherheitsgefahren birgt, glaubt er bereits zu wissen. Auch ohne Beine könne er ein Auto notfalls schnell verlassen. „Falls meine Beine eingeklemmt werden sollten, kann ich sie einfach im Auto lassen. Ich habe noch ein paar mehr zu Hause“, sagt Alessandro Zanardi scherzhaft. dpa

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