Briefe an die Bundesliga : Dank je wel!

Allwöchentlich schreiben unsere Autoren Dirk Gieselmann und Helmut Schümann abwechselnd Briefe an die Liga. Heute über "Robbery" und "Hoenigge".

von und
Helmut Schümann
Helmut SchümannFoto: Kai-Uwe Heinrich

14. 1.2011

Betreff: Ribben

lb. liga,

danke, danke, danke, merci beaucoup, dank je wel! sie sind wieder da, d. h., es ist wieder da, das robbery, oder auch das arjnck, aber das ist etwas sperrig in der aussprache. wieso, liga, eigentlich robbery? das robbery, >engl.: raub, einbruch <, macht nichts verbotenes, raubt nichts, allenfalls ein paar hoffenheimern den letzten nerv, und das wird ja wohl erlaubt sein. beanspruche titelschutz für das „ribben“, ribben ist viel leichter und tänzerischer als das martialische robbery. meine meinung. nun haben viele verwundert festgestellt, dass der fc bayern mit dem ribben eine ganz andere mannschaft ist. ja wie, was? ist doch logisch, das ribben in seine einzelteile zerlegt ist ribery und robben, also zwei individuen, also 20 % der feldspieler, fast ein viertel. sich dann über eine veränderung zu wundern ist wie das erstaunen über das verbreitet phänomen, dass man auf älteren fotos immer jünger aussieht. viele fragen sich zudem, was gewesen wäre, wenn. wenn das ribben schon von beginn an getanzt hätte. dann hätte das führungsduo hoenigge vielleicht weniger mit gaalgott geschimpft, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. ist aber auch müßig die frage, weil sie nicht einmal der beckenbauer beantworten könnte. der könnte aber etwas anderes sagen, jetzt, mit blick auf die championsleague. der könnte sagen: man muss natürlich sagen, dass mailand nicht hoffenheim ist und inter nicht 1899. das stimmt sogar. Also noch mal, dank je wel, merci, dein helmut schümann  

7. 1.2011

Liga,

früher waren Gefühle privat. Heute wird öffentlich gefühlt. Und wie! Es gibt die gefühlte Temperatur, die gefühlte Inflation, das gefühlte Alter – und jetzt auch den gefühlten Sieg. Den fühlten die Schalker beim 0:0 in Dortmund, selbst Magath, bei dem es sich sonst immer so anfühlt, als fühle er gar nichts. Männer, die Gefühle zeigen: Damit fing Andi Möller an, als er eines Nachts „vom Feeling her ein gutes Gefühl“ bekam. Sogar gefühlte Faxe gibt es schon: Chuopo-Moting schickte gleich zwei. Das echte kam dann (gefühlte) zwölf Minuten zu spät. Der Wechsel vom HSV nach Köln platzte – Du hattest kein Mitgefühl, Liga. Gut so! Gefühl gehört in den Fuß. Alles andere ist Schmalz.

Gefühlskalt:

DG.

31. 1. 2011

lb. liga,

gell, das hat der felix toll gemacht. hat gesagt, dass der julian kein abitur mehr braucht. der julian draxler, der wo das tor gemacht hat, du weisst schon. und das mit 17 jahren. der jüngste siebzehnjährige aller zeiten. also seit dem leimener siebzehnjährigen, der, wo wimbley gewonnen hat, oder wie das dings damals hiess. abitur nicht mehr nötig, hat der felix gesagt, und sein sportlehrer, also der jetzt vom julian, hat auch gesagt, dass der julian jetzt schon mehr verdient hat, als er, der sportlehrer in seinem ganzen leben nicht verdienen tut. und jetzt, liebe liga, kannst du dich richtig schön aufregen und empört tun, weil so ein satz ja unverantwortlich ist. weil, was, wenn der julian sich nächste woche verletzen tut, dann hat er ein appes bein und kein abitur. und überhaupt, man lernt ja nicht für die schule, sondern für den kontostand. oder noch so ne frage: was, wenn der julian sich nicht verletzt, sondern ein star wird und dann das ausland anklopft und ihn verpflichten haben will? dann steht der julian dumm da, weil er zwar ein dickes konto hat, aber kein abitur und auch kein ausländisch spricht. früher, als die julians noch lothar m. hiessen oder andy m., da war das ja noch möglich, mailand oder madrid, hauptsache spanien, aber heute muss man schon ein bisschen mehr auf dem kasten haben, mindestens so viel wie felix. nix ist scheisser als platz zwei, hat mal einer gesagt. doch, platz elf ist noch viel scheisserer, platz elf, da wo felix und sein schalke steht. irgendwie dumm gelaufen, saudumm, mit oder ohne abidingens, dein helmut schümann

17.1. 2011

Liebe Liga,

weißt du noch, damals Ende der Sechzigerjahre? Als unser aller Beckenbauer Kraft in den Teller wollte und dafür Knorr auf den Tisch forderte? Jetzt haben sie den Salat und Kraft nicht im Teller, aber im Tor. Da habe ich gleich zu Beginn der Karriere eine dringende Bitte. Bitte, bitte, keine schmalbrüstige Witzchen. Als der Vorgänger noch im Tor stand, hat auch niemand niemals gesagt, dass die Bayern platt seien wie der Butt. Aber ist wohl vergeblich die Bitte, es geht ja schon los, dass Bayerns Kraft für den Titel nicht reicht, so etwa. Obwohl der Torwart doch kraftvoll zupacken kann. Das ist kraft- und saftlos, dein Helmut Schümann

12.12.2010

lb. Liga,

immer mal wieder verblüffst du. diesmal durch frank rost, du weißt schon, dem torwart beim hsv. der stellte am samstag die gegenfrage. die frage des field-reporters, so sagt man wohl heute bei dir, zielte auf die befindlichkeit des hsv. die gegenfrage: "kennen sie den zauberlehrling?" der field-reporter sagte: "mhm, äh, jau" und das klang, als wollte er sagen, "aber nicht persönlich." rost sagte: "so geht es bei uns zu" und verschwand. wow, liga, alle 8ung, liga, goethe erklärt den hsv, obwohl er vom fußball nichts verstand und immer nur auf eis lief hinter dem frankfurter bahnhof. goethe und rost haben recht. erst war der hsv überheblich, dann übermütig, und nun ist land unter. und kein meister in sicht, der den schaden behebt. was hilft? möglicherweise dieser kollege goethes, dieser schiller, zwar kein stürmer und dränger wie der junge goethe, aber auch der ein klassischer denker und lenker: "von der stirne heiß, rinnen muss der schweiß." dem hsv auf jeden fall hat die glocke längst geschlagen. oder so ähnlich. der torwart frank rost hat übrigens einen spitznamen. freunde und kollegen rufen ihn "fäustel". so ein nomen ist omen. kein wunder, dass fäustel faust, äh, goethe zitiert. und, anders als der frühere rezitator rehhagel, auch noch richtig. schwer beeindruckt, liebe liga, von deiner neuen literarischen qualität, und natürlich auch von den borussen, die du aber bitte, nie, nie wieder junge wilde nennst. danke, dein Helmut Schümann

6. 12. 2010

Liebe Liga, 

Piotr Trochowski hat mal gesagt: "Kinder haben die Zukunft noch vor sich." Das liegt in der Natur der Zukunft, selbst ein Greis hat sie nie hinter sich. Also nichts Neues. Trotzdem kam mir der Satz wieder in den Sinn. Denn ich bin Vater geworden. Am Samstag habe ich mit meinem Sohn zum ersten Mal Sportschau geguckt. Und ich dachte: Wenn er zwölf ist, so alt wie ich, als Brehme in Rom den Elfer versenkte, findet die WM in Katar statt. Und Du vielleicht auch schon, Liga – das Finale um die Deutsche Meisterschaft 2022 in Doha, Red Bull Leipzig gegen Red Bull Leipzig II. Es gibt keinen Fußballgott mehr, und wir sind seine Propheten. Da liegt er, mein Sohn, schläft und ahnt nichts von all dem. Ich wünschte, er hätte diese Zukunft nicht vor sich. Keine Grüße an Trochowski.

Dein Dirk Gieselmann

29.11.2010

liebe liga,

schalke 05 ist schon starker tobak. auf der anderen seite, endlich ist carmen thomas rehabilitiert. nach 37 jahren! gieselmann, der werder-mann, ist noch jung, der wird’s nicht wissen. also: carmen thomas hat 1973 als moderatorin im sportstudio von schalke 05 gesprochen, da war die aufregung groß über diesen versprecher, weil damit praktisch bewiesen war, dass frauen vom fußball nichts verstehen. und nun hat sie doch recht behalten. schalkes trainer felix magath hat gleich die tradition der irrtümer fortgesetzt. die fans halten ihn ja schon für den größten irrtum. er selber hat gesagt, dass seine mannschaft nur auf einer position verändert war gegenüber dem „spiel unter der woche gegen benfica lissabon“. wer gerade 0:5 verloren hat, kann auch schon mal lissabon und lyon verwechseln, benfica und olympique, hauptsache italien. aber, liga, ist damit jetzt auch bewiesen, dass magath vom fußball nichts versteht? eben. dann war auch der alte beweis unsinn. magath hat noch gesagt, dass das ergebnis nach konsequenzen schreit. Das läuft wohl auf medinzinbälle am kopfballpendel hinaus. er wolle jetzt nur noch unfallfrei nach gelsenkirchen zurück, sagte magath abschließend. leite ihn, liga, sonst landet der verwirrte womöglich noch in der nähe von lüdenscheid. das wäre dann schalke 09, das kann niemand wollen, ich auch nicht. dein helmut schümann

22. 11. 2010

Liga,

Du machst mich nicht glücklich. Du machst mich hässlich. „Tooor auf Schalke!“, blökte die Sky-Konferenz. Mein Kumpel B. meinte: „Ich guck jetzt nur in dein Gesicht, dann weiß ich auch, wie es steht.“ Und fünf Sekunden später: „Igitt, ich guck doch lieber auf den Fernseher.“ 0:4 macht einen schlechten Teint. Verknittert thomasschaafte ich heim und setzte mich an den Tisch, ohne das Licht anzuknipsen, damit niemand sah, wie hässlich ich geworden war. Ich machte mir kein Abendbrot, ich machte mir Gedanken. Über Werder. Über Dich. Und uns. Auch die waren hässlich. Wir Bremer gehen zum Lachen in den Keller, heißt es. Stimmt nicht. Wir lachen nicht mal dort. Aber zum Weinen, Liga, gehen wir in den Keller. In den Tabellenkeller. Wenn du mir je zurück schreiben solltest, was ich nicht glaube und auch nicht mehr möchte, beachte diese Adressenänderung, nicht mehr Dein Dirk Gieselmann

15. 11. 2010

Ach Liga,

unbarmherzige, spröde Liga. Ist nicht schon genug Realismus in der Welt, nicht genug Nüchternheit und Kälte? Gerade jetzt, wo der Frost naht und die Herzen Wärme bräuchten, fängst du an, die Mainzer durchzureichen. Ist schon klar, die hatten nichts zu suchen da oben an der Sonne, die hatten nur den kurzen Sommer der Anarchie. Ist übrigens ein Buchtitel, solltest du mal lesen, handelt auch vom Glück der Unwägbarkeit und vom Rausch es anders zu machen. Ach, war das schön, einmal anders sein als all die anderen Bayern. Vorbei ist der Traum von Mainz 05, die Vision, der Tatendrang. Was wäre die Welt ohne die Vision und den Tatendrang des Mainzers Johannes Gensfleisch? Wer das ist? Schau selber nach, gnadenlose Liga. Nur soviel, ohne dessen Werk könntest du das hier nicht einmal lesen. Traurig, dein Helmut Schümann

8. 11. 2010

liga, altes haus!

unter deinem dach leben seltsame familien. die bayern etwa. ich hab lange überlegt, an wen sie mich erinnern – jetzt hab ich es! früher lebte in unserer straße ein ehepaar. die frau sah aus wie eine gans und war immer mies drauf, was wohl damit zu tun hatte, dass sie wie eine gans aussah. der mann stand meist im garten, hauptsache, weit weg von der frau, was ebenfalls damit zu tun hatte, dass sie wie eine gans aussah. vom zaun aus schimpfte er mit hochrotem kopf auf alle, die vorbeikamen. da musste wohl was raus. und wie gesagt, liga, jetzt hab ich es! die beiden sahen genauso aus wie l. van gaal und u. hoeneß. und sie lebten genauso: aneinander vorbei. van gaal sagt nun: "wir haben verabredet, dass wir öfter sprechen können. und vielleicht sollen." können! sollen! ist das noch liebe, liga? nein. 16 monate ehe im fußball sind wie 25 jahre im echten leben: die trainer-gans schnattert, der präsidenten-mann steht nur noch im garten bzw. sitzt auf der tribüne und schimpft. mit hochrotem kopf. ich sage dir: die beiden können sich trennen. sollen sogar! trotz ihres alters. jeder ball der einsamen herzen macht sie glücklicher als ein weiterer tag gewohnheitsehe. einfach weiterzumachen, das ist doch auch für die kinder nicht gut. der sohn der leute aus unserer straße wurde zum blöden halbstarken mit fuchschwanz am schlüssel und hat mir auf dem schützenfest mal auf die schnauze gehauen. und auch von th. müller hieß es in der sportschau schon, er sei "mental nicht fit". mental! nicht fit! pass auf, liga! pass auf, was unter dem deinem dach geschieht. besorgt: dirk gieselmann

1. 11. 2010

liebe liga,

früher hat es mal im sport so typen gegeben, die behaupteten, dass, da wo sie sind immer oben ist, und wenn sie mal unten seien, dann sei unten eben oben. das waren typen wie rene weller, der weichbirnige boxer oder udo lattek, wenn er wodka-feige, aber bitte ohne feige bestellt hat. jetzt hat felix (felix heisst ja der glückliche, so viel schadenfreude muss schon sein) magath gesagt: wir haben spieler, die gewohnt sind, oben zu stehen. deshalb kommen sie mit der situation nicht klar.“ klingt logisch auf den ersten blick. aber warum kommen dann mainzer spieler, die gewohnt sind unten zu stehen oben klar? oder hertha. auch gewohnt ganz unten zu stehen und jetzt…, na gut, andere liga. und was heisst das in der konsequrenz? müssen trainer mit meisterschaftsambitionen künftig spieler verpflichten, die nicht gewohnt sind, oben zu stehen, weil, wenn sie es wären und zufällig mal nicht oben stehen, sie dann furchtbar erschrecken und schnell unten stehen, wo sie nicht gewohnt sind zu stehen? gibt es eigentlich noch eine offene zeche in schalkes umgebung? dann könnten die schalker vielleicht mal ganz unten trainieren, wegen der gewöhnung. und auch, weil sie dann gewiss schnell wieder nach oben wollen. man kann natürlich auch sagen, dass es für alles eine erklärung gibt und huntelaar und raul tore gewöhnt sind, die viel breiter und höher sind als alle anderen. und metzelder spieler, die langsamer sind als er. aber gibt es so etwas? ebenso ratlos wie schalker, dein Helmut Schümann

25.10.2010

Liebe Liga,

mit Hannover meinst Du’s wohl gut. 2:1 gegen Köln, das war schon der fünfte Sieg für den Außenseiter. „Müssen Sie sich jetzt irgendwo schütteln?“, fragte ein Reporter hinterher Trainer Mirko Slomka. Seltsam, dachte ich zunächst: Warum soll er sich denn jetzt schütteln? Muss man sich nicht vielmehr kneifen, wenn man etwas nicht so recht glauben kann? Und was meinte der Reporter bloß  mit „irgendwo“? Sollte der Erfolgscoach sich etwa selbst die Hand schütteln? Warum tat das nicht Präsident Martin Kind vor Stolz? Oder wenigstens irgendein schleimiger Sponsor? „Ja, stimmt. Da muss ich mich schütteln“, sagte Slomka dann tatsächlich. Und er stand dabei nicht mit dem gemeißelten Heldengesicht des kommenden Deutschen Meisters in der Interviewzone, sondern mit dem rosigen Teint eines Mannes, von dem soeben riesiger Druck gewichen war. Wie einer, der gerade eine Menge Wasser gelassen hatte. Da wurde mir klar: Nicht alles, was drei Punkte bringt, ist ein Triumph. Es ist manchmal auch einfach nur eine profane Erleichterung. Erst musste man, dann darf man endlich. Und wer dürfen darf, der darf auch schütteln. Sich. Irgendwo. Aber: Wenn heute in Hannover noch immer jemand in den Katakomben steht und sich irgendwo schüttelt, dann richte ihm das eine doch bitte aus, liebe Liga: Da hilft kein Schütteln und kein Klopfen, in die Hose muss der letzte Tropfen. Hat schon mein Opa immer gesagt. Bist Du so gut, liebe Liga? Danke im Voraus.

Dein Dirk Gieselmann 

18.10. 2010

Lb. Liga,
schon länger klar, dein Poldi hat’s mehr im Fuss als im Hirn. Aber was hiess seine Geste zu Sahin nach Abpfiff, flache Hand schlägt auf geballte Faust? Ist das polnisch für super Schuss oder gut reingenagelt? Oder war das sein Versuch mit Sahin türkisch zu reden: Ey, was guckst du? Und irgendwie daneben war auch das Zeigen aufs Vereinslogo. Gesten kann er also auch nicht, der Poldi. Nix für ungut,

lbg, helmut schümann

3. 10. 2010

Liebe Liga,
bist Du’s wirklich? Oder liest diesen Brief auch Gottschalk? Ich kann Euch nicht mehr auseinanderhalten! Ewig junge Liga, ewig junger Thommy: Die immer gleichen Menschen tummeln sich in Euren Shows, egal – alle gucken zu. So wie ich am Samstag. Erst ging Gottschalk selbst baden und rief: „Ich habe die Veranstaltung nicht mehr unter Kontrolle!“ So wie Magath drei Stunden zuvor! Dann saß Robben auf der Couch, als wäre sie die Bayern-Tribüne, und Thomas Schaaf stellte seine neue Single vor. Trainiert Joe Cocker jetzt Werder? Und war es die dralle Christine Neubauer, die da am Drahtseil über dem Olympiastadion schwebte – oder schon der Geist von Karl-Heinz Wildmoser? Liga, ich höre Stimmen. Stimmen nach dem Spiel. Stimmen vor dem Spiel. Wenigstens ist das Wetten bei Dir noch illegal. Gottschalk sendet ungestraft. Grüße, an wen auch immer. Total verunsichert: Dirk Gieselmann

27.09.2010

liebe liga,

mein kumpel gieselmann hat sich nun doch noch nicht beim synchronschwimmen angemeldet. seine bremer haben ja mal wieder gewonnen. aber klar ist trotzdem noch nicht, wohin die reise gehen soll, für werder nicht und für dich, liebe liga, wohl auch noch nicht. werder wehrt sich aus der krise, der vfb aus stuttgart war schon raus nach dem 7:0 über mönchengladbach und ist jetzt ganz unten. die mönchengladbacher ihrerseits haben den schalkern getrotzt, die nun ihrerseits trotzdem das ende ihrer krise erkennen. was denn nun? liga, dein neuling huntelaar kennt sich noch nicht so richtig aus und war ganz verdutzt, dass man auf schalke den verlust von zwei punkten in einem heimspiel feiert, als sei ernst kuzorra wieder auferstanden. aber auf schalke feiern sie auch noch ganz andere sachen und werten noch ganz andere zeichen. „reus hat mich getroffen, mir ist die kapsel rausgesprungen, aber ich habe sie selbst wieder reingedrückt. als torwart kennt man sich mit so etwas aus“, berichtete manuel neuer nach dem spiel. eine kapsel! rausgesprungen! am mittelfinger der rechten hand! in der fünften minute! und selber gerichtet! was für ein teufelskerl, was für teufelskerle überhaupt auf schalke. 2:2 gegen den tabellennachbarn aus mönchengladbach. tolle sache! oder, um mit lukas podolski aus den wm-tagen zu sprechen: „jetzt ist die brust erst mal da!“ also brust raus. und bei werder bitte auch. sonst geht der gieselmann doch noch ins wasser und schwimmt synchron mit dem franz,

liebe grüße, helmut schümann.

20.09.2010

Liebe ligääääääähn bzw. -ga,

man kennt den tief-, den halb-, den blitzschlaf, es soll den beischlaf geben, den winterschlaf und den schlaf der gerechten. du aber, liga, hast eine neue art des schlafs hervorgebracht: den werderschlaf. er übermannt die truppe zu den unpassendsten gelegenheiten. und er muss sehr fest sein, denn nicht mal pfeifkonzerte und kabinenpredigten können ihn unterbrechen. wahrscheinlich ist er ansteckend, einer fängt immer zuerst an zu pennen, wird langsamer und laaaaangsaaaaamer, bis gar nichts mehr geht, nirgends. gute nacht, petri, gute nacht, torsten, gute nacht, clemens. ich war auch schon eingenickt, doch dann riss mich die brüllende werbung aus dem sky-schlaf. huch! wo war ich? ach ja: die bremer. gute nacht, hugo. unweckbar, selbst von der krombacher-panflöte. mainz-trainer tuchel sieht zwar auch
recht verpennt aus, aber der hat einen trick: rasiert sich immer abends, bis morgens sind die stoppeln wieder gewachsen. „out-of-bed-look“ nennt man das, liga, in wahrheit ist der mann aber hellwach: 2:0 gewannen seine jungs und jubelten leise, gaaaaanz leise, damit die bremer nicht aufwachen. selbst schaaf sprach so gedämpft wie ein vater, wenn nebenan die kinder schlafen. sollen sich wohl ausruhen für das nächste wunder, 4:3 nach 0:3 gegen inter oder so. gute nacht, werder. und ich kann nicht einschlafen vor enttäuschung. schaaf-zählen hilft auch nicht, ich komme immer nur bis 1. hast du einen tipp, liga? übernächtigt: dirk gieselmann

13.09.2010

Liebe Liga,

keine ahnung, ob dein franz überhaupt e-mail-fähig ist. Ist ja schon ein älterer herr, 65 seit diesem wochenende. andererseits: wer die torwand im volltrunkenen zustand und in lackschuhen trifft, und den ball auf dem weissbierglas gelegt wie den golfball auf dem tee, der kann auch e-mails lesen, ohne einen computer zu haben. tee, das am rande, ist nicht das lieblingsgetränk vom franz, beileibe nicht, tee ist der pin beim golfabschlag. golf kann der franz auch. der franz kann auch dalai lama. ich bin sicher, würde der franz synchronschwimmen wollen, also vielleicht im duett mit gieselmann, das würde er auch können. weil der franz, das hat er mal selber gesagt „nix g’scheit’s gelernt“ hat. Die botschaft also: nix lernen, dann gelingt alles. bevor nun alle pisageschädigten, migrationshintergründler und sarrazins glauben, das gehe so, der franz redet halt gerne mal wirres und falsches zeug. der franz hat nämlich sehr wohl, was g’scheit’s gelernt. fußball spielen nämlich. und wer so fußball spielen kann, wie der franz konnte, dem sei alles gegönnt. das dünne ständchen aber, gestern vor dem heimspiel der bayern gegen werder, bei dem das gesamte stadion zum tonband kakophonisch happy birthday versucht hat zu singen, das liebe liga, üben wir noch einmal. obwohl, wird ja nicht nötig sein, weil so einen, wie den franz, wird’s wohl nicht mehr geben, da kann der matthäus sich noch so bemühen. deswegen auch von gieselmann und mir herzlichen glückwunsch an den franz (und an diesem festtag verzeihen wir dir auch die gladbacher heimniederlage).

mit den besten grüßen! helmut schümann

30.08.2010

Liebe Liga,
Ich kenne Dich seit 25 Jahren, und nie hast Du mich gefragt: „Zu mir oder zu dir?“ Du weißt nicht mal, wo ich wohne. Immer wieder kam ich zu Dir, ich Idiot. Wie oft musste ich mir dabei anhören, dass die Bayern nur verlieren, weil sie selbst Fehler machen! Drei Punkte: ein Geschenk, ein Spleen, den sie sich gönnen. Wie ich entschlossen war, mir das nicht mehr anzutun! Doch in dem Moment, da ich die Jacke schon anhabe und gehen will, höre ich: „Wir haben gut gespielt!“ Van Gaals Worte nachdem 0:2 –welche eine Volte! Ein Kompliment für Lautern! Und: „Wir müssen schärfer werden“, hat van Gaal noch gesagt. Schärfer ... interessant! Da zieh ich die Jacke doch noch mal aus. Oh, Liga! Schön bei Dir.

Dein Dirk Gieselmann

23.08.2010

Liebe Liga,
Gieselmann ist ein bisschen traurig. Er ist Bremer, da wird man nicht gerne von Hoffenheimern verhauen. Innerhalb einer Halbzeit! Innerhalb von sechs Minuten!! „Die drei Tore innerhalb von sechs Minuten haben alles kaputt gemacht“, sagt Tim Wiese. Für einen Tim Wiese ist das eine erstaunlich klare Analyse. Gieselmann und Schümann werden Dir, liebe Liga, jetzt jeden Montag ein paar Zeilen zukommen lassen. Immer abwechselnd. Mal Gieselmann, mal Schümann. Mal als Brief, mal als moderne E-Mail, vielleicht reicht manchmal auch eine SMS, also: lb. Liga, gut gem8!, zum Beispiel. Für die Traditionalisten: Das heißt „gut gemacht!“ Ist doch hoffentlich ein Zeichen, dass Schalke 04 in Hamburg verloren hat. Ausgerechnet Schalke, wo sie gerade versuchen, die Tradition und die Gefühle in der Emscher zu versenken. Ausgerechnet beim HSV, der Dich mitbegründet und nie gefehlt hat. Wenn man so will, und ich will so, dann haben da die alten Werte gegen das neue Geld gewonnen. Dass dabei Holland, van Nistelrooy, doch noch gegen Spanien, Raul, gewonnen hat, ist natürlich ein Treppenwitz. Aber verziehen, Liga, man kann nicht alles haben. Ausgewogenheit, liebe Liga, wirst du hier übrigens nicht erwarten können. Deshalb zählen wir mal den Sieg von St. Pauli zum Sieg der alten Werte hinzu. Und den von Kaiserslautern beim, ha, ha, ha, 1. FC Köln, natürlich auch. Es gibt sie noch, die guten alten Dinge. Weiter so! Wehre den Magaths! Genug für heute, muss noch Gieselmann trösten,
Dein Helmut Schümann

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