Briefwechsel : Sie haben Post - aus Österreich

Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“) und Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin „Zwölf“) stehen an dieser Stelle im Briefwechsel. Heute schreibt Reinhard über seine beschwerliche Reise zu den Holländern.

Österreich
Briefwechsel. Hier schreiben unsere Autoren aus Österreich und der Schweiz.Grafik: Tsp

Ciao Marco,

ich bin geflüchtet aus Wien. Nicht weil die Stimmung so schlecht gewesen wäre nach dem 0:1 gegen Kroatien, sondern um wirklich großen Fußball zu sehen. Und da fährt man während der EM am besten in die Schweiz, zu den Spielen der Todesgruppe C, und nimmt den Zug, weil der für akkreditierte Journalisten während des Turniers in beiden Veranstalterländern gratis ist.

Ob ich es noch mal machen würde, weiß ich allerdings nicht. Denn der Sonderzug mit Abfahrt 2.50 Uhr, Wien Westbahnhof, hatte nach mehreren unplanmäßigen Stops schnell eine „Fußball-Verspätung“ von 90 Minuten aufgerissen. Kurz nach der Grenze in Sargans wurde er dann ganz aus dem Verkehr gezogen. Der Schweizer Bahn war es vermutlich zu peinlich, sich mit einem dermaßen unplanmäßigen Transportmittel herumzuschlagen.

Nach einem kurzen Aufenthalt vor einem eindrucksvollen Bergpanorama lief dann alles wie am Schnürchen und ich bin am späten Nachmittag in Bern eingetroffen, rechtzeitig zum großen Schlager zwischen Italien und den Niederlanden. Schweizer hab ich dort allerdings keine getroffen, schon gar keine grauen Beamten, die ansonsten das Bild eurer Hauptstadt prägen sollen. Stattdessen war Bern in leuchtendes Orange getränkt 80 000 niederländische Fans haben die zentralen Plätze bevölkert und sind anschließend in einem nicht enden wollenden Tross über die Kornhausbrücke in Richtung Stadion gezogen – selbst für mich, der ich solchen Karnevalsumzügen ansonsten sehr skeptisch gegenüberstehe, ein sehr eindrucksvolles Ereignis.

Auch das Stade de Suisse ist ein wahres Schmuckkästchen. Ich hatte das Gefühl, Marco van Basten von meinem Sitzplatz aus auf die Schulter tippen zu können, so dicht war ich dran am Spielfeld. Fragt sich nur, was ich ihm hätte sagen sollen, denn er hat ja eh alles richtig gemacht. Am Mittwoch bin ich dabei, wenn ihr euer Finale gegen die Türkei spielt, bevor ich wieder nach Wien zurückfahre.

Am nächsten Tag haben dann auch wir eine ganz ähnliche Partie gegen die Polen. Wenn ich ehrlich sein soll, glaube ich nicht, dass eines der beiden Gastgeberteams es noch schafft, ins Viertelfinale vorzustoßen.

Aber aufgegeben werden bekanntlich nur Briefe.

Gruezi aus Zürich,
Reinhard

 Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“)  und Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin „Zwölf“) stehen hier im Briefwechsel.

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