Briefwechsel : Sie haben Post - aus Österreich

Ein Vierterl Wein zum Abschied. Oder zwei. Die gönnt sich Reinhard Krennhuber vom Fußballmagazin "Ballesterer". Der Österreicher schreibt hier im Wechsel mit Marco Durisch vom schweizer Fußballmagazin "Zwölf".

Österreich
Briefwechsel. Hier schreiben unsere Autoren aus Österreich und der Schweiz.Grafik: Tsp

Hallo Marco,

stimmen die Prognosen, dann wird heute vor dem Anpfiff für beide Wiener Finalisten die Sonne lachen. Die Wetterkapriolen der vergangenen Tage sind vorbeigezogen, und auch die peinlichen Bildausfälle sollten sich nicht wiederholen. Es ist also alles angerichtet für ein großes Endspiel.

Die Betreiber der Fanmeile sehnen unterdessen bereits den Schlusspfiff herbei. Von einem Hype wie bei der WM 2006 war man weit entfernt. Die erhoffte große EM-Party hat sich auf die Österreich-Matches beschränkt, ansonsten blieb der Hochkommerzstreifen in der City oft halbleer und leerer, wovon auch geschönte TV-Bilder nicht ablenken können. Wiener Besucher wurden, abgesehen von Teenagern, kaum gesichtet – angesichts der zahlreichen kleineren und angenehmeren Locations auch wenig verwunderlich. Wir mögen’s halt doch gern ein bisserl gemütlicher.

Apropos Wunder: Trotz des Ausbleibens des Wiener W’s blicken Frau und Herr Österreicher durchaus gern zurück auf die sportliche Performance des österreichischen Nationalteams. Die Fußballbegeisterung hat einen Schub erhalten. Ob er nachhaltig ist, muss sich allerdings erst weisen. Getrübt wird die positive Stimmung allerdings durch die spürbare Unzufriedenheit mit der Führungsschwäche im Fußballverband, die sich nach dem Abgang von Josef Hickersberger als Teamchef erneut offenbart. Nur die wenigsten trauen ÖFB-Präsident Friedrich Stickler zu, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Wie auch immer der nächste Teamchef heißt, es wäre zu hoffen, dass er – ähnlich wie Jürgen Klinsmann im DFB – ordentlich aufräumt mit den verknöcherten Strukturen des Verbandes. Heute steht das alles freilich im Hintergrund. Alle sollten sich freuen über ein Finale mit österreichischer Beteiligung, wenn auch „nur“ als Veranstalter. Da kann man sich schon auch ein Vierterl oder zwei genehmigen. Denn eine weitere EM in Österreich werden auch die Jüngsten wohl kaum mehr erleben.

Servus aus Wien,

Reinhard

Marco Durisch (Schweizer Fußballmagazin„Zwölf“) und Reinhard Krennhuber (Österreichs Fußballmagazin „Ballesterer“) stehen hier im Briefwechsel.

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